Deutscher Gewerkschaftsbund

16.11.2015

Die Vergessenen am Arbeitsmarkt

Die relativ entspannte Lage auf dem Arbeitsmarkt täuscht über ein großes Defizit hinweg: Wer auf Hartz IV angewiesen ist, hat kaum vernünftige Chancen auf berufliche Förderung. Dabei bräuchten gerade diese Menschen dringend Hilfe auf dem Weg zurück in Arbeit.

Hartz-IV-System. Alle reden von Fachkräftemangel, doch Un- und Angelernte werden schnell vergessen. Einmal unten angekommen, wird vielen Hartz-IV-EmpfängerInnen der Weg zurück ins Berufsleben versperrt. Sie bekommen oft nicht die notwendige Förderung – selbst wenn sie gute Voraussetzungen mitbringen, wieder in der Berufswelt Fuß zu fassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des DGB. „Der Grund ist das notleidende Hartz-IV-System“, erläutert Wilhelm Adamy, Autor der Studie. „Der Staat hat nach 2010 die Fördermittel in diesem System massiv zusammengestrichen.“ Deshalb ist bei der Arbeitsförderung eine gefährliche Schieflage entstanden: Wer noch Arbeitslosengeld empfängt, kann auf berufliche Förderung hoffen. Wer in das Fürsorgesystem abrutscht, hat deutlich schlechtere Chancen auf aktive Hilfe. Pro Kopf stehen in der Arbeitslosenversicherung fast doppelt so hohe finanzielle Mittel zur beruflichen Weiterbildung zur Verfügung wie im Hartz-IV-System.

Hartz

Die Wahrscheinlichkeit, aus der Arbeitslosigkeit in den ersten Arbeitsmarkt zurückzukehren, ist in der Arbeitslosenversicherung viermal höher als im Fürsorgesystem. einblick

Selbstverwaltung zahlt sich aus

Dass Arbeitslosenversicherte noch vergleichsweise gute Möglichkeiten haben, ist auch ein Verdienst der Gewerkschaften. In der Selbstverwaltung der Bundesagentur haben die DGB-VertreterInnen gerade in den vergangenen Jahren auf mehr Möglichkeiten zur Qualifizierung gedrängt und Sonderprogramme durchgesetzt. In den Jobcentern, die die Hartz-IV-Empfänger betreuen, gibt es diese Möglichkeiten der Information und Beteiligung durch Gewerkschaften nicht.

Häufig benachteiligt

Viele Hartz-IV-Empfänger haben mit Handicaps zu kämpfen, etwa lange Krankheit und schlechte Berufsausbildung. Aber selbst jene, die gute Chancen hätten auf neue Arbeit nach einer Weiterbildung, werden benachteiligt. Für jene, die die VermittlerInnen als „Förderkunden“ einstufen, werden im Arbeitslosensystem 1,6-mal mehr Mittel aufgewandt als für „Förderkunden“ auf Hartz IV.

Qualifizierungsoffensive gefordert

Der DGB fordert deshalb eine Qualifizierungsoffensive im Hartz-IV-System. „Der Staat kann sich hier nicht mehr einfach zurückhalten“, sagt Annelie Buntenbach, Mitglied im Geschäftsführenden Bundesvorstand des DGB. „Hier wird zugelassen, dass eine große Gruppe von Menschen zurückbleibt. Das können wir nicht akzeptieren.“

Erschienen in: einblick 20/2015 vom 16.11.2015


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