Deutscher Gewerkschaftsbund

27.05.2016
Flüchtlingssituation

EGB und IGB: "Menschen sind keine Handelswaren"

Scharfe Kritik an der Flüchtlingspolitik vieler westlicher Staaten üben die Spitzen des Europäischen und des Internationalen Gewerkschaftsbundes (EGB und IGB) in einem gemeinsamen Statement. Abschottung sei nicht der richtige Weg. "Die Gewerkschaften sagen: 'Refugees welcome'", heißt es in einem Beitrag von EGB-Generalsekretär Luca Visentini und IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow.

Grafik Boot mit Geflüchteten auf Mittelmeer

Colourbox.de

Burrow und Visentini: Weltweit ignorieren Regierungen ihre Verantwortung für Flüchtlinge

80 Prozent aller aus ihrer Heimat geflohenen Menschen weltweit lebten in Entwicklungs- und Schwellenländern. Gleichzeitig würden die meisten entwickelten Länder in Europa und den G20-Staaten versuchen, die Aufnahme von Flüchtlingen so weit wie möglich zu reduzieren. Mit Ausnahme von Deutschland und Schwenden beobachte man in Europa, wie neue Mauern und militärisch bewachte Grenzen geschaffen würden, um verzweifelten Menschen einen sicheren Zufluchtsort zu verwehren, so Burrow und Visentini.

"Menschen sind keine Handelswaren", heißt es im gemeinsamen Statement der beiden. Kritik üben sie am so genannten EU-Türkei-Deal. Er sei ein "heuchlerischer Versuch", internationale Verpflichtungen zu umgehen. Außerdem ignoriere er die Erfahrungen des vergangenen Jahrhunderts, in dem Europa Flüchtlinge in der Arbeitswelt vieler Länder willkommen geheißen habe – was zu mehr Beschäftigung und wachsender Wirtschaft geführt hat.

"Jedes demokratische Land kann noch mehr tun"

Viele Länder, auch in Europa, bräuchten mehr Arbeitskräfte, um Beschäftigungs- und Wirtschaftswachstum zu fördern. Das nutze sowohl den Geflüchteten als auch den Gesellschaften, die sie aufnehmen. Aber im Mittelpunkt der Flüchtlingskrise stehen zu allererst Menschen, betonen Burrow und Visentini. Jedes demokratische Land könne noch mehr tun, um Menschen in Not einen sicheren Zufluchtsort zu ermöglichen. Die Regierungen müssten außerdem entschieden handeln, um Konflikte und Vertreibung zu beenden. "Auch wenn wir sagen 'refugees welcome', erkennen wir an, dass die meisten Frieden und Sicherheit in ihren eigenen Heimatländern wollen", so Burrow und Visentini. Es brauche dringend gemeinsame globale Anstrengungen, um "die Bombem zu stoppen" und Frieden in Syrien und seinen Nachbarländern zu schaffen. Das sei längst überfällig.


LINK

Das komplette Statement von EGB-Generalsekretär Luca Visentini und IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow (in Englisch)


Nach oben

Weitere Themen

CDU-­Plan: Hal­be Mil­li­on re­gu­lär Be­schäf­tig­te sol­len Mi­ni­job­ber wer­den
DGB/Dmitry Kalinovsky/123rf.com
Im Regierungsprogramm von CDU/CSU wirken die Pläne der Union für die Zukunft der Minijobs fast wie ein Versprechen für steigende Löhne: "Wir realisieren den mitwachsenden Minijob." Statt 450 Euro sollen künftig bis zu 550 Euro möglich sein. Doch für die Betroffenen ist das keine gute Nachricht – im Gegenteil.
weiterlesen …

Min­dest­lohn 2018: Was än­dert sich in 2018?
Colourbox.de
Mehrere Branchen-Mindestlöhne steigen zum 1. Januar 2018, andere erst im Laufe des Jahres. Unsere Übersicht: Was gilt beim gesetzlichen Mindestlohn und bei den Branchen-Mindestlöhnen im Jahr 2018.
weiterlesen …

Das än­dert sich 2018 für Ar­beit­neh­mer und Ver­si­cher­te
Colourbox.de
Am 1. Januar 2018 treten neue Gesetze und Regelungen in Kraft. Unter anderem beim Mutterschutz und in der betrieblichen Altersversorgung. Was ändert sich noch für Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Versicherte? Eine Übersicht.
weiterlesen …

DGB zur Bun­des­tags­wahl 2017: Jetzt ge­recht - du hast die Wahl!
DGB
Jetzt gerecht - du hast die Wahl! Der DGB hat klare Forderungen an die Parteien zur Bundestagswahl 2017 formuliert. Hier gibt's alle Infos.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Zuletzt besuchte Seiten