Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 213 - 11.12.2012

Hochschulen: Zugang erleichtern, Demokratie und Mitbestimmung sichern!

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat heute in Berlin sein neues hochschulpolitisches Programm vorgestellt. Die Gewerkschaften entwickeln in diesem Konzept das Leitbild einer demokratischen und sozialen Hochschule. Dazu Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende, am Dienstag in Berlin:

„Überfüllte Hörsäle, Vorlesungen in Kinos und Kirchen, akute Wohnungsnot – all das prägt den Alltag der Studierenden. Der Zugang zur Hochschule ist noch immer stark von der sozialen Herkunft abhängig. Die Arbeitsbedingungen an den Hochschulen verschlechtern sich. Partizipation und Mitbestimmung wurden in vielen Bundesländern beschnitten. All diese Entwicklungen zeigen: Wir brauchen dringend eine überzeugende hochschulpolitische Alternative.“

Der DGB spricht sich für eine soziale und berufliche Öffnung der Hochschulen aus. „Jedem Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung muss ein Studium offenstehen. Zugangshürden wie Aufnahmeprüfungen oder lange Berufserfahrung müssen abgeschafft werden. Damit ein Wechsel aus dem Berufsleben an die Hochschule für mehr Menschen attraktiv wird, müssen sich die Studienformate ändern. Nötig sind mehr berufsbegleitende Studiengänge, veränderte Curricula und ein reformiertes BAföG ohne Altersgrenze“, betonte Ingrid Sehrbrock. Zur sozialen Öffnung der Hochschulen gehört auch der Ausbau des BAföGs durch einen regelmäßigen Inflationsausgleich und die Senkung des Darlehensanteils bis zur Vollförderung.

Der DGB fordert einen Kurswechsel bei der Bologna-Reform. „Es war falsch ganze Diplom-Studiengänge in einen sechssemestrigen Bachelor zu pressen. Wir wollen keinen Turbo-Bachelor. Wir brauchen mehr Zeit für Bildung und einen freien Zugang zum Master“, sagte Ingrid Sehrbrock.
 
Eine demokratische und soziale Hochschule setzt gute Arbeit an den Hochschulen voraus. „Die Wirklichkeit sieht anders aus: Auf eine unbefristete wissenschaftliche Stelle kommen fast acht befristete Stellen. Mehr als die Hälfte der Fristverträge haben eine Laufzeit von unter einem Jahr. Wir brauchen eine sachgerechte Befristung, die mindestens den Projektlaufzeiten entspricht. Die Rahmenbedingungen für wissenschaftliche Arbeit sind beschämend. Wir wollen deshalb, dass alle Beteiligten an den Hochschulen gemeinsam einen Index Gute Arbeit entwickeln, der zum Maßstab für die Hochschulen wird“, so die stellvertretende DGB-Vorsitzende. Zudem müsse die Tarifsperre aus dem Wissenschaftsfreiheitsgesetz gestrichen werden, damit die Gewerkschaften endlich Tarifverträge für die Wissenschaft aushandeln können.

Der DGB will die Demokratiefrage an den Hochschulen neu stellen. „Spätestens seit Stuttgart 21 wissen wir: Wir brauchen mehr und nicht weniger Partizipation und Mitbestimmung. Auch moderne Hochschulen brauchen ein hohes Maß an innerer Demokratie und gelebter Partizipationskultur. Wir wollen die akademische Selbstverwaltung und die Personalvertretungen stärken. Die Kontrolle der Hochschulen muss bei demokratisch legitimierten Parlamenten und Regierungen liegen – und nicht bei externen Hochschulräten. Für den Austausch zwischen Hochschule und Gesellschaft sollen plurale Kuratorien sorgen“, erklärte Sehrbrock.

Der Staat muss mehr in das Hochschulsystem investieren, betonte Ingrid Sehrbrock: „Was sind eigentlich die Prioritäten in unserem Land: Wollen wir weiterhin niedrige Steuern für Vermögen und reiche Erben? Wollen wir weiterhin auf die Besteuerung von Finanztransaktionen verzichten? Oder wollen wir mehr in ein leistungsfähiges Bildungssystem investieren? Die Antwort der Gewerkschaften ist eindeutig: Wir brauchen höhere Steuern für Vermögende und müssen diese Mittel gezielt in Bildung und Wissenschaft investieren! Und natürlich muss das Kooperationsverbot für das gesamte Bildungswesen fallen.“

Das gesamte Hochschulpolitische Programm des DGB finden Sie hier zum Download:

Für eine demokratische und soziale Hochschule - hochschulpolitisches Programm des DGB (PDF, 241 kB)

Deregulierung und Liberalisierung führen an den Hochschulen zu schlechteren Arbeitsbedingungen, Zulassungs-Chaos und weniger Demokratie. Mit ihrem Hochschulpolitischen Programm formulieren die Gewerkschaften ihre Anforderungen an eine demokratische und soziale Hochschule.

Rede Sehrbrock: Für eine Demokratische und soziale Hochschule (PDF, 113 kB)

Rede der stellvertretenden Vorsitzenden des DGB Ingrid Sehrbrock bei der Hochschulpolitischen Konferenz des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am 11. Dezember 2012 in Berlin.

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