Deutscher Gewerkschaftsbund

21.03.2019

Kreditgeschäft: Die Abzocke stoppen

einblick April 2019

Nach der Finanzkrise 2008 sollten VerbraucherInnen besser vor schlechten Finanzprodukten geschützt werden. Passiert ist seitdem nicht viel. Weiterhin verschulden sich Menschen, weil sie etwa bei Finanzgeschäften unzureichend beraten werden, kritisiert Gerhard Schick von der Bürgerbewegung Finanzwende.

Geldbörse mit Euro

DGB/Simone M. Neumann

Hinter vielen sozialen Problemen, die wir beklagen, stecken Fehlentwicklungen an den Finanzmärkten. Beim teilweise absurden Anstieg von Immobilienpreisen und Mieten ist das in der öffentlichen Debatte angekommen: Zu den Ursachen zählen nicht nur realwirtschaftliche Phänomene, sondern vor allem auch Finanzströme. Mietpreisbremsen, zusätzlicher sozialer Wohnungsbau, die Wiedereinführung der in den 1990er Jahren abgeschafften Wohnungsgemeinnützigkeit sind wichtige Maßnahmen. Sie bleiben aber unvollständig, solange Wohnungen in deutschen Großstädten international als lukrative Geldanlage gesehen und wie Finanzprodukte gehandelt werden.

Hier setzt unsere neue Bürgerbewegung Finanzwende an: Es geht darum, eine Finanzwende zu erzwingen. Wir wollen weg von einer Finanzwirtschaft, die Krisen produziert, VerbraucherInnen schädigt und Kriminalität unterstützt. Wir wollen eine Finanzwirtschaft, die die realwirtschaftliche Entwicklung unterstützt, gute Lösungen für die KundInnen anbietet sowie gesellschaftliche Herausforderungen wie die Klimakrise zusammen mit anderen Akteuren zielstrebig angeht.

"Wir brauchen stabilere Banken, wir brauchen eine bessere Finanzberatung, wir brauchen Kredite für eine nachhaltige Zukunft."

Auch beim Thema Überschuldung von Privathaushalten spielt die Finanzwirtschaft öfter eine negative Rolle. Bisher stehen hier vor allem Arbeitslosigkeit oder Scheidungen bei den sieben Millionen betroffenen Personen als auslösende Faktoren im Vordergrund. Doch es gibt eine problematische Geschäftspolitik der Finanzwirtschaft, die massiv dazu beiträgt, dass sich Menschen überschulden oder immer tiefer in die Schuldenspirale hineingezogen werden. In der Kritik stehen zum Beispiel große Teile der Inkassobranche mit ihren überteuerten Kosten. Hier gewinnt man oft den Eindruck, dass viele Finanzakteure nicht ihrer Verantwortung nachkommen, sondern gerade bei finanziell ärmeren Menschen übertrieben abkassieren.

Aber auch beim Verkauf von Ratenkrediten zeigen sich die Folgen der aktuellen Geschäftspolitik im Finanzsektor. Die Bürgerbewegung Finanzwende hat eine Studie zur Ratenkreditvergabe ausarbeiten lassen. Bei allen getesteten Banken zeigten sich massive Probleme in den Verkaufsgesprächen. So wurde die Ausgaben- und Einnahmensituation der TesterInnen häufig nicht ausreichend betrachtet, obwohl dies das Fundament jeder Kreditprüfung sein sollte.

Zu oft macht die Finanzwirtschaft eben
nicht Gewinn, indem sie eine gute Dienstleistung anbietet, sondern durch
intransparente Geschäfte, die den Kunden schaden.

Umso eifriger waren viele Banken dabei, ein oft sehr teures und teils komplett unpassendes Zusatzprodukt mit dem Namen Restschuldversicherung zu verkaufen. Damit verdienen einige Banken bei einem 10 000 Euro Kredit schon einmal über 1500 Euro. Der Kunde zahlt bei diesem Produkt häufig über die Hälfte der Prämie allein für den Vertrieb, nicht für die eigentliche Leistung. Zudem kassiert die Bank Zinsen für die Abzahlung der Versicherung, weil diese meist auch per Kredit finanziert werden muss. Zusammengerechnet kostet die Versicherung zum Teil rund die Hälfte der eigentlichen Kreditsumme.

Am Ende standen bei Einberechnung der Restschuldversicherung in mehreren Fällen Effektivzinssätze von über 20 Prozent. Doch diese Zahl steht so in keinem Angebot, sondern wird vernebelt. Die TesterInnen haben immer wieder extrem teure Kredite von BeraterInnen angeboten bekommen, ohne dass vorher ihre Kreditfähigkeit geprüft wurde. Für einige Menschen kann das den finanziellen Ruin bedeuten. So treiben Teile der Finanzwirtschaft Menschen in die Überschuldung.

Zu oft macht die Finanzwirtschaft eben nicht Gewinn, indem sie eine gute Dienstleistung anbietet, sondern durch intransparente Geschäfte, die den Kunden schaden. Hinzu kommen Steuerkriminalität am Finanzmarkt wie Cum/Ex oder viele Fälle von Anlagebetrug. Mehr als 10 Jahre nach der Finanzkrise, die die Wirtschaftswelt an den Abgrund geführt hat und allein in Deutschland Milliarden gekostet hat, ist das ein ernüchterndes Fazit. Als Bürgerbewegung Finanzwende sind wir angetreten, daran endlich etwas zu ändern. Wir brauchen stabilere Banken, wir brauchen eine bessere Finanzberatung, wir brauchen Kredite für eine nachhaltige Zukunft. Kurzum: Wir brauchen eine Finanzwirtschaft, die im Dienst der Gesellschaft steht. Damit dies gelingen kann und wir es mit den hunderten Lobbyisten der Finanzwelt aufnehmen können, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.


Gerhard Schick, 46, ist promovierter Volkswirt, ehemaliges Mitglied des Bundestages, Mitgründer der Bürgerbewegung Finanzwende und deren geschäftsführender Vorstand.


Bürgerbewegung sucht MitstreiterInnen

Gegründet wurde die Bürgerbewegung Finanzwende im Juli 2018. Ziel der Initiative ist eine Finanzwirtschaft, die der Gesellschaft dient. Mit Studien, Fakten und Kampagnen will sie dazu beitragen, die Geschäftspolitik der Finanzakteure offen zu legen und zu verändern. Zu den Gründungsmitgliedern gehört neben VertreterInnen aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft auch der DGB.

Die Arbeit an der Finanzwende benötigt ein solides finanzielles Fundament, das finanzielle Unabhängigkeit garantiert. Diese soll unter anderem erreicht werden, in dem Menschen die Initiative als Fördermitglieder unterstützen.
Der Mindestbeitrag liegt bei 5 Euro pro Monat. Jedes Fördermitglied erhält als kleines Dankeschön das Buch „Finanzwende – Den nächsten Crash verhindern“ von Sven Giegold, Udo Philipp und Gerhard Schick per Post.

Weitere Infos gibt es unter: www.finanzwende.de


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