Deutscher Gewerkschaftsbund

Dossier Demografie

06.10.2011
Arbeitsmarkt

Hohe Job-Hürden für ältere Arbeitslose

Eine weitere Studie belegt: Ältere Arbeitslose haben wenig Chancen auf eine neue Beschäftigung. Bei den über 60-Jährigen hat nur noch jeder vierte einen Arbeitsplatz, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. DGB-Vorstand Annelie Buntenbach fordert mehr Qualifizierungsmaßnahmen und einen sozialen Arbeitsmarkt für Ältere.

Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied

"Die Studie zeigt, dass ältere Arbeitslose trotz aller Diskussionen um Fachkräftemangel und demografischen Wandel weiterhin extrem schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Nur ein Viertel aller 60- bis 64-Jährigen ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Jenseits aller Appelle zu längerer Lebensarbeitszeit werden in den Betrieben nach wie vor die Älteren aussortiert.

Ältere bis zur Rente mit Hartz IV abzuspeisen, ist schlicht unwürdig

Die Bundesregierung betont ständig die Notwendigkeit längerer Erwerbstätigkeit. Doch statt gezielt die Voraussetzungen zu schaffen, dass auch ältere Arbeitslose wieder eine Chance haben, passiert das Gegenteil.

Grafik Zahl der älteren ArbeitnehmerInnen zwischen 1998 und 2010

Vor allem ältere Arbeitslose zwischen 60- und 65 haben kaum noch eine Chance auf einen Arbeitsplatz. Gleichzeitig ist dies die Altersgruppe mit der niedrigsten Beschäftigungsquote, so die Studie "Germany, No Country for Old Workers?" IAB/Zeitschrift für Arbeitsmarktforschung

Dabei sind Altersarbeitslosigkeit und Phasen von prekärer Beschäftigung eine Schnellstraße in die Altersarmut. Sowohl in der Arbeitslosenversicherung als auch im Hartz IV-System hat die Bundesregierung in diesem und in den kommenden Jahren milliardenschwere Kürzungen in der Arbeitsförderung beschlossen.

Dringend notwendig sind aber Qualifizierungsmaßnahmen über das gesamte Arbeitsleben, damit Arbeitnehmer mit den sich ändernden Arbeitsprozessen Schritt halten können. Außerdem brauchen wir gerade mit Blick auf strukturschwache Regionen einen Sozialen Arbeitsmarkt, der sinnvolle und vernünftig bezahlte Beschäftigungsverhältnisse für Menschen bietet, die nicht 'olympiareif' sind. Diese abstürzen zu lassen und jahrelang bis zur Rente mit Hartz IV und allenfalls 1-Euro-Jobs abzuspeisen, ist schlicht unwürdig."

IAB-Studie "Germany: No Country for Old Workers?" 


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