Deutscher Gewerkschaftsbund

16.11.2022
Statement zur FIFA-WM 2022 in Katar

Rote Karte für die FIFA!

Vom 20. November bis 18. Dezember 2022 findet die Fußball-WM der Männer in Katar statt. Fußball kann Völker verbinden, in Katar sind mit ihm aber eklatante Verstöße gegen fundamentale Menschenrechte verbunden. Dafür hat die FIFA die Rote Karte mehr als verdient, dafür braucht es noch nicht einmal den Videobeweis.

Hand zeigt rote Karte

Colourbox.de

Ein Spiel dauert 90 Minuten, die Verletzung fundamentaler Menschenrechte wirkt ein Leben lang nach. Die für viele "schönste Nebensache der Welt" und die Vorfreude auf die WM sind stark getrübt. Das gilt nicht erst seit den unerträglichen homophoben Bemerkungen eines katarischen WM-Botschafters. Schon seit der Vergabe der WM 2010 steht Katar wegen vielfach belegter, massiver Menschenrechtsverletzungen in der Kritik von Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen. Katar hat zur Vorbereitung der WM hunderttausende ausländische Arbeitskräfte ins Land geholt. Sie kamen und kommen beim Bau der Infrastruktur, im Sicherheitssektor oder im Hotel- und Gaststättengewerbe rund um das Turnier zum Einsatz – viel zu oft unter schlechten Bedingungen. Viel zu viele Menschen sind bei ihrer Arbeit gestorben. Das nächste Spiel ist immer das schwerste – die nächste Baustelle möglicherweise die tödliche!

Wir erkennen an, dass Katar sich in den letzten Jahren bewegt hat und dass es erste Fortschritte und Verbesserungen der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitsmigrant*innen in Katar gibt. Dazu gehören unter anderem die teilweise Abschaffung des berüchtigten Kafala-Vormundschaftssystems, die Einführung von Mindestlöhnen, Fonds für nicht gezahlte Löhne, Streitschlichtungskomitees, Hitzeschutzmaßnahmen und ein System der Rechtsprechung für Arbeitskonflikte und einer Arbeitsinspektion. Diese Reformen zeigen, dass sich der langjährige Kampf für bessere Arbeitsbedingungen lohnt. Allerdings werden die erhofften Ziele bislang nur lückenhaft umgesetzt, teilweise sogar wieder zurückgedreht.

Wir fordern daher gemeinsam mit internationalen Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen die FIFA, die UEFA, den DFB, die Sponsoren und den Staat Katar auf, weitere, nachhaltige und wirksame Schritte zur Verbesserung der ausländischen Arbeiternehmer*innen zu realisieren.

Wir appellieren aber auch an die in Katar tätigen multinationalen Unternehmen, eine Vorbildfunktion einzunehmen und für die in ihren Projekten beschäftigten ausländische Arbeitnehmer*innen nachhaltig gute Arbeitsbedingungen zu gestalten.

Wir fordern, ein Zentrum für Arbeitsmigrant*innen in Katar einzurichten. Es soll für sie ein "sicherer Hafen" für Austausch und Beratung sein. Denn auch nach der WM wird Katar von ihnen abhängen. Dazu gehören auch die über 170.000 Frauen, die in katarischen Familien als Hausangestellte arbeiten. Was nach der WM und der mit ihr verbundenen Aufmerksamkeit bleiben muss, sind der wirkungsvolle und langfristige Schutz der Menschenrechte dieser Arbeitnehmer*innen sowie bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Wir fordern von Katar und der FIFA eine Entschädigung von Arbeitnehmer*innen, deren Rechte im Zusammenhang mit der Fußball-WM verletzt wurden, sowie für die Familien verstorbener Arbeitnehmer*innen. Dafür sollte ein Fonds in Höhe des Preisgeldes eingerichtet werden, das bei der WM ausgezahlt wird. Das sind rund 440 Millionen Dollar.

Wir fordern, die Anzahl der Kontrollen zur Durchsetzung der Arbeitsreformen erheblich zu steigern und einen regelmäßigen Fortschrittsbericht zu veröffentlichen. Das gute Beispiel der "Internationalen Arbeitsinspektionen" auf den WM-Baustellen muss langfristig auf allen Baustellen ermöglicht werden.

Wir fordern darüber hinaus die Behörden in Katar, die FIFA, die nationalen Verbände und die Sponsoren auf, während und vor allem nach der WM für die Einhaltung und den Schutz der universellen Menschenrechte zu sorgen.

Wir begrüßen die Stellungnahme des DFB und erwarten von der Bundesregierung eine klare, öffentliche Positionierung für die Einhaltung der Menschenrechte und die Verbesserung der Situation der Arbeitnehmer*innen in Katar. Wir fordern von der Bundesregierung außerdem, dass sie sich auch nach dem Abpfiff des WM-Finales für Menschen- und Arbeitnehmer*innenrechte und weitere Reformen in Katar einsetzt.

 IGB-Sonderbericht aus 2014 (PDF):

Die Akte Katar: IGB Sonderbericht (PDF, 3 MB)

Der Bericht des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) zu den Arbeitsbedingungen in Katar zeigt: Die Regierung des Landes übernimmt keinerlei Verantwortung für die Beschäftigten in ihrem Land. Die Reaktion auf die öffentliche Kritik ist reine PR-Übung.

Weiterführende Links:

 


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