Weltweit sind 81 Millionen junge Menschen ohne Arbeit. So viele wie nie zuvor und die Zahlen steigen wegen der Krise weiter, so ein Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation. Auch in Deutschland müssen Jugendliche oft viel zu lange nach einem Ausbildungsplatz suchen – der DGB fordert Beschäftigungsbrücken.
Von Ingrid Sehrbrock
Die aktuellen Zahlen belegen, dass gerade junge Menschen, die vor dem Eintritt in das Berufsleben stehen, besonders stark von der Krise betroffen sind. Sie müssen ausbaden, was sie selbst nicht verursacht haben.
Dass in Deutschland die Lage besser ist, hat eindeutig mit dem dualen Ausbildungssystem zu tun, das den Übergang von der Ausbildung in die Erwerbstätigkeit, anders als in Ländern mit schulischen Systemen, erleichtert.
Laut dem Bericht "ILO Global Employment Trends for Youth 2010" waren Ende 2009 von weltweit etwa 620 Millionen Jugendlichen rund 81 Millionen arbeitslos. Das sind 7,8 Millionen mehr als noch zwei Jahre zuvor. Damit stieg die Jugendarbeitslosenrate von 11,9 Prozent (2007) auf 13 Prozent im vergangenen Jahr.
Bis zum Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise sank die Jugendarbeitslosigkeit, doch dieser Trend hat sich ins Gegenteil gekehrt. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO befürchtet, dass die Quote im Verlauf des Jahres auf 13,1 Prozent ansteigt. In Deutschland mit seinem dualen Ausbildungssystem betrug die Erwerbslosenquote bei den unter 25-Jährigen im Juni 8,8 Prozent.
ILO-Studie Global Employment Trends for Youth
Pressemeldung zur Studie (PDF)
Ein „dickes“ Problem ist der hohe Anteil von unsicher beschäftigten jungen Menschen in Leiharbeit, Befristung, in Minijobs und unbezahlten Praktika. Die Arbeitsverhältnisse dürfen nicht länger so ausgestaltet sein, dass sie reguläre Arbeit verdrängen und jungen Menschen eine sichere Beschäftigung verbauen. Der DGB begrüßt insbesondere die Initiative des Europäischen Parlaments, um den Missbrauch bei Praktika zu beseitigen. Dafür hat sich gerade die DGB Jugend seit langem stark gemacht. Praktika sollen jungen Menschen ausschließlich zur Erlangung von Kompetenzen dienen und ihnen bei der Berufsorientierung helfen.
Auch wenn Deutschland international gesehen besser dasteht, so ist die Quote der langzeitarbeitslosen Jugendlichen auch in unserem Land hoch. Weit über 25 Prozent haben nach mehr als zwölf Monaten noch keine neue Beschäftigung gefunden. Angesichts dieser Zahlen sind die Schreckensszenarien, die die Arbeitgeber regelmäßig zeichnen – sei es Fachkräftemangel oder freie Ausbildungsplätze, die nicht besetzt werden können - der blanke Hohn. Viele junge Menschen wollen arbeiten, wollen gute und qualifizierte Arbeit, bekommen aber keine.
Der DGB fordert aus diesem Grund Beschäftigungsbrücken für junge Menschen zu bauen. Die Altersteilzeit ist hierzu ein sinnvolles Instrument, nach dem Motto: jung für alt. Ebenso müssen die überproportionale Beschäftigung junger Menschen in oftmals schlecht bezahlter Leiharbeit und die Befristung von Arbeitsverhältnissen, die zum permanenten Jobwechsel ohne langfristige Perspektive zwingen, begrenzt werden. Minijobs müssen zurückgefahren werden. Potentiale, die junge Migrantinnen und Migranten mitbringen, müssen in Ausbildung und Beruf stärker genutzt werden. Die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen ist auch für junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein wichtiges Thema, das schnellstmöglich angegangen werden muss.
Ausbildung
Ein Lehrpflichtgesetz beschließen, in der Form wie im Bildungsgesetz, die Schulpflicht. Denn viele neue Berufszweige wie die Altenpflege usw. entziehen sich der Verantwortung ihre eigenen Arbeitskräfte auszubilden. Angeblich wegen zu hohen Kosten, denn das muss z. Z. das BAa mit entsprechenden Maßnahmen kompensieren. Steigerungen der Sozialausgaben sind dabei vorprogrammiert. Bei einer Lehrpflicht so wie das Schulpflichtgesetz würden die Sozialausgaben senken und keine Berufsbildenden Maßnahmen erforderlich machen. Noch eins käme dazu, es wären dann wieder die entsprechenden Fachkräfte in Form von Facharbeiter, Gesellen usw. am Arbeitsmarkt vorhanden. Dieser Trend setzt sich schon langsam auch in den alten Berufen fort, wie im Metallberufen mit der unternehmerischen „Begründung“; die Jungend ist bildungsmäßig noch nicht reif für eine berufliche Ausbildung.