Deutscher Gewerkschaftsbund

04.10.2021
Arbeitsmarkt: Zahl des Monats

Kurzarbeit in der Pandemie: Weiterbildung nur in jedem 10. Betrieb

Nur jeder zehnte Betrieb hat Zeiten der Kurzarbeit genutzt, um seine Beschäftigten weiterzubilden - laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das ist eine vertane Chance, denn die akute Krise der Corona-Pandemie trifft in vielen Branchen auf die längerfristigen Herausforderungen des Strukturwandels und der digitalen Transformation.

Wenig Weiterbildung bei Kurzarbeit

DGB via Cnva.com

Fehlende Weiterbildung in Kurzarbeit ist eine vertane Chance

Während der Corona-Krise konnten viele Arbeitsplätze durch Kurzarbeit geschützt werden: am Höhepunkt im April 2020 waren sechs Million Beschäftigte in Kurzarbeit, etwa viermal so viele wie während der Finanzkrise. Der durchschnittliche Arbeitsausfall betrug etwa 50 Prozent, womit viele Beschäftigte zeitliche Freiräume gehabt hätten für Weiterbildung. Der Bedarf ist enorm. Durch die Transformationstreiber Klimawandel und Digitalisierung werden sich viele Arbeitsplätze, Berufsprofile und Branchen grundlegend verändern, so ein Forschungsbericht des BMAS zu "Digitalisierte Arbeitswelt". Der Fachkräftemangel wird durch den demografischen Wandel noch weiter intensiviert. Es mangelt nicht an Arbeitsplätzen, sondern an Weiterbildung.

Um die Perspektiven von Beschäftigten und den Bedarf von Arbeitnehmern auch langfristig zu sichern, muss also jede Chance ergriffen werden. Viele Betriebe nannten pandemiebedingte Gründe für den Verzicht auf Weiterbildungen, etwa dass die Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit nicht absehbar sei (81 Prozent) oder dass Weiterbildungen nicht zum pandemiebedingten Arbeitsplan passten (63 Prozent). Allerdings haben auch schon während der Finanzkrise nur wenige Betriebe Kurzarbeit zur Qualifizierung genutzt. 39 Prozent der Betriebe sagten auch aus, dass das Thema Weiterbildung aktuell nachrangig sei. Angesichts des Transformationsdrucks eine besorgniserregende Zahl.

DGB: Weiterbildung und Kurzarbeit müssen stärker verknüpft werden

Weiterbildung muss im Mittelpunkt aller arbeitsmarktpolitischen Bemühen stehen. Die Auswirkungen der Pandemie auf dem Arbeitsmarkt flauen zwar zum Glück ab. Die großen Umbrüche im Strukturwandel und in der digitalen Transformation werden jedoch auch Formen der Kurzarbeit fordern, etwa die von den Gewerkschaften geforderte Transformationskurzarbeit, die Unternehmen während transformationsbedingtem, temporärem Arbeitsausfall unterstützen soll. Nur jeder zehnte Betrieb in Weiterbildung wird nicht reichen: die Verknüpfung von Kurzarbeit mit Qualifizierung muss durch breite Anreize verstärkt und in weitere Maßnahmen zur Weiterbildungsförderung eingebettet werden. Weiterbildungsberatung und –förderung muss zu einer Kernaufgabe der Bundesagentur für Arbeit werden. Nur so kann Arbeitsmarktpolitik zukunftsgerecht werden.

Weitere Informationen des DGB: Arbeit im Wandel braucht mehr Arbeitsmarktpolitik

 


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