Deutscher Gewerkschaftsbund

06.07.2017
Hans-Böckler-Stiftung

Erbschaften deutlich höher als gedacht

Forscher fordern Reform der Erbschaftssteuer für mehr Chancengleichheit

In Deutschland werden 400 Milliarden Euro verschenkt und vererbt - jedes Jahr. Das sind rund 100 Milliarden mehr als bislang geschätzt, so eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Vor allem in wohlhabenden Haushalten wird deutlich mehr Vermögen auf die nächste Generation übertragen als vermutet - und zwar in der Regel steuerfrei. Daran muss sich dringend etwas ändern.

Schiffchen aus Euro-Schein gefaltet

DGB/funlovingvolvo/123rf.com

400 Milliarden Euro pro Jahr

In den kommenden Jahren wird in Deutschland gut ein Viertel mehr Vermögen verschenkt und vererbt als bislang vermutet. Insgesamt liegt das Volumen von Erbschaften und Schenkungen bei etwa 400 Milliarden Euro pro Jahr. Das hat eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung ergeben. Anders als in früheren Untersuchungen haben die Forscher dabei nicht nur auf den aktuellen Vermögensbestand geschaut, sondern auch berechnet, wie sich die Wertsteigerung von bestehendem Vermögen sowie regelmäßiges Sparen auf mögliche Erbschaften auswirkt.

Wohlhabende profitieren doppelt

Das Ergebnis: Wer bereits ein großes Vermögen besitzt, kann in Zukunft noch mehr an seine Nachkommen vererben. Denn je höher das verfügbare Haushaltseinkommen, desto höher der durchschnittliche Sparbetrag und das Vermögen, das sich daraus ergibt. Außerdem fallen Wertsteigerungen vor allem bei Aktien, Betriebsvermögen, Sammlungen und Immobilien an - und diese befinden sich vor allem im Besitz von Wohlhabenden.

Grafik zeigt, dass im unteren Einkommensfünftel im Schnitt rund 12.000 Euro vererbt werden, im oberen Einkommensfünftel rund 248.300 Euro

Hans-Böckler-Stiftung

Staat geht leer aus

Die Forscher bezweifeln jedoch, dass sich aus dem höheren Erbvolumen auch deutlich höhere Steuereinnahmen ergeben. Aufgrund von hohen Freibeträgen werden die meisten Erbschaften weitgehend steuerfrei übertragen - genauso wie sehr große Vermögen, die als Betriebsvermögen weitergegen werden. Im Sinne der Chancengleichheit sollte die Politik diese Praxis überdenken, so die Hans-Böckler-Stiftung.

DGB fordert mehr Steuergerechtigkeit

Auch der DGB fordert seit langem eine gerechtere Verteilung der Steuerlast. Zur Bundestagswahl 2017 haben wir steuerpolitische Eckpunkte vorgelegt, die 95 aller Haushalte entlasten würden. Ein wesentlicher Bestandteil: Privilegien für sehr hohe Vermögen, Einkommen und Erbschaften streichen - und die Vermögenssteuer wieder einführen.


Alle Infos zum Steuerkonzept des DGB:  Gerecht besteuern, in die Zukunft investieren


Nach oben

Weitere Themen

CDU-­Plan: Hal­be Mil­li­on re­gu­lär Be­schäf­tig­te sol­len Mi­ni­job­ber wer­den
DGB/Dmitry Kalinovsky/123rf.com
Im Regierungsprogramm von CDU/CSU wirken die Pläne der Union für die Zukunft der Minijobs fast wie ein Versprechen für steigende Löhne: "Wir realisieren den mitwachsenden Minijob." Statt 450 Euro sollen künftig bis zu 550 Euro möglich sein. Doch für die Betroffenen ist das keine gute Nachricht – im Gegenteil.
weiterlesen …

Min­dest­lohn 2018: Was än­dert sich in 2018?
Colourbox.de
Mehrere Branchen-Mindestlöhne steigen zum 1. Januar 2018, andere erst im Laufe des Jahres. Unsere Übersicht: Was gilt beim gesetzlichen Mindestlohn und bei den Branchen-Mindestlöhnen im Jahr 2018.
weiterlesen …

Das än­dert sich 2018 für Ar­beit­neh­mer und Ver­si­cher­te
Colourbox.de
Am 1. Januar 2018 treten neue Gesetze und Regelungen in Kraft. Unter anderem beim Mutterschutz und in der betrieblichen Altersversorgung. Was ändert sich noch für Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Versicherte? Eine Übersicht.
weiterlesen …

DGB zur Bun­des­tags­wahl 2017: Jetzt ge­recht - du hast die Wahl!
DGB
Jetzt gerecht - du hast die Wahl! Der DGB hat klare Forderungen an die Parteien zur Bundestagswahl 2017 formuliert. Hier gibt's alle Infos.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Themenverwandte Beiträge

Link
"Arm bleibt arm und reich bleibt reich"
Die Einkommensverteilung in Deutschland wird undurchlässiger, ein sozialer Aufstieg immer schwieriger – und für Angehörige der unteren Mittelschicht steigt das Risiko, finanziell abzurutschen. Das hat der neue Verteilungsbericht des WSI ergeben. Gleichzeitig haben die Abstände zwischen niedrigen und hohen Einkommen ein neues Rekordniveau erreicht. zur Webseite …
Artikel
Verteilungsbericht 2017: Jetzt handeln - Ungleichheit bekämpfen
Immer mehr Superreiche, immer mehr Einkommensschwache und Arme: Obwohl es in Deutschland noch nie so viel Wohlstand gab wie heute, ist die Ungleichheit in den letzten Jahren deutlich gestiegen. "Das ist nicht nur sozial ungerecht, sondern schadet auch dem wirtschaftlichen Wachstum", sagt DGB-Vorstand Stefan Körzell. weiterlesen …
Artikel
Fakten zur Einkommensverteilung 2016
Die Ungleichheit der Einkommen und Vermögen in Deutschland ist größer als in vielen anderen Industriestaaten – ein Armutszeugnis für unser Land. Die Gewerkschaften haben mit Mindestlohn und Tarifabschlüssen für Reallohnsteigerungen gesorgt. Was sich sonst noch ändern und was die Politik tun muss, zeigt ein neues Faltblatt des DGB. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten