Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 012 - 07.03.2022
Equal Pay Day 2022

Lohnlücke endlich schließen!

Frauen in Deutschland verdienen 18 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Der DGB erinnerte die Ampel-Koalition heute bei einer Gewerkschafts-Aktion an ihr Ziel, die Gleichstellung von Frauen und Männern noch in diesem Jahrzehnt zu erreichen. Die Erhöhung des Mindestlohns mit einer Anhebung der Verdienstgrenze für Minijobs zu koppeln, wirke dem allerdings entgegen.

 DGb Aktion vorm dem Brandenburger Tor anlässlich des Equal Pay Day 2022

Vor dem Brandenburger Tor macht der DGB auf die ungleiche Bezahlung zwischen Frauen und Männern aufmerksam. Mit dabei: (v.l.n.r.) DGB-Vorstand Anja Piel, die Vorsitzende des DGB-Bezirks Berlin-Brandenburg Katja Karger , Arbeitsminister Hubertus Heil, Berlins regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey, der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann, die frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen Ulle Schauws und die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Anne Freitag

Frauen bekommen hierzulande noch immer durchschnittlich 18 Prozent weniger Gehalt als Männer. Erst heute, am 7. März, haben Frauen das Jahresentgelt erreicht, das Männer bereits am 31. Dezember auf ihrem Konto hatten. Bei einer Gewerkschafts-Aktion vor dem Brandenburger Tor erinnerte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann die Ampel-Koalition an ihre gleichstellungspolitischen Ziele.

„Noch in diesem Jahrzehnt soll die Gleichstellung von Frauen und Männern erreicht werden“, zitierte Hoffmann aus dem Koalitionsvertrag, „aber die Erhöhung des Mindestlohns mit einer Anhebung der Verdienstgrenze für Minijobs zu koppeln, konterkariert sämtliche Ambitionen für eine eigenständige Existenzsicherung der Geschlechter. Statt Minijobs zurückzudrängen, wird so ein hochproblematisches Beschäftigungsverhältnis ausgeweitet. Im Ergebnis werden noch mehr Frauen ohne sozialen Schutz arbeiten.“

„Mitbestimmung, Tarifverträge und Gewerkschaften sind ein Garant für mehr Gleichberechtigung – gerade wenn es um die Entgeltfrage geht“, so Hoffmann weiter. „Durch Tarifverträge wird die Entgeltlücke insgesamt erheblich kleiner. Sie liegt dann durchschnittlich zehn Prozentpunkte unter der von Unternehmen, die keinen Tarifvertrag haben. Wir erwarten von dieser Koalition ein deutliches Signal für gute Arbeit: für mehr Tarifbindung – aber eben nicht für die Ausweitung von prekärer Beschäftigung in diesem Land.“

Anlässlich der aktuellen Tarifrunde zu den kommunalen Sozial- und Erziehungsdiensten verlangte Hoffmann von den Arbeitgebern, endlich ein faires Angebot auf den Tisch zu legen: „Zeigen Sie, dass Sie es ernst meinen. Die vielen Frauen in diesen Berufen müssen endlich besser bezahlt werden. Und da wir hier von Bereichen außerhalb der Privatwirtschaft reden, ist es schlichtweg die Aufgabe der Politik, für genug Geld im System zu sorgen. Wir fordern echte Höhergruppierungen und nicht weniger.“ 

Damit könnten gleich zwei Stellschrauben gedreht werden, um die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern zu verringern, ergänzte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack: „Durch eine finanzielle Aufwertung in den Sozial- und Erziehungsdiensten senken Sie die Lohnlücke unmittelbar. Und durch motiviertes Personal in einer qualitativ hochwertigen und bedarfsgerechten Betreuungsinfrastruktur ermöglichen Sie vielen Müttern eine kontinuierliche Erwerbtätigkeit, die gleichfalls die Lohnlücke verringert.“  

Hannack rief zudem alle Beschäftigten zur Teilnahme an den Betriebsratswahlen auf, die von März bis Ende Mai bundesweit in vielen Betrieben stattfinden. „Mit Betriebsräten geht vieles besser, denn sie sind bei der Bewertung von Arbeitsplätzen und der Bezahlung mit im Boot. Und sie können Regelungen zu Arbeitszeiten, zu mobiler Arbeit und zu Arbeitsmitteln im Sinne der Beschäftigten mitentscheiden. Das ist nicht nur gelebte Demokratie im Unternehmen, das trägt auch zu mehr Zufriedenheit der Beschäftigten bei“, sagte Hannack. Notwendig sei allerdings ein „digitales Zugangsrecht in die Betriebe“, um auch in Zeiten wie diesen, stetig den Kontakt zu den Beschäftigten halten zu können. 


Eindrücke von der DGB-Aktion vor dem Brandenburger Tor:


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