Deutscher Gewerkschaftsbund

05.09.2017

Kindergeld / Kindergeldzuschlag

Kindergeld oder Kindergeldzuschlag - wer hat Anspruch, wie sehen die Leistungen aus, was sind die Unterschiede? Die wichtigsten Fakten und Daten.

Kindergeld oder Kinderzuschlag?

Beim Kindergeld werden zwei Leistungsarten unterschieden. So ist Kindergeld eine Sozialleistung nach dem Bundeskindergeldgesetz an die Personen, die entweder überhaupt nicht oder nur beschränkt Steuern zahlen. Für alle anderen Personen, die unbeschränkt der Steuerpflicht unterliegen, ist es eine steuerrechtliche Leistung wie der Kinderfreibetrag, mit dem das Kindergeld verrechnet wird.

Wer bekommt Kindergeld?

Eltern haben Anspruch auf Kindergeld, um das Existenzminimum ihres Kindes zu decken. Dies gilt für Eltern, deutsche als auch ausländische, die ihren Wohnsitz in der Bundesrepublik haben und sich nicht nur vorübergehend in Deutschland aufhalten.

Aber auch junge Menschen (Kinder), die in Deutschland wohnen oder sich gewöhnlich aufhalten, können für sich selbst Kindergeld erhalten, wenn sie Vollwaise sind oder den Aufenthalt der Eltern nicht kennen und es keine anderen Personen mit Anspruch auf das Kindergeld gibt. Solche "anderen Personen" können Stiefeltern, Pflegeeltern oder Großeltern sein. Diese einschränkende Regelung gilt, damit für jedes Kind nur an eine Person Kindergeld gezahlt wird, und zwar vorrangig an diejenige, die das Kind in ihren Haushalt aufgenommen hat.

Wie lange wird Kindergeld gezahlt?

Das Kindergeld wird für jedes Kind bis zur Volljährigkeit gezahlt. Bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres wird gezahlt, wenn das Kind ohne Beschäftigung ist und in Deutschland bei der Agentur für Arbeit als Arbeit suchend gemeldet ist.

Nach dem 18. bis zum 25. Lebensjahr wird das Kindergeld gezahlt

  • wenn das Kind in der Ausbildung steht
  • für eine Übergangszeit von höchstens vier Monaten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten
  • bei der Ableistung des gesetzlichen Wehrdienstes oder Tätigkeiten wie dem Bundesfreiwilligendienst, Freiwilligem Sozialen bzw. Ökologisches Jahr
  • wenn eine Berufsausbildung mangels Ausbildungsplatz nicht begonnen oder fortgesetzt werden kann

Nach dem 18. Lebensjahr wird das Kindergeld in der Regel nur gezahlt, wenn die Einkünfte des Kindes, die für Unterhalt oder Berufsausbildung bestimmt sind, nicht mehr als 8.004 Euro im Kalenderjahr betragen. Die Sozialversicherungsbeiträge des Kindes sind dabei nicht berücksichtigen (Bundesverfassungsgericht, 1.1.2005, 2 BvR 167/02). Auch Beiträge zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung sind nicht einzubeziehen, solange sie notwendig sind und z. B. nicht von anderen Trägern, z. B. Beihilfeträger, getragen werden (Bundesfinanzhof, 15.03.2007 - III R 72/05) 

Wird der Freibetrag von 8.004 Euro überschritten, geht der Anspruch auf Kindergeldes verloren. Dies gilt auch, wenn das Einkommen wegen eines Ferienjobs oder einer Tätigkeit in der semesterfreien Zeit diese Bemessungsgröße übersteigt.

Wie hoch ist das Kindergeld?

Das Kindergeld beträgt für das erste und zweite Kind jeweils 192 Euro monatlich, für das dritte Kind 198 Euro im Monat und für jedes weitere Kind 223 Euro monatlich. Wird das Kindergeld direkt an das Kind ausgezahlt, beträgt es ebenfalls 192 Euro pro Monat.

Zum 1.1.2018 beträgt das Kindergeld für das erste und zweite Kind jeweils 194 Euro monatlich, für das dritte Kind 200 Euro im Monat und für jedes weitere Kind 225 Euro monatlich

Was ist der Kinderzuschlag?

Der Kinderzuschlag nach § 6a Bundeskindergeldgesetz wurde parallel mit den Leistungen der Grundsicherung für Arbeitslose eingeführt. Er ist für Eltern vorgesehen, die mit ihren minderjährigen Kindern, für die sie einen Kindergeldanspruch haben, im Haushalt zusammenleben. Der Kinderzuschlag soll vermeiden, dass Eltern nur wegen der Unterhaltsbelastung für ihre Kinder Arbeitslosengeld II (ALG II) und Sozialgeld in Anspruch nehmen müssen.

Der Zuschlag zum Kindergeld beträgt 170 Euro monatlich pro Kind und wird gezahlt, wenn

  • das Einkommen der Eltern (ohne Wohngeld) mindestens ihrem Bedarf an ALG II plus Sozialgeld entspricht
  • das Vermögen nicht die Höchstgrenzen nach dem SGB II überschreitet
  • dadurch also eigene Hilfebedürftigkeit nach dem SGB II vermieden wird

Einkommen und Vermögen des Kindes, außer Kindergeld und Wohngeldanteil, werden komplett auf den Kinderzuschlag angerechnet. Übersteigen die monatlichen Erwerbseinkünfte den Anspruch auf ALG II plus Sozialgeld, so wird für je zehn Euro des übersteigenden Betrages der Kinderzuschlag um sieben Euro monatlich gekürzt. Vermindert wird dabei der Gesamtzuschlag, also die Summe der Kinderzuschläge. Gibt es weitere Einkommensquellen aus Erwerbseinkünften oder existiert Vermögen, mindern diese Einkünfte den Kinderzuschlag in voller Höhe.

Der Kinderzuschlag wird höchstens für die Dauer von 36 Monaten gezahlt.

Anspruchsberechtigte auf den Kinderzuschlag haben für ihre Kinder Anspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe. Es handelt sich dabei um das Leistungspaket aus dem SGB II für:

  • eintägige Ausflüge von Schule oder Kindertagesstätte;
  • mehrtägige Klassenfahrten von Schule oder Kindertagesstätte;
  • Ausstattung mit persönlichem Schulbedarf;
  • Beförderung von zur Schule;
  • angemessene Lernförderung;
  • gemeinschaftliche Mittagsverpflegung in der Schule, Kindertagesstätte oder Hort;
  • Leistungen für die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft.

Die Bildungs- und Teilhabeleistungen sind bei der zuständigen kommunalen Verwaltung zu beantragen - bei Gemeinde, Landkreis oder Stadt.

Merkblatt des Bundesfamilienministeriums zum Kindergeld


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