Deutscher Gewerkschaftsbund

07.10.2016
Welttag für menschenwürdige Arbeit

EU muss für gute Löhne und Gute Arbeit für ganz Europa sorgen

2,08 Euro Stundenlohn für Tomatenpflücker in Italien, 60% weniger Lohn für Lkw-Fahrer in Frankreich, die als "Subunternehmer" fahren müssen, oder Armutslöhne für Clickworker in den Niederlanden: Der Europäische Gewerkschaftsbund hat zum Welttag für menschenwürdige Arbeit Beispiele prekärer Beschäftigung in ganz Europa recherchiert – und fordert die EU zum Handeln auf.

EGB WDDW 2016

EGB

Zum Welttag für menschenwürdige Arbeit ("World Day for Decent Work") am 7. Oktober macht der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) auf negative Entwicklungen auf dem europäischen Arbeitsmarkt aufmerksam.

Europaweit hat der EGB Beispiele gesammelt, was in der Arbeitswelt falsch läuft und mit welchen teilweise prekären Arbeitsbedingungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Europa konfrontiert sind.

Ausbeutung in der deutschen Fleischindustrie
Welttag für menschenwürdige Arbeit

Seit 2008 ruft der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) jedes Jahr am 7. Oktober zum Welttag für menschenwürdige Arbeit (World Day for Decent Work - WDDW) auf. Weltweit machen sich an diesem Tag Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter dafür stark, dass Menschen ein Recht auf würdige, sichere und Existenz sichernde Arbeitsbedingungen haben.

Eines der Beispiele: Die Fleischindustrie in Deutschland. Bereits im Juli hatte der EGB mit einem investigativen Report enthüllt, wie Briefkastenfirmen in der deutschen Fleischindustrie dafür eingesetz werden, entsandte Beschäftigte auszubeuten und zu schlechteren Arbeits- und Einkommensbedingungen einzusetzen – Lohn- und Sozialdumping zulasten der nach Deutschland entsandten Beschäftigten aus Osteuropa. "Die Ausbeutung osteuropäischer Arbeitnehmer in der deutschen Fleischbranche ist gut dokumentiert und wohlbekannt", so der EGB-Report.

Vielfach Lohnwucher und keine Existenz sichernden Einkommen

Weitere Beispiele prekärer Arbeit, die der EGB recherchiert hat:

  • In der italienischen Agrarindustrie müssen Arbeiter bis zu 12 Stunden am Tag Tomaten pflücken für einen Stundenlohn von 2,08 Euro!
  • In Frankreich verdienen Lkw-Fahrer, die als Subunternehmer osteuropäischer Firmen arbeiten, nur 40% des ortsüblichen Lohns.
  • Und in den Niederlanden verdient jede/r dritte Beschäftigte in der so genannten Sharing Economy weniger als 18.000 Euro pro Jahr!
  • Arbeiter in der mazedonischen Schuhindustrie, die Schuhe für große europäische Marken herstellen, verdienen nur 25% dessen, was sie zum Leben bräuchten.
  • McDonalds erklärt laut EGB in Europa bis heute, dass sich das Unternehmen nicht in der Lage sähe, Existenz sichernde Löhne für die Mitarbeiter seiner Franchise-Nehmer zu garantieren.
"Die EU muss liefern" - Probleme mit Franchise- und Subunternehmer-Ketten angehen

"Die EU muss liefern Gute Arbeit und gute Bezahlung in ganz Europa", fordert deshalb EGB-Vorstandsmitglied Esther Lynch zum Welttag für menschenwürdige Arbeit. Freiwillige Programme und Vereinbarungen der Wirtschaft seien nicht genug. Vor allem Franchise- und Subunternehmer-Ketten seien in Europa auf dem Vormarsch und würden "Löhne und Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer mit jedem weiteren Schritt in dieser Kette verschlechtern", so Lynch.


LINKS

Pressemitteilung des EGB zum Welttag für menschenwürdige Arbeit 2016 (Englisch)

Umfrage des EGB zum Welttag für menschenwürdige Arbeit (Englisch)


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