Deutscher Gewerkschaftsbund

22.01.2020
Branchen-Mindestlöhne im Überblick

Mindestlohn auf dem Bau steigt ab April 2020

Stand der Daten: 22. Januar 2020

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Gewerkschaften und Arbeitgebern in einem Tarifvertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Seit dem 1. April 2020 bekommen die Beschäftigten im Baugewerbe einen höheren Mindestlohn.

Bauarbeiter mit Betonmischer

Colourbox.de

Branchen-Mindestlöhne

Branchen-Mindestlöhne gelten für alle Betriebe der Branche – auch für die, die nicht tarifgebunden sind. Branchen-Mindestlöhne im Überblick:

Den jeweils aktuellsten Stand der Branchen-Mindestlöhne nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz und dem Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz finden Sie beim WSI-Tarifarchiv.

Übersicht aller Branchen-Mindestlöhne als PDF (Stand: 7. November 2019)

AUS- UND WEITERBILDUNG

Für die rund 30.000 Beschäftigten in der Aus- und Weiterbildung gilt ein bundesweit einheitlicher Mindestlohn von mindestens 15,26 Euro. Pädagogische Mitarbeiter/innen erhalten ab 1. Januar 2020 16,19 Euro, Pädagogische Mitarbeiter/innen mit Bachelorabschluss 16,39 Euro.

BAUGEWERBE

Die Lohnuntergrenze für Hilfsarbeiten auf dem Bau (Mindestlohn 1) liegt ab dem 1. April 2020 bundesweit bei 12,55 Euro pro Stunde. Der zweite Mindestlohn, den es in den alten Bundesländern und in Berlin für Facharbeiten gibt, bleibt erhalten und wird ab April um 20 Cent angehoben: Dieser sogenannte Mindestlohn 2 liegt dann im Westen bei 15,40 Euro pro Stunde und in Berlin bei 15,25 Euro. Die gestiegenen Mindestlöhne haben eine Laufzeit bis Ende 2020.

DACHDECKERHANDWERK

Gesellen verdienen ab dem 1. Januar 2020 13,60 Euro pro Stunde. Für Ungelernte liegt der Mindestlohn dann bei 12,40 Euro.

ELEKTROHANDWERK

Der Mindeststundenlohn für alle Beschäftigten soweit sie elektro- und informationstechnische Tätigkeiten ausüben beträgt ab de, 1. Januar 2020 11,90 Euro.

FLEISCHINDUSTRIE

Für die rund 80.000 Beschäftigten der Fleischindustrie gilt der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro.

LAND- UND FORTSWIRTSCHAFT, GARTENBAU

Ab Januar 2020 gilt der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro .

GEBÄUDEREINIGUNG

Für die rund 700.000 Beschäftigten gibt es ab dem 1. Januar 2020 für die Innen- und Unterhaltsreinigung einen Mindestlohn von 10,80 Euro (West) bzw. 10,55 Euro (Ost). Für die Glas- und Fassadenreinigung gibt es mindestens 14,10 Euro (West) und 13,50 (Ost).

GELD- UND WERTDIENSTE

Die Branchen-Mindestlöhne für die Geld- und Wertdienste sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Außerdem wird nach den Tätigkeiten "Geld- und Werttransport" und "Geldbearbeitung" unterschieden. Die Branchen-Mindestlöhne liegen derzeit zwischen 12,16 Euro pro Stunde und 18 Euro pro Stunde. Im Detail gelten folgende Mindestlöhne bei den Geld- und Wertdiensten.

GERÜSTBAUERHANDWERK

Der Mindestlohn für die rund 31.000 Beschäftigten beträgt seit Juni 2019 11,88 Euro.

MALER- UND LACKIERHANDWERK

Ungelernte Arbeiter in der Branche mit rund 115.000 Beschäftigten erhalten seit Mai 2019 mindestens 11,10 Euro. Für Gesellen (Ost) erhöht sich ab diesem Zeitpunkt der Mindestlohn auf 12,95 Euro. Der Mindestlohn für Gesellen in West inkl. Berlin beträgt 13,30 Euro.

Die nächste Erhöhung steht dann im Mai 2020 an. Ab dann erhalten ungelernte Arbeiter einen Mindestlohn von 11,10 Euro. Gesellen erhalten dann bundesweit 13,50 Euro (West und Ost).

PFLEGEBRANCHE

Für die Arbeitnehmer in den alten Bundesländern gilt ab Januar 2020 ein Mindestlohn von 11,35 Euro (inkl. Berlin). Die ostdeutschen Beschäftigten bekommen dann einen Lohn von mindestens 10,85 Euro.

SCHORNSTEINFEGERHANDWERK

Für die rund 7.500 Beschäftigten gilt bis 12/2020 ein bundeseinheitlicher Mindestlohn von 13,20 Euro.

STEINMETZ- UND STEINHAUERHANDWERK

Für die rund 13.200 Steinmetze und Bildhauer in Deutschland gilt bis April 2020 ein bundeseinheitlicher Mindestlohn von 11,85 Euro (Allgemeinverbindlichkeit noch nicht erteilt). Ab dem 1. Mai steigt der Mindestlohn für Steinmetze und Steinhauerhandwerker dann auf 12,20 Euro

TEXTIL- UND BEKLEIDUNGSINDUSTRIE

Es gilt bundesweit der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro.

WÄSCHEREIDIENSTLEISTUNGEN IM OBJEKTKUNDENGESCHÄFT

Es gilt bundesweit der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro.

Quelle der Daten: WSI-Tarifarchiv

Alle Angaben ohne Gewähr.

Allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn

Gesetzlicher Mindestlohn beträgt 9,35 Euro

Die Mindestlohn-Kommission hat am 28. Juni 2018 in Berlin beschlossen, der Bundesregierung eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar 2019 auf 9,19 Euro und zum 1. Januar 2020 auf 9,35 Euro vorzuschlagen. 

Diesen Vorschlag hat die Bundesregierung am 31. Oktober 2018 per Verordnung festgelegt. Er gilt ab dem 1.1.2019.


Viele Branchen-Mindestlöhne liegen über 9,35 Euro – und das bleibt auch so

Eine wichtige Frage: Gelten die (über 9,35 Euro liegenden) Branchenmindestlöhne trotz gesetzlichem Mindestlohn von 9,35 Euro weiter?

Und eine klare Antwort: Ja, die über 9,35 Euro liegenden tariflich ausgehandelten Branchenmindestlöhne behalten weiterhin ihre Gültigkeit. Kein Arbeitgeber darf sie mit dem Hinweis auf den gesetzlichen Mindestlohn kürzen.

Mindestlohn-Ausnahmen gelten nicht für Branchen-Mindestlöhne

Eine wichtige Frage: Gelten die Ausnahmen, die für den gesetzlichen Mindestlohn vorgesehen sind, künftig auch für Branchenmindestlöhne?

Und eine klare Antwort: Nein. Die Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn (zum Beispiel für minderjährige Beschäftigte oder Langzeitarbeitslose) gelten nur für den vom Gesetzgeber beschlossenen Mindestlohn. Der gesetzliche Mindestlohn und die tariflich ausgehandelten Branchen-Mindestlöhne sind zwei Paar Schuhe. Was von den Tarifpartnern in den Branchen-Mindestlöhnen ausgehandelt wurde, hat auch weiterhin Bestand – auch für unter 18-Jährige und ehemals langzeitarbeitslose Beschäftigte.


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