Deutscher Gewerkschaftsbund

07.03.2017
Arbeislosengeld Q

Weiterbildung nicht (nur) den Arbeitgebern überlassen

Geringqualifizierte und Arbeitslose gehen oft leer aus

Nicht die Arbeitsagentur, sondern die Unternehmen seien zuständig für Weiterbildung: Mit diesem Argument lehnen die Arbeitgeber die Pläne der SPD, bildungswillige Erwerbslose länger zu unterstützen, ab. Was die Arbeitgeber dabei übersehen: Von betrieblicher Weiterbildung profitieren nur die, die bereits einen Job haben - und nicht die, die eine Qualifizierung am nötigsten bräuchten.

Präsentation am Flipchart

DGB/georgerudy/123rf.com

SPD plant ALG Q

Die SPD will die Agenda 2010 in zentralen Punkten nachbessern und dabei vor allem das Arbeitslosengeld stärken. So sollen Erwerbslose, die sich weiterqaulifizieren, länger als bisher Arbeitslosengeld 1 bekommen. Im Einzelfall soll das "Arbeitslosengeld Q" bis zu vier Jahre lang gezahlt werden.

Arbeitgeber: Weiterbildung ist unsere Sache

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) lehnt diese Pläne ab. Die Weiterbildung sei eine Kernkompetenz der Unternehmen und müsse auch bei diesen verbleiben, kritisierte Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der BDA. Kampeter warf der SPD vor, sie wolle aus der Arbeitsagentur eine Qualifikationsagentur machen.

Geringqualifizierte und Arbeitslose gehen leer aus

Was die Arbeitgeber bei dieser Argumentation übersehen: Heute profitieren von Weiterbildungen vor allem diejenigen, die bereits mit beiden Beinen in der Arbeitswelt stehen - gerade weil ein Großteil der Maßnahmen über die Betriebe läuft. Geringqualifizierte und Arbeitslose, also diejenigen, die Weiterbildung am nötigsten hätten, werden dagegen viel zu wenig gefördert.

Falsche Prioritäten, kurzsichtige Strategien

Das lässt sich auch anhand von Zahlen belegen. Laut einer Analyse der Hans-Böckler-Stiftung sind die Weiterbildungsausgaben für Hartz-IV-Bezieher zwischen 2010 und 2015 um 26 Prozent gesunken, obwohl deren Zahl nur um neun Prozent abnahm.

Das größte Problem ist jedoch, dass seit den Hartz-Reformen schnelle und kostengünstige Trainings, die zu einer raschen Vermittlung führen sollen, Priorität haben vor umfassenden beruflichen Qualifizierungen. Jedes Jahr starten nur knapp 50.000 von den rund 1,3 Millionen ungelernten Arbeitslosen eine Fortbildung mit dem Ziel, einen beruflichen Abschluss zu erhalten. 

 

Grafik: Vollzeitbeschäftigte nehmen doppelt so häufig an Weiterbildungen teil als Arbeistlose

HBS


Hans-Böckler-Stiftung: Qualitätsoffensive strukturierte Weiterbildung in Deutschland


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