Deutscher Gewerkschaftsbund

23.05.2014

Minijobs: Frauen zunehmend auf Zweiteinkommen angewiesen

Knapp 2,6 Millionen Menschen in Deutschland haben neben ihrem Haupt- einen Minijob. Oft sind es Frauen, die wegen niedriger Einkommen auf einen Zweitjob angewiesen sind, zeigt eine aktuelle Untersuchung der Böckler-Stiftung. In einigen Branchen drohen Minijobs die sozialversicherte Beschäftigung zu verdrängen. Der DGB fordert deshalb die Sozialversichungspflicht für Minijobs ab der ersten Stunde.

In den vergangenen zehn Jahren haben immer mehr ArbeitnehmerInnen einen Minijob neben der Hauptbeschäftigung auf, so die Böckler-Studie. Von 2004 bis 2013 stieg die Zahl der Neben-Minijobber von 1,66 auf 2,59 Millionen. Die Studie zählt für diesen rapiden Anstieg mehrere Ursachen auf:

Minijobs

Böckler Impuls

  • Viele Frauen mit einem Zweitjob arbeiten unfreiwillig in Teilzeit.
  • Frauen nehmen vor allem zur Existenzsicherung eine zweite Beschäftigung auf. Denn sie arbeiten im Hauptjob im Schnitt zu einem niedrigeren Stundenlohn, häufig auch in Teilzeit.
  • Viele Frauen müssen nach einer Trennung vom Partner einen Neben-Minijob annehmen.

„Die Studie belegt einmal mehr: Gerade Frauen arbeiten oft unfreiwillig in Teilzeit und greifen deshalb umso öfter zu Nebenjobs auf 450-Euro-Basis“, sagte DGB-Vize Elke Hannack. Wer aber seine Arbeitszeit reduziere, müsse später auch die Möglichkeit haben, später wieder aufzustocken. Denn die Reduzierung der Arbeitszeit sei Einkommenseinbußen verbunden. Wer heute in Teilzeit beschäftigt ist und wieder Vollzeit arbeiten möchte, dem werde dies oft verweigert.

Die Folge, so Hannack: „Vielen bleibt damit nur ein zusätzlicher, schlecht sozial abgesicherter Minijob, um ein Einkommen zu erzielen, das zum Leben reicht. Hier muss die Politik ansetzen: Wir brauchen ein verbindliches Rückkehrrecht in sozial abgesicherte Vollzeitarbeit. Umbrüche im Leben wie Trennung oder Scheidung dürfen Frauen nicht in Armut stürzen oder sie in Minijobs als Nebenverdienst zwingen. Frauen und Männer brauchen eine eigenständige Existenzsicherung und echte Gleichstellung am Arbeitsmarkt statt Zweitjobs zum Leben.“

Als auffällig bezeichnete die stellvertretende DGB-Vorsitzende auch die hohe Quote an Neben-Minijobs in Branchen mit vielen Teilzeitverhältnissen. „Besonders im Gesundheits- und Sozialwesen als auch im Bildungssektor üben viele Minijobber den gleichen Beruf in Haupt- und Nebentätigkeit aus. Offensichtlich wird hier sozialversicherte Beschäftigung durch Minijobs verdrängt.“

Dem gelte es einen Riegel vorzuschieben, so Hannack. Sie fordert: „Minijobs müssen ab der ersten Stunde sozialversicherungspflichtig sein.“

Zur Böckler-Studie


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