Deutscher Gewerkschaftsbund

14.01.2019
Digitalisierung

"Nicht alles, was technisch machbar ist, darf sich durchsetzen"

Wie Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändert

Wenn Maschinen immer mehr Aufgaben übernehmen und sich Unternehmen wie Uber oder Amazon vor ihrer Verantwortung drücken, bleiben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf der Strecke. In der "Welt am Sonntag" warnt DGB-Chef Reiner Hoffmann vor den Risiken des rasanten technischen Fortschritts.

DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann in Gesprächssituation

DGB/Christoph Michaelis

Welt.de DGB-Chef Reiner Hoffmann warnt vor einem "digitalem Proletariat"

Neue Chancen, neue Risiken

Selbstfahrende Autos, Maschinen, die immer intelligenter werden und immer mehr Aufgaben übernehmen: Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt in einem Ausmaß und einem Tempo, wie es das bisher nie gegeben hat. Das bietet viele Chancen und kann Menschen von gefährlichen Arbeiten oder monotonen Routinetätigkeiten befreien.

Doch es gibt auch Risiken. Der technologische Fortschritt macht alte Arbeitsformen überflüssig und stellt Beschäftigte und Unternehmen vor neue Herausforderungen. Damit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dabei nicht auf der Strecke bleiben fordert der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann in der Welt am Sonntag ethische Leitplanken: "Nicht alles, was technisch machbar ist, darf sich durchsetzen."

Überwachung und "modernes Sklaventum"

Hoffmann warnt unter anderem vor der Gefahr der totalen Überwachung: „Der Versandhandel Amazon erfasst schon heute jeden einzelnen Handgriff der Mitarbeiter. Und jede Nichtaktivität kann für den betreffenden Arbeitnehmer eine Abmahnung oder gar Entlassung zur Folge haben.“ Bei der umstrittenen Plattform Uber, die Fahrdienste anbietet, sich aber nicht als Arbeitgeber versteht, würden "Beschäftigte zu modernem Sklaventum verurteilt".

Um solche Praktiken zu unterbinden brauche es auch in der digitalen Welt Spielregeln, an die sich alle halten müssen, so Hoffmann. Da die "Halbwertzeit von technologischen Innovationen immer kürzer" werde, müsse es außerdem einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung geben - damit Beschäftigte sich ihr ganzes Berufsleben weiter qualifizieren können.


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