Deutscher Gewerkschaftsbund

03.11.2021
einblick Themenschwerpunkt

Zeit für einen Bildungsaufbruch

Die Corona-Pandemie hat die Schwachstellen des deutschen Bildungssystems offen gelegt. In den Koalitionsverhandlungen müssen jetzt die Weichen für mehr Investitionen in Bildung gestellt werden.

Lehrerin erklärt Schülern etwas an einen PC Bildschirm

DGB/Colourbox

Baustelle Chancengleichheit

Deutschland ist weit davon entfernt, gleiche Bildungschancen für alle Menschen zu ermöglichen. Die soziale Auslese bleibt die Schwachstelle des deutschen Bildungssystems. Die Corona-Pandemie hat diese Auslese zusätzlich verschärft und die Schwachstellen überdeutlich gemacht: Mangelhafte technische und bauliche Ausstattung, unzureichende digitale Infrastruktur, fehlende Fachkräfte in Kitas, Schulen, Hochschulen und in der Weiterbildung.

Insbesondere junge Menschen aus benachteiligten Elternhäusern trifft diese Auslese hart. 2,16 Millionen Menschen unter 35 Jahren haben keinen Berufsabschluss. Eine DGB-Auswertung der PISA-Ergebnisse zeigt, dass Erfolg im Schulsystem weiter stark von der sozialen Herkunft abhängt. Schulen schaffen es noch immer nicht, Chancengleichheit herzustellen.

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Mit Bildung gestalten

Die Arbeitswelt steht vor großen Herausforderungen: Transformation der Wirtschaft hin zu Klimaneutralität und Digitalisierung, regionaler Strukturwandel, demografischer Wandel und Fachkräftemangel. Gute Bildungspolitik ist der Schlüssel, um allen Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und Umbrüche im Erwerbsleben zu gestalten. Dabei kommt es noch mehr als bisher darauf an, alle mitzunehmen. Gelingen kann das nur mit massiven Investitionen in alle Bereiche – von der Kita über Schule, Ausbildung, Hochschule bis zum lebensbegleitenden Lernen. Von einer zukünftigen Bundesregierung erwartet der DGB deshalb einen Aufbruch in der Bildungspolitik.

Prioritäten für die Poltik

Kitas und Schulen müssen Bildungsbenachteiligungen ausgleichen. Dazu sind mehr Investitionen in die Qualität von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen und ein schneller Ausbau von Ganztagsangeboten notwendig. Nur mit mehr Erzieher*innen und Lehrer*innen wird es gelingen, Qualitätsverbesserungen in Kitas und Schulen zu erreichen.

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist durch die Corona-Pandemie auf einen historisch niedrigen Stand gesunken. Trotz des Fachkräftemangels in vielen Branchen finden nur 64,5 Prozent der registrierten Interessent*innen einen Ausbildungsplatz. Der DGB fordert deshalb eine umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie. Ein Zukunftsfonds, in den die Betriebe einzahlen, soll die Finanzierung garantieren.

Die duale Ausbildung muss insgesamt attraktiver werden. Schlecht ausgestattete Berufsschulen und schlechte Ausbildungsbedingungen in den Betrieben sind viel zu häufig Alltag. Die Impulse der Enquête-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ müssen nun mit den Sozialpartnern diskutiert und umgesetzt werden. Im ersten Schritt sollte ein Pakt für die beruflichen Schulen auf den Weg gebracht werden.

Das BAföG ermöglicht auch Menschen aus einkommensschwächeren Familien den Weg an die Hochschulen. Seit Jahren sinkt aber die Zahl der Empfänger*innen. Nur noch elf Prozent der Studierenden erhalten diese Unterstützung. Um dies zu ändern, braucht es schnell deutlich höhere Freibeträge und Fördersätze. Der DGB hat ein Konzept für eine grundlegende BAföG-Reform erarbeitet.

Zu wenige Beschäftigte können sich fortbilden und sich lebensbegleitend weiterbilden. Den meisten fehlen Zeit und Geld, um die Angebote wahrzunehmen. Die Weiterbildung muss deshalb mit besseren Freistellungsregeln und besserer finanzieller Förderung weiterentwickelt werden.

> Echt gerechte Bildung: Der DGB fordert <

  • mehr Investitionen in die Qualität von Kitas und Schulen

  • eine umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie für junge Menschen

  • Pakt für berufliche Schulen

  • das BAföG reformieren, damit mehr Studierende davon profitieren

  • mehr Zeit und Förderung für lebensbegleitendes Lernen

  • das Kooperationsverbot im Bildungsbereich abschaffen

Bildungsstrategie fällig

Ein Aufbruch in der Bildungspolitik wird nicht im föderalen Klein-Klein gelingen. Statt eines Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern brauchen wir eine Bildungsstrategie, die Bund, Länder, Kommunen und Sozialpartner gemeinsam formulieren und umsetzen. Beste Bildung gibt es nicht zum Nulltarif. Das Versprechen des Bildungsgipfels 2009 in Dresden, sieben Prozent des BIP in Bildung zu investieren, ist nie erreicht worden. Mehr Investitionen sind dringend notwendig.

Auf einen Blick

Der DGB hat 20 Jahre nach der ersten PISA-Studie eine Expertise zur Chancengleichheit in Auftrag gegeben: www.dgb.de/-/buG

Der DGB hat Vorschläge für ein neues BAföG-Modell beschlossen: www.dgb.de/-/bA8


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