Deutscher Gewerkschaftsbund

10.06.2020
Corona-Pandemie

Schulöffnungen nur mit Arbeitsschutz und Hygienestandards

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Stefanie Hubig hat vorgeschlagen, den Schulbetrieb wieder voll aufzunehmen - die bisherigen Abstandsregelungen will sie dabei ersatzlos aufgeben. Der DGB lehnt das ab. Die Schulen dürfen auf keinen Fall unter Verzicht auf Arbeitsschutz und Hygienestandards geöffnet werden.

Kinder und Lehrerin mit Mund-Nasen-Schutz in der Schule

DGB/Oksana Kuzmina/123rf.com

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack sagt zu diesem Vorstoß:

„Die Kultusminister verlieren offenbar unter dem großen öffentlichen Druck die Nerven. Anders ist nicht zu erklären, dass sie nun kopflos und ohne Abstandsregeln die Schulen in den Normalbetrieb schicken wollen. Die Öffnung der Schulen darf auf keinen Fall unter Verzicht auf Arbeitsschutz und Hygienestandards erfolgen. Wenn mehr als hundert Schülerinnen und Schüler samt Lehrkräften dicht an dicht in der vollgepackten Mensa beim Mittagessen sitzen, wird jeglicher Infektionsschutz aufgegeben. Das ist verantwortungslos gegenüber den Beschäftigten im Bildungssystem, aber auch gegenüber den Kindern und Jugendlichen. Die Integration von Schülerinnen und Schülern mit Vorerkrankungen wird so erst recht nicht gelingen. Gerade für diese Kinder und Jugendlichen braucht es ein ausgeklügeltes Hygienekonzept, sonst wird Isolation statt Inklusion die Folge sein. Wir wissen um die fatalen Auswirkungen des coronabedingten Ausfalls des Schulunterrichts und die Verschärfung von Gerechtigkeitslücken als Folge. Gerade deshalb ist es notwendig, den Normalbetrieb mit Bedacht zu öffnen. Sonst droht ein ungeplanter zweiter Lockdown im Herbst.“

Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied:

„Mit Lüften gegen Corona ist es auch in unseren Schulen nicht getan! Wir alle verstehen die Sehnsucht der Kinder und ihrer Eltern und Familien nach Normalität. Was aber gar nicht geht, ist Lehrkräfte und andere Schulbeschäftigte ohne jegliche Schutzmaßnahmen wieder in den Unterricht zu schicken und die Gefährdung ihrer Gesundheit damit billigend in Kauf zu nehmen. Arbeits- und Gesundheitsschutz muss gerade in Pandemiezeiten in allen Betriebsstätten, damit auch an Schulen, oberste Priorität haben. Abstand halten ist eine der wesentlichen Bedingungen um die Infektionsgefahren einzudämmen. Hier muss der Staat leuchtendes Vorbild sein und darf nicht mit der billigen Ausrede, das sei alles nicht machbar, notwendige Arbeitsschutzmaßnahmen aussetzen. Nur mit einem funktionierenden Arbeits- und Gesundheitsschutz werden Wirtschaft und Verwaltung die Krise dauerhaft bewältigen.“

 


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