Deutscher Gewerkschaftsbund

Vor 60 Jahren: Kampf um die Mitbestimmung in der Montan-Industrie

Seit 60 Jahren ist das Gesetz zur Montan-Mitbestimmung in Kraft, heute wurde der Jahrestag in Dortmund gefeiert. "Die nächsten Krisen werden zeigen, dass das Montan-Modell in der Unternehmensführung überlegen ist“, sagte DGB-Vorstand Dietmar Hexel. Auch außerhalb von Kohle und Stahl sei das Modell "eine Blaupause für zukunftssichere Unternehmen". Zur Geschichte der Montan-Mitbestimmung

 DGB–Vorsitzender Ludwig Rosenberg, DGB–Kundgebung zur Mitbestimmung in Köln.

Mitbestimmung wird zur Chefsache. DGB–Vorsitzender Ludwig Rosenberg, DGB–Kundgebung zur Mitbestimmung in Köln. DGB Archiv

Für die Sozialisierungsvorhaben der Gewerkschaften finden sich in der jungen Bundesrepublik keine parlamentarischen Mehrheiten. So ist schon damals die Mitbestimmung zentrales Thema der gewerkschaftlichen Reformdebatten. Vielen erscheint sie als geeignete Möglichkeit zur Demokratisierung von Wirtschaft und Gesellschaft – vielleicht sogar als besserer Weg im Vergleich zu Verstaatlichungen und Planwirtschaft.

Bereits im März 1947 hatte die britische Militärregierung in ihrer Besatzungszone die paritätische Mitbestimmung in der Eisen– und Stahlindustrie eingeführt. Die IG Metall hoffte, dieses Modell auch in der Bundesrepublik sichern zu können. Der DGB wollte es auf alle Großunternehmen übertragen.

Im November 1950 legte Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard einen Entwurf zum Betriebsverfassungsgesetz ohne paritätische Mitbestimmung vor – ein Rückschritt, der zu gewerkschaftlichen Protesten führte.

IG Metall und IG Bergbau führten zur Jahreswende Urabstimmungen für einen Streik um die Sicherung und Ausweitung der paritätischen Mitbestimmung durch, die mit überwältigender Zustimmung endeten. Neuerliche Verhandlungen mit dem Bundeskanzler brachten einen Kompromiss, der die paritätische Mitbestimmung zumindest in der Montanindustrie verankerte.

Im Gegenzug verzichteten die Gewerkschaften auf die Ausdehnung auf andere Branchen. Das Gesetz wurde am 10. April 1951 vom Bundestag verabschiedet.

Der Aufsichtsrat montanmitbestimmter Unternehmen setzt sich seither je zur Hälfte aus Vertretern der Anteilseigner und der Arbeitnehmer bzw. Gewerkschaften zusammen, die beiden Parteien einigen sich auf ein weiteres, neutrales Aufsichtsratsmitglied. Der Arbeitsdirektor wird einvernehmlich mit den Arbeitnehmervertretern des Aufsichtsrats bestellt.


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Gründung des DGB
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