Deutscher Gewerkschaftsbund

30.12.2015
Öffentlicher Dienst

Befristete Stellen: Staat als schlechtes Vorbild

Der öffentliche Dienst als schlechtes Vorbild: Bei Bund, Ländern und Kommunen gibt es eine deutlich höhere Quote befristeter Stellen als in der Privatwirtschaft. Und auch die Chance, auf eine unbefristete Stelle zu kommen, ist bei öffentlichen Arbeitgebern deutlich schlechter. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Mann mit Pappmaske vor Gesicht (traurig)

Colourbox.de

Im Schnitt war laut IAB-Studie mehr als jede zehnte Stelle von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst nur eine befristete Stelle (10,4%, Stand: 2014). In der Privatwirtschaft lag der Anteil hingegen nur bei 6,7%.

Bestimmte Bereiche des öffentlichen Dienstes haben allerdings noch deutlich höhere Anteile befristeter Arbeitnehmer-Stellen.

Hintergrund zur IAB-Studie zu Befristungen im öffentlichen Dienst

In den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen haben die öffentlichen Arbeitgeber 2014 bezweifelt, dass die Befristungspraxis des öffentlichen Dienstes im Vergleich zu anderen Arbeitgebern ein besonderes Problem sei. Daher wurde eine gemeinsame Studie beim IAB in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse liegen jetzt vor: Befristete Beschäftigung findet sich im öffentlichen Dienst deutlich häufiger als in der Privatwirtschaft. Die Chance, im öffentlichen Dienst aus einer befristeten Beschäftigung übernommen zu werden, ist deutlich geringer. Das IAB selbst verweist darauf, dass es eine ausreichende Finanzierung von Planstellen bedürfe und kritisiert damit die Befristungspraxis des öffentlichen Dienstes.

Traurige Spitzenreiter sind:

  • 49,3% Befristungen an Hochschulen
  • 26,6% Befristungen im Bereich Auswärtige Angelegenheiten
  • 15,5% Befristungen an allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen
Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes steht auf dem Spiel

Die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst "müssen endlich umsteuern", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. "Der öffentliche Dienst lebt heute von der Substanz, seine Leistungsfähigkeit steht auf dem Spiel. Personalbedarfe werden viel stärker als in der Privatwirtschaft nur kurzfristig ersetzt. Das ist seit zwanzig Jahren gängige Praxis, so dass der Altersdurchschnitt der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes vergleichsweise hoch ist."

Sparpolitik ist Kern des Problems

Kern des Problems sei die restriktive Haushaltspolitik, so Hannack: "Zwar werden regelmäßig neue Aufgaben definiert und erkannt, aber nur selten wird – wie aktuell im Zuge der Flüchtlingspolitik – der Personalbedarf erhoben und mit einer entsprechend finanzierten Einstellungspraxis verbunden."


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IAB-Studie: Befristete Beschäftigug im öffentlichen Dienst (PDF)


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