Deutscher Gewerkschaftsbund

09.12.2019
DGB-Arbeitskreis Senioren kritisiert steigende Eigenbeiträge in der stationären Pflege

Armut bei Pflegepatient_innen: Altern in Würde sieht anders aus

Mehr Personal und höhere Ausbildungsvergütungen in der Pflege sind Sozialkosten und müssen deshalb vom Staat übernommen werden, fordert der Sprecher des DGB-Arbeitskreises Senioren. Weil ab 2020 der Eigenbeitrag erhöht wird, bleibe den Heimbewohnerinnen "nur noch ein ganz geringes Taschengeld" - ein selbstbestimmtes Altern in Würde sehe anders aus.

Senioren mit Rollstuhl

DGB/Simone M. Neumann

Der DGB-Arbeitskreis Senioren nimmt die derzeit wie alle Jahre zum Jahreswechsel wieder anstehenden Kostensteigerungen in Alten- und Pflegeeinrichtungen zum Anlass, die große finanzielle Belastung vieler Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch ihrer Angehörigen kritisch zu hinterfragen.

Mehraufwand für Qualität der Pflege  sind Sozialkosten

Dabei ist den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern bewusst, dass den Heimen unter anderem durch die Anhebung des Personalschlüssels und steigende Ausbildungsvergütungen Mehrkosten entstehen. „Diese Maßnahmen sind ausdrücklich zu begrüßen, weil sie für mehr Qualität in der Pflege sorgen und zu gerechterer Bezahlung der Beschäftigten führen. Die Kosten dafür sind jedoch ganz klar Sozialkosten, die vom Staat übernommen werden müssen und nicht den Heimbewohnern in Rechnung gestellt werden dürfen“, betont der Sprecher des Arbeitskreises Werner Kinder.

Mit knapp 115 Euro Taschengeld durch den Monat

Der Zustand in der Pflegefinanzierung war schon vorher bis zum äußersten angespannt, die jetzt zum Jahresbeginn 2020 erfolgende Anhebung des Eigenbeitrags verschärft die Situation noch zusätzlich. Joachim Wagner, selbst ehrenamtlich in einem Pflegeheim tätig, erlebt die finanziellen Nöte direkt: „Den Bewohnern bleibt trotz ihres enormen finanziellen Eigenbeitrags nur ein ganz geringes Taschengeld zum täglichen Gebrauch im Heim – zum Beispiel für Aufwendungen zur Körperpflege (dazu zählen auch Friseurbesuche), kleine Einkäufe und so weiter.“

Ziel ist ein selbstbestimmtes Leben

Dieses Taschengeld, derzeit knapp 115 Euro, erfährt aber keine Anpassung nach oben, kritisiert der Arbeitskreis Senioren. Noch so kleine Weihnachtsgeschenke für Kinder oder Enkel seien da nicht drin – ein Altern in Würde sieht anders aus. Dabei gehe es doch darum, den Pflegebedürftigen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen – bei bezahlbaren Kosten für Alten- und Pflegeeinrichtungen.

Der Arbeitskreis Senioren fordert vor diesem Hintergrund die Stadt Mannheim auf, den Bericht zur Lage älterer Menschen von 2015 aktuell fortzuschreiben, um die konkrete Situation, vor allem auch die finanzielle Situation älterer Menschen hier in Mannheim, sichtbar zu machen.


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