Deutscher Gewerkschaftsbund

21.03.2018

"Es lief vieles nicht fair"

einblick April 2018

Marcel Manhoff ist seit letztem Jahr Betriebsrat bei Primark in Hamburg. Mit dem einblick hat er über seine Erfahrungen gesprochen, und warum es manchmal schwierig ist, immer mit Problemen konfrontiert zu sein.

Gruppe junger Menschen stehen lachend im Kreis und legen ihre Hände aufeinander

DGB/rawpixel/123rf.com

Drei Etagen, 6000 Quadratmeter, 66 Kassen – das ist das Einsatzgebiet von Marcel Manhoff (34). Die Filiale der irischen Textil-Kette Primark in Hamburg-Billstedt gibt es seit Dezember 2016 und seitdem arbeitet der gelernte Bürokaufmann dort in der Buchhaltung und im Kassenbüro. Im Unternehmen ist er bereits seit 2011.

Eigentlich wollte er bis zum Betriebsratswahlzeitraum 2018 warten, um ein Gremium zu gründen. Aber bereits kurz nach Filialeröffnung war klar: „Es läuft nicht rund, wie man mit den Mitarbeitern umgeht“, erklärt Manhoff. Hauptkritikpunkte sind damals anstehende Vertragsverlängerungen, nicht nachvollziehbare Beförderungen und die Bezahlung. „Vieles lief gefühlt nicht fair.“ Manhoff nahm im April 2017 Kontakt zum Gesamtbetriebsrat von Primark auf, die ihn dabei unterstützten, einen Wahlvorstand einzusetzen.

Marcel Manhoff

Marcel Manhoff, 34, ist seit August 2017
Betriebsratsvorsitzender bei Primark in
Hamburg. Seit März 2018 ist er zweiter
stellvertretender Vorsitzender im
Gesamt-Betriebsrat der Textil-Kette.
DGB/Clausen

Das Interesse der MitarbeiterInnen zu kandidieren war groß, aber 95 Prozent der Beschäftigten hatten nur einen befristeten Jahresvertrag. „Da hatten schon viele die Frage im Kopf: ‚Was ist mit meiner Vertragsverlängerung, wenn ich mich aufstelle?‘“ Dennoch kandidierten schließlich 29 KollegInnen – für einen Betriebsrat mit 11 Köpfen – davon 22 mit befristeten Verträgen.

Die Betriebsratswahl für die mehr als 400 Beschäftigten fand im August 2017 statt. Die Wahlbeteiligung lag mit 81 Prozent sogar über dem Durchschnitt. Marcel erhielt die meisten Stimmen. Lachend erzählt er: „Da kam dann der Gedanke ‚Ok, jetzt bist Du im Betriebsrat. Was machst Du denn jetzt?‘“. Er ist – wie die meisten der anderen im Gremium – zum ersten Mal in einen Betriebsrat gewählt worden und inzwischen Betriebsratsvorsitzender. „Uns fehlt ganz klar noch Erfahrung“, sagt Manhoff. Er hat aber das große Ganze im Blick: „Wir wollen, dass es dem Unternehmen gut geht. Wir wollen nicht auf Konfrontationskurs, aber manchmal müssen wir das“. Ziel sei es, dass die Firma ihre Mitarbeiter respektiere und sie auch entsprechend behandele.

Schnell hat sich gezeigt: Das zentrale Thema ist die Kommunikation im Unternehmen. Es geht um Einsatzpläne, Ausschreibungen, Karriereplanung. Inzwischen gibt es einmal in der Woche eine Runde, bei der die Vorgesetzten direkt in den Austausch mit den MitarbeiterInnen gehen. Doch es fängt bei einfachen Dingen an: Primark ist ein irisches Unternehmen – viele Aushänge verwenden englische Begriffe. „Da verstehen die MitarbeiterInnen oft schlicht nicht, worum es geht, oder was ein Wort bedeutet“, kritisiert Manhoff. Ein zweites zentrales Thema ist die Arbeitszeit: Die VerkäuferInnen müssen sich einstempeln – „einclocken“ – und anschließend beim Vorgesetzten im Laden anmelden. Dazwischen vergeht Zeit, in der sie sich umziehen und auf die Verkaufsfläche gehen. Konfusion herrscht derzeit noch darüber, wann die Arbeitszeit nun eigentlich anfängt – an der Clock oder erst beim Manager.

Viele Baustellen haben sie schon erfolgreich angepackt: MitarbeiterInnen bei falscher Eingruppierung unterstützt, die rechtliche Vorgabe durchgesetzt, dass niemand an mehr als drei Samstagen im Monat arbeiten darf, Taschenkontrollen nach der Spätschicht abgeschafft, die Rückkehrgespräche nach Krankheit geregelt, zusätzliche bezahlte Pausen an verkaufsoffenen Sonntagen erstritten. Die Liste der Erfolge ist lang und Marcel ist stolz auf das Erreichte. „Aber manchmal ist es auch hart“, sagt er. Selten komme jemand, der etwas Gutes zu vermelden hat. „Die Leute kommen zum Betriebsrat, wenn es Probleme gibt“. Er wolle, dass es fair zugeht – für alle. „Das ist das Hauptziel, warum ich das mache“, so Manhoff. Und am Ende des Tages wisse er: Ich bin auf der richtigen Seite.


Nach oben