In der betrieblichen und unternehmerischen Praxis hat sich die Mitbestimmung vielfältig bewährt. ArbeitnehmervertreterInnen in den Aufsichtsräten sorgen für sinnvolle Investitionen in die Unternehmenszukunft, sichern Standorte und sorgen so für die Arbeitsplätze in ihrer Region. Fallbeispiele aus der betrieblichen Praxis.
1. Vorschläge für Investitionen in die Zukunft des Unternehmens
Oft kennen sich ArbeitnehmervertreterInnen mit den betriebs- und unternehmensspezifischen Notwendigkeiten besser aus, haben darüber fundiertere Kenntnisse als die VertreterInnen der Kapitalseite im Aufsichtsrat. So hat sich die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat der BASF AG erfolgreich für eine zukunftsorientierte Konzernstrategie mit dem Schwerpunkt Agrochemie eingesetzt.
Ihre Kollegen im Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG leisteten einen Beitrag zu einer nachhaltigen und erfolgreichen Unternehmenspolitik. Trotz niedriger Kokspreise hatten sie sich für den Bau einer modernen Kokerei in Duisburg eingesetzt. Kurz nach der Entscheidung für das neue Werk stiegen die Preise für den Rohstoff dramatisch an. Dadurch rechnet sich die Milliardeninvestition für den Konzern in hohem Maße.
"Wenn jemand diese Firma kennt, dann wir" - Interview mit Robert Oswald, Vorsitzender Konzernbetriebsrat BASF AG und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender (Mitbestimmung 9/2004, S. 38 ff.)
"Nein sagen ist einfach" - Interview mit Thomas Schlenz, Konzernbetriebsratsvorsitzender Thyssen Krupp AG (Mitbestimmung international edition 4/2004)
2. Standort- und Arbeitsplatzsicherung
Die ArbeitnehmervertreterInnen bei EKO-Stahl leisteten mit ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag zur Sicherung und Weiterentwicklung des Standorts Eisenhüttenstadt und der gesamten Region.
Dem Rationalisierungsplan einer Unternehmensberatung, der vor allem Arbeitsplätze gekostet hätte, stellten die ArbeitnehmervertreterInnen ein umfassendendes Konzept zur Standortentwicklung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen entgegen. Dieses überzeugte auch die Kapitalseite.
Die ArbeitnehmervertreterInnen der Sick AG im Schwarzwald konnten in Zusammenarbeit mit der örtlichen IG Metall verhindern, dass ihr Standort nach Ungarn verlagert wurde. Mit Zugeständnissen an den Arbeitgeber handelten sie damit eine Zukunftsperspektive für ihren Standort und 70 neue Arbeitsplätze aus.
"Die Arbeitnehmerbank als Motor" (Mitbestimmung 07/2005)
"Die Drohung war ernst zu nehmen" (Mitbestimmung 3/2004)
3. Erhalt des Betriebsfriedens
4. Vertretung von Arbeitnehmerinteressen gegenüber internationalen Kapitalfonds
Wenn das eigene Unternehmen an einen internationalen Kapitalfonds verkauft wird, empfinden das viele ArbeitnehmerInnen zunächst oft als Bedrohung. Die Mitbestimmung kann aber auch hier zum gegenseitigen Respekt und zur konstruktiven Lösung anstehender Veränderungen beitragen.
So gelang es ArbeitnehmervertreterInnen der mb technologies AG gemeinsam mit der IG BCE beim Verkauf ihrer Tochter Dynamit Nobel an die US-Investorengruppe KKR in einem "Letter of Intend" die sozialen Standards und Betriebsvereinbarungen verbindlich festzuschreiben.
Auch für die ArbeitnehmerInnen der TUI AG zahlte sich die gute Sozialpartnerschaft aus. Als die Preussag zur TUI AG umgebaut wurde, bewährte sich die Partnerschaft von Kapitalseite und Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat. Im Schulterschluss entwickelten Aufsichtsrat und Vorstand eine erfolgreiche Abwehrstrategie gegen die feindliche Übernahme durch Hedge-Fonds.
"Wir hatten einen konstruktiven Dialog" (Mitbestimmung 04/2005)