Auf seiner "Sommer-Reise" zum Thema Leiharbeit besuchte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer am 22. August 2008 das Daimler-Werk in Wörth (Rheinland-Pfalz). Im Gespräch mit Werksleiter Martin Daum und dem Betriebsratsvorsitzenden Ulli Edelmann stand die Situation der Leiharbeitnehmer in Wörth im Mittelpunkt.
Am Vortag hatte der DGB-Chef auf einer Veranstaltung mit Leiharbeitnehmern in Karlsruhe die negativen Auswüchse in dem boomenden Wirtschaftszweig kritisiert: "Es gibt in der Branche schwarze Schafe." Zu diesen zählt Sommer diejenigen Verleihfirmen, die nicht den Tarifvertrag zwischen der DGB-Tarifgemeinschaft sowie dem BZA (Bundesverband Zeitarbeit) und dem iGZ (Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen) einhalten, sondern Löhne zahlen, die deutlich niedriger liegen, im Extremfall bei weniger als sechs Euro pro Stunde.
DGB/Lorenz Hoffmann
Michael Sommer im Daimler-Werk Wörth. Hier sind die Leiharbeiter der Stammbelegschaft weitgehend gleichgestellt.
Dennoch plädierte der DGB-Vorsitzende in Karlsruhe dafür, die Leiharbeitsbranche, die in Deutschland mittlerweile circa 730.000 Beschäftigte zählt, nicht generell zu verteufeln: "Es gibt positive und negative Beispiele". Die anwesenden Leiharbeitnehmer bestätigten diesen Eindruck im Gespräch. Dem Beispiel eines kürzlich entlassenen Leiharbeitnehmers, der die Zeitarbeit als "moderne Sklaverei" bezeichnete, widersprachen andere, die mit ihren oft wechselnden Tätigkeiten im Großen und Ganzen zufrieden sind.
In der Mehrzahl trifft dies auch auf die im Daimler-Werk in Wörth beschäftigten 900 Leiharbeitnehmer zu. Sie sind der Stammbelegschaft in der Entlohnung weitgehend gleichgestellt, da hier der Grundsatz des "equal pay" umgesetzt wird. Einzig Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie die jährliche Sonderzahlung des Konzerns erhalten die Leiharbeitnehmer nicht. Sie bekommen aber den gleichen Stundenlohn und auch gleiche Zuschläge. Für den DGB-Vorsitzenden hat das in Wörth angewandte Verfahren somit Modellcharakter. Für ihn steht fest: "Es geht, wenn man will."