Deutscher Gewerkschaftsbund

02.03.2012

Internationaler Frauentag: Armutsfalle Minijobs

Prekäre Beschäftigung in Deutschland ist weiblich. So lautet die ernüchternde Bilanz anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März. Die DGB-Frauen fordern:  Alle Arbeitsverhältnisse sollen künftig sozial abgesichert sein.

Minijobs

Um Dumpinglöhne zu verhindern, ist für die DGB-Frauen ein gesetzlicher Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro pro Stunde unerlässlich. „Von der Politik erwarten wir, dass Maßnahmen nachhaltig vorangetrieben werden, um Frauen auf allen gesellschaftlichen Ebenen die gleichen Chancen wie Männern zu ermöglichen“, sagt Edeltraud Glänzer.

Die Gewerkschaftsfrauen richten ihren Fokus am Weltfrauentag unter dem Motto „Heute für morgen Zeichen setzen“ auf die Beschäftigungsverhältnisse von Frauen in Deutschland. Die Liste der Benachteiligungen im Arbeitsleben ist lang. Sie beginnt bei der Entgeltdifferenz zwischen Frauen und Männern und endet bei der wachsenden Gefahr der Altersarmut. Frauen arbeiten besonders oft in prekärer Beschäftigung zu Niedriglöhnen. „Atypische Beschäftigung ist heute Realität für Millionen Arbeitnehmerinnen. Dazu tragen vor allem auch Minijobs bei“, erklärt Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende. Zwei Drittel aller Minijobs werden von Frauen ausgeübt. So werden sie in die Rolle der Hinzuverdienerin gedrängt, und der Mann bleibt – ganz traditionell – der Familienernährer. Doch für immer mehr Frauen ist der Minijob kein Zuverdienst, denn sie müssen allein die Familie ernähren.

Minijobs gefährden Existenzsicherung
Eine Brücke in reguläre Beschäftigung bieten Minijobs nur selten. Gerade einmal neun Prozent der Minijobberinnen gelingt der Wechsel in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Auf lange Sicht ist es problematisch, wenn Frauen dauerhaft in Minijobs beschäftigt sind. „Minijobs bringen die Frauen um die Möglichkeit einer eigenständigen Existenz­sicherung. Sie führen im Zeitverlauf zu gravierenden Lücken in der Altersversorgung und zementieren das Modell geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung“, kritisiert Ingrid Sehrbrock.

Entgeltpraxis überprüfen
Alljährliche Festreden der Politik reichen nicht, um die Situation von Frauen nachhaltig zu verbessern. „Gleichstellungspolitik ist notwendig und darf nicht nur dann auf der Tagesordnung stehen, wenn kein anderes wichtiges Thema den Handlungsbedarf bestimmt“, mahnt Edeltraud Glänzer, Mitglied im geschäftsführenden IG BCE-Hauptvorstand. Deswegen fordern die DGB-Frauen: „Alle Arbeitsverhältnisse sollen zukünftig sozial abgesichert sein.” Gesetzliche Regeln sollen dafür sorgen, dass Unternehmen ihre Entgeltpraxis überprüfen und geschlechtergerecht gestalten.

Hier der DGB-Aufruf...

Erschienen in: einblick 4/2012 vom 5. März 2012
Online seit: 2. März 2012


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