Deutscher Gewerkschaftsbund

10.01.2017
klartext 2/2017

Deutschland – ein zweigeteiltes Land

5,7 Billionen Euro haben die Deutschen an Privatvermögen angehäuft - so viel wie noch nie. Doch wie ungleich der Reichtum verteilt ist, zeigt der neueste Armuts- und Reichtumsbericht. So besitzt das reichste Zehntel fast 60 Prozent der Vermögen. Um diese Zweiteilung der Gesellschaft zu bekämpfen muss die Politik die Reichen wieder stärker in die Pflicht nehmen, fordert der DGB-klartext.

Gigantische Managergehälter sind wieder in den Schlagzeilen. Forderungen nach einer stärkeren Begrenzung werden wieder lauter. Zu Recht! Denn Millionen-Boni bei der Deutschen Bank oder die Riesen-Rente für Ex-VW-Chef Martin Winterkorn zeigen, dass etwas schief läuft in Deutschland. Einerseits sind hierzulande mehrere Millionen Menschen arm oder von Armut bedroht. Andererseits werden in manchen Chefetagen Gehälter und Pensionen gezahlt, die fern jeder Realität sind.

Reichtum ist ungleich verteilt

Insgesamt wird Deutschland zwar reicher. So stiegen die privaten Geldvermögen im letzten Jahr auf einen Höchststand von 5,7 Billionen Euro. Doch dieser Reichtum ist höchst ungleich verteilt. Der deutlich gestiegene materielle Wohlstand der Gesellschaft wurde nicht genutzt, um den krassen Abstand der unteren Einkommen zur Mitte zu verkleinern. Das bittere Fazit: Deutschland ist ein zweigeteiltes Land.

 

Verteilung der Einkommen und Vermögen

Rund ein Viertel der Einkommen geht an das reichste Zehntel in Deutschland. Dieses besitzt außerdem fast 60 Prozent des Vermögens. Grafik DGB; Quelle: SOEP v30, Berechnungen IAW.

Jeder Sechste von Armut bedroht

Der 5. Armuts- und Reichtumsbericht (ARB) der Bundesregierung belegt die enorme soziale Ungleichheit unserer Gesellschaft. Jeder Sechste ist von Armut bedroht. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und Erwerbslose. Und der soziale Aufstieg wird zunehmend schwieriger. Die Einkommen und noch stärker die Vermögen sind hierzulande sehr ungleich verteilt. Nach aktuellen Zahlen erhalten die reichsten 10% etwa 24% der Einkommen und besitzen sogar fast 60% der Vermögen (siehe Abbildung).

Bundesregierung liefert keine Lösungen zur Bekämpfung der Armut

Die Bundesregierung beschreibt die Probleme im ARB durchaus treffend – doch sie liefert keine Lösungen, um die Armut und die stetig wachsende Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen zu bekämpfen. Besonders pikant: Einige Passagen im ersten Berichtsentwurf, die eine stärkere Verantwortung der Reichen und Vermögenden an der Finanzierung des Gemeinwohls einfordern, wurden in der aktuellen Version gestrichen oder zumindest abgeschwächt. Eine ehrliche Debatte über Ungleichheit und Möglichkeiten zum Abbau der sozialen Schieflage sieht anders aus.

Umverteilung durch faire Steuern auf Vermögen und Einkommen

Es braucht endlich eine Politik, die Armut bekämpft und Reiche stärker in die Pflicht nimmt. Ansatzpunkte dafür gibt es viele: Prekäre Beschäftigung muss zurückgedrängt, die Tarifbindung gestärkt und der Mindestlohn ohne Ausnahmen durchgesetzt werden. Eine Stabilisierung und langfristige Erhöhung des Rentenniveaus beugt Altersarmut vor. Und steuerpolitisch hat der DGB jüngst ausführliche Vorschläge gemacht – inklusive fairer Vermögen- und Erbschaftsteuern und eines gerechteren Tarifverlaufs bei der Einkommensteuer.

Steuerprivilegien hohe Gehälter, Boni und Pensionen abbauen

Aber auch zu hohe Top-Gehälter können angegangen werden, wenn der politische Wille da ist. Transparenz über Verträge, eine Deckelung der Bezüge und eine Langfristorientierung der Vergütungssysteme können ausufernder Bezahlung einen Riegel vorschieben. Zudem dürfen Gehälter, Boni und Pensionen ab einer bestimmten Höhe nicht mehr steuerlich privilegiert werden.

Die Politik muss beides verhindern – die Armut und die Konzentration von Reichtum in wenigen Händen. Dann wächst die zweigeteilte Gesellschaft wieder zusammen.


Nach oben

Weitere Themen

Imp­fen und Tes­ten: Was Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer jetzt wis­sen müs­sen
Spritze undImpfstoff vor verschwommenen Hintergrund
DGB/Anawat Sudchanham/123rf.com
Kann mein Arbeitgeber verlangen, dass ich mich gegen Corona impfen lasse? Darf ich einen Termin während der Arbeitszeit wahrnehmen - und wer bezahlt dann mein Gehalt? Habe ich ein Recht auf regelmäßige Schnelltests am Arbeitsplatz? Unser Ratgeber beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Impfungen und Tests für Beschäftigte und Betriebsräte.
weiterlesen …

Co­ro­na-Imp­fung und was Be­schäf­tig­te da­zu wis­sen müs­sen
Ärztin mit Spritze
DGB/Simone M. Neumann
In Deutschland wird gegen Corona geimpft. Wir beantworten, was Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jetzt wissen müssen. Zum Beispiel, welche Berufsgruppen zuerst geimpft werden können.
weiterlesen …

Co­ro­na-Kin­der­kran­ken­geld: Wer es be­komm­t, wie es be­an­tragt wird
Vater mit zwei kleinen Kindern, staubsaugen gemeinsam den Küchenboden
Colourbox.de
Eltern, die wegen Kita-Schließungen oder Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie ihre Kinder betreuen müssen, können dafür jetzt Kinderkrankengeld beziehen. Pro Elternteil gibt es 30 Tage ab dem ersten Kind im Jahr 2021, für Alleinerziehende 60. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften haben seit Monaten mehr Unterstützung für Eltern in der Krise gefordert. Das zusätzliche Kinderkrankengeld für Eltern ist kurzfristig ein Schritt in die richtige Richtung, reicht jedoch nicht aus.
weiterlesen …

Co­ro­na als Be­rufs­krank­heit? Bei der Ar­beit an CO­VI­D-19 er­krankt
Drei Bauarbeiter*innen / Handwerker*innen mit Schutzhelm und Mund-Nasen-Schutz; blicken mit verschränkten Armen nach links
DGB/123rf.com/visoot
Wer auf der Arbeit an Corona erkrankt, sollte dies als Berufserkrankung, bzw. als Arbeitsunfall bei der Unfallversicherung melden. Infos zu Anerkennung und Co.
weiterlesen …

Min­dest­lohn 2021/2022: Was än­dert sich?
Münze mit Prägung des Schriftzugs Mindestlohn
DGB/Bartolomiej Pietrzyk/123RF.com
Wie hoch ist der Mindestlohn im Jahr 2021? Wie hoch ist der Mindestlohn 2022? Wann wird er erhöht? Und welche Ausnahmen gelten beim Mindestlohn in 2021 und 2022? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
weiterlesen …

Co­ro­na: Al­les, was Be­schäf­tig­te jetzt wis­sen müs­sen
Mikroskopaufnahme Corona-Viren
DGB/Kateryna Kon/123rf.com
Die Corona-Pandemie hält an. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stellen sich immer wieder neue Fragen. Wir haben die wichtigsten Antworten.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …