Deutscher Gewerkschaftsbund

01.09.2017
1. September 2017

Hoffmann: "Nie wieder Krieg" ist eine Verpflichtung zum Handeln

Grußwort des DGB-Vorsitzenden zum Antikriegstag

Millionenfaches Leid durch Kriege, Terror und Flucht: Am Antikriegstag ruft der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann zu Solidarität und verantwortlichem Handeln auf. "Wir müssen Flüchtenden einen sicheren Aufenthalt gewährleisten und die Ursachen für bewaffnete Auseinandersetzungen wirksam bekämpfen". Noch mehr Geld für Rüstung und Militär auszugeben sei der völlig falsche Weg.

Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes

DGB/Simone M. Neumann


Grußwort von Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB),
zum 60. Antikriegstag am 1. September 2017

bei der Veranstaltung des DGB, des Deutschen Kulturrates und des Deutschen Theaters:
DIE ZUKUNFT IM BEIFALL DER BOMBEN - Septembren" im Deutschen Theater Berlin


"Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrter Herr Khuon,

„Den nächsten Krieg gewinnt der Tod“, so lautete die Losung des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum 1. September 1967. Zehn Jahre zuvor fand auf dem Frankfurter Römerberg die erste Großkund-gebung zur Erinnerung an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs statt. Unter dem Motto „Weg mit der Wehrpflicht. Keine Zwangsrekruten in Deutschland“ demonstrierten vor allem Jugendliche gegen die Einführung der Wehrpflicht im Jahr 1956.

Seit 2011 ist die Wehrpflicht ausgesetzt. Sie gilt nur für den Spannungs- und Verteidigungsfall. Mit dem Fall der Mauer 1989 hatte sich die militärische Logik des Kalten Krieges und eines möglichen Verteidi-gungsfalles abgeschliffen. Leben wir nun damit endgültig in friedlichen Zeiten? Können uns 70 Jahre Frieden in Europa diese Sicherheit schenken? Nein: „Den nächsten Krieg gewinnt der Tod“ oder „Die Zukunft im Beifall der Bomben“ – diese beiden Titel sind eine Warnung. Sie weisen auf Wirklichkeiten in dieser Welt. Sie weisen auf das millionenfache Leid durch Kriege, Terror und Flucht und darauf, dass wir weit entfernt von friedlichen Zeiten sind.

Weltweit gibt es derzeit 35 zwischenstaatliche militärische Konflikte, in manche ist Europa direkt oder indirekt involviert. Mehr als 65 Millionen Menschen sind auf der Flucht! „Nie wieder Krieg“ ist deswegen mehr als ein Bekenntnis und mehr als ein Gedenken an den nationalsozialistischen Angriffskrieg und an mehr als 60 Millionen Tote, an die zwölfjährige Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus, an den in der Menschheitsgeschichte einmaligen industriellen Massenmord an europäischen Juden, an Sinti und Roma, an Homosexuellen, an so genannten Asozialen und nicht zuletzt an politisch anders Denkenden.

„Nie wieder Krieg“ ist eine Verpflichtung zum Handeln! Wir müssen Flüchtenden einen sicheren Aufenthalt gewährleisten. Wir sind zur Solidarität verpflichtet und müssen den zu uns geflüchteten Menschen eine Chance geben. Und: Das individuelle Grundrecht auf politisches Asyl, wie es unser Grundgesetz aus gutem Grund verbürgt, kennt keine Obergrenzen. Wir müssen die Ursachen für bewaffnete Auseinandersetzungen wirksam bekämpfen. Wir müssen benennen, um was es geht: um die Entwürdigung und Entmenschlichung der Opfer.

Ja, wir benennen Kriegsverursacher und verurteilen Terrorismus. Aber wir müssen stärker als bisher die materiellen Voraussetzungen dafür öffentlich verurteilen: die Waffenproduktion und der Waffenexport, die auch von unserem Land ausgeht.

Das Zwei-Prozent-Ziel der NATO - d.h. zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Rüstung und Militär auszugeben - ist eine völlig ungeeignete, eine falsche Zielsetzung! Höhere Verteidigungsbudgets erhalten nicht den Frieden. Im Gegenteil: Sie werden eine neue Rüstungsspirale verursachen. Stattdessen müssen wir für Strategien kämpfen, die an den Ursachen von Kriegen ansetzen. Hierzu gehören vor allem ein fairer Welthandel, eine gerechte Verteilung des weltweiten Reichtums sowie Entwicklungs- und Klimaschutzprojekte.

Seit nunmehr 60 Jahren gehört der 1. September zum festen Bestandteil des jährlichen Friedens-kalenders. Dies war für den Deutschen Gewerkschaftsbund Anlass, auf eine besondere Weise an den Beginn des Zweiten Weltkrieges zu erinnern. Dazu haben wir Sie/Euch gemeinsam mit dem Deutschen Kulturrat und dem Deutschen Theater zu diesem Abend eingeladen. Mit dem Theaterstück Septembren wird ein nachdrückliches Zeichen gegen Gewalt und Krieg, für den Frieden gesetzt.

So fern Kriege und Terror an diesem Ort, in diesem Theater auch sein mögen, werden wir auf der Bühne eine Welt der Zerstörung, der Auslöschung, des Todes, des Verlustes geliebter Menschen, aber auch des Nicht-Erinnern-Könnens und -Wollens erleben.
Ich möchte ausdrücklich dem Intendanten dieses Hauses, Ulrich Khuon, seinen Mitarbeitern und den Künstlern dafür danken, dass sie unbürokratisch und mit viel Spontanität diesen Abend möglich gemacht haben."


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