Deutscher Gewerkschaftsbund

Finanz- und Wirtschaftskrise

Ende 2008 bricht die größte Weltwirtschaftskrise seit den 20er Jahren aus. Ein ungeregelter Kapitalmarkt ist eine der Ursachen des Beinahe-Kollapses der Weltwirtschaft. Die Regulierung der internationalen Finanzmärkte steht seit dem auf der Tagesordnung. Die Gewerkschaften hatten bereits seit Langem vor den Gefahren unregulierter Finanzmärkte und der Bankenmacht gewarnt.

Auf dem DGB-Kapitalismuskongress im Mai 2009 diskutierten über 700 TeilnehmerInnen über Ursachen und Auswege aus der Krise.

In den Konjunkturjahren 2007 und 2008 konnten die Gewerkschaften nach langer Zeit wieder deutliche Reallohnzuwächse in den Tarifverhandlungen durchsetzen. Getreu dem Leitsatz, dass Beschäftigte am Aufschwung beteiligt werden müssen, wurde in den Tarifrunden von den Einzelgewerkschaften gehöriger Druck entfaltet. Die konjunkturelle Erholung in Deutschland währte nicht lange.

Die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers markierte im September 2008 den Ausbruch der so genannten Subprime-Krise, die sich zu einer globalen Wirtschaftskrise ausweitete. Kernursache dieser Krise waren die unregulierten Finanzmärkte, vor deren Gefahren der DGB und andere Akteure Jahre zuvor schon eindringlich warnten.Die Freiräume großer Banken und Konzerne und letztlich deren Machtpotenziale wurden in den folgenden Monaten eindringlich unter die Lupe genommen. Hierzu zählten sowohl die überbordenden Provisionen und Abfindungen der Manager, als auch das Übergewicht der Shareholder bei betrieblichen Entscheidungen entgegen den Interessen der Beschäftigten. Deshalb war schon früh eine der Kernforderungen der Gewerkschaften die Ausweitung der Mitbestimmung und die Förderung von Mitarbeiterkapitalbeteiligungen.

Die Gewerkschaften sehen diese Krise als Kapitulation des lange Jahre forcierten Marktradikalismus, der zu ungeahnten Verwerfungen zwischen Arm und Reich führte. Viele Regierungen setzten zu Beginn des Jahres 2009 umfangreiche Konjunkturprogramme und finanzielle Bürgschaften für den Finanzsektor ein. Die vormals dogmatisch-propagierte Zurückhaltung des Staates wurde von einem Tag auf den anderen aufgegeben. Die Gewerkschaften beteiligten sich aktiv an der Krisenbewältigung.

Mit Kurzarbeit gegen Massenarbeitslosigkeit

Erste Leidtragende der Krise waren vor allem LeiharbeitnehmerInnen, die als Erste ihren Job verloren, befristet Beschäftigte, die keine Anschlussbeschäftigung fanden, Jugendliche ohne Lehrstelle oder fertig ausgebildete junge Menschen, die nicht übernommen wurden. Hunderttausenden drohte Arbeitslosigkeit. Der DGB setzte sich massiv dafür ein, über eine verbesserte Kurzarbeitsregelung Massenarbeitslosigkeit zu verhindern. Beschäftigungssicherung ist oberstes Ziel der Gewerkschaften, die dafür ein 100-Milliarden-Euro-Konjunkturprogramm forderten.

Viele gewerkschaftliche Forderungen wurden von der großen Koalition übernommen und umgesetzt. Dazu zählen etwa die Umweltprämie zum Autokauf, staatliche Investitionen in Bildung, Umwelt und Infrastruktur und die erhebliche Verbesserung und Verlängerung der Kurzarbeiterregelung. Der Umfang der staatlichen Programme erreichte allerdings nicht das vom DGB geforderte Ausmaß.

Die Krise als Epochenbruch - Internationale Regulierung notwendig

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise ist ein Epochenbruch. Die immense Krise der internationalen Finanzmärkte hat weltweit massive Folgen für die Realwirtschaft. Die Gier der Shareholder nach kurzfristigen Profiten hatte sich derart verstärkt, dass eine Zockermentalität entstanden war, die sich weitgehend unbehelligt von staatlicher Kontrolle ausbreiten konnte.

Deshalb gilt es, global eine nachhaltige Wirtschaftsordnung zu installieren, die den Vorrang der Politik anerkennt und soziales, nachhaltiges und auf Beschäftigung ausgerichtetes Wirtschaften in den Mittelpunkt der Unternehmenspolitik stellt. Die Gewerkschaften und der Internationale Gewerkschaftsbund haben mehrfach Vorschläge für eine internationale Wirtschafts- und Finanzordnung vorgelegt, zuletzt anlässlich des G-20 Gipfels im September 2009 in Pittsburgh. Darin fordern sie die Regulierung der internationalen Finanzmärkte, einen internationalen Sanierungsplan, Maßnahmen gegen Lohnabbau und Schritte gegen den Klimawandel.


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Festakt 60 Jahre DGB

Die Festreden von Bundespräsident Horst Köhler, DGB-Vorsitzendem Michael Sommer und IGB-Präsidentin Sharan Burrow in Bild und Ton. Zahlreiche Glückwünsche haben uns erreicht. Dankeschön!

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Acht Forderungen an die Politik

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Bundespräsident Horst Köhler bezeichnet Flächentarifvertrag, Tarifautonomie und das Prinzip der Einheitsgewerkschaft auf dem Bundeskongress als konstitutive Bestandteile der sozialen Marktwirtschaft: „Deutschland verdankt den Gewerkschaften viel“

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