Deutscher Gewerkschaftsbund

25.05.2016
Arbeitsschutz

Und wie hoch ist Ihre psychische Belastung im Job?

Zahl der Betriebsvereinbarungen zur Gefährdungsbeurteilung steigt

Seit 2013 ist es Pflicht: Bei der Gefährdungsbeurteilung muss der Arbeitgeber auch die psychische Belastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berücksichtigen. Immer mehr Unternehmen schließen deshalb Betriebsvereinbarungen dazu ab. Ziel ist es, die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten und Erkrankungen wie Depressionen oder Burn-out zu verhindern. 

Frau sitzt am Schreibtisch mit Händen im Gesicht

Colourbox

Stress macht krank

Depressionen, Burn-out, affektive Störungen: In den letzten zehn Jahren hat die Anzahl der psychischen Erkrankungen stark zugenommen. 2013 war mehr als jeder siebte Ausfalltag im Betrieb psychisch bedingt, insgesamt waren das mehr als 70 Millionen Tage. Grund dafür ist oft die Situation am Arbeitsplatz: zu viel Stress, zu viel Druck, zu wenig Unterstützung und Mitbestimmung.

Seit 2013 müssen Arbeitgeber deshalb ermitteln, wie hoch die psychische Belastung am Arbeitsplatz ist – und zwar für jeden einzelnen Beschäftigten. Grundlage dafür ist das Arbeitsschutzgesetz.

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): § 5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen

  1. Der Arbeitgeber hat durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind.
  2. Der Arbeitgeber hat die Beurteilung je nach Art der Tätigkeiten vorzunehmen. Bei gleichartigen Arbeitsbedingungen ist die Beurteilung eines Arbeitsplatzes oder einer Tätigkeit ausreichend.
  3. Eine Gefährdung kann sich insbesondere ergeben durch
    1. die Gestaltung und die Einrichtung der Arbeitsstätte und des Arbeitsplatzes,
    2. physikalische, chemische und biologische Einwirkungen,
    3. die Gestaltung, die Auswahl und den Einsatz von Arbeitsmitteln, insbesondere von Arbeitsstoffen, Maschinen, Geräten und Anlagen sowie den Umgang damit,
    4. die Gestaltung von Arbeits- und Fertigungsverfahren, Arbeitsabläufen und Arbeitszeit und deren Zusammenwirken,
    5. unzureichende Qualifikation und Unterweisung der Beschäftigten,
    6. psychische Belastungen bei der Arbeit
Starker Anstieg der Betriebsvereinbarungen

Aufgrund dieser Änderung schließen immer mehr Unternehmen Betriebsvereinbarungen über die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen ab. Das hat eine Untersuchung der Hans Böckler Stiftung ergeben. Danach gibt es bislang zwar nur in 11,5 Prozent der Betriebe eine solche Vereinbarung, aber mehr als 40 Prozent davon wurden erst seit 2014 abgeschlossen. „An diesem Thema wird deutlich, dass – wenngleich es noch nicht in jedem Betrieb angekommen ist – die psychische Gefährdungsbeurteilungen zunehmend auf die Agenda von Betriebsräten rücken“, so die Forscher.

Gefährungsbeurteilung: Darum geht es

Bei der Gefährdungsbeurteilung werden die psychischen Belastungen bei verschiedenen Tätigkeiten beurteilt, zum Beispiel die Arbeitsmenge, das Arbeitsklima, der Handlungsspielraum und Störungen. Ziel ist es, Fehlbelastungen zu erkennen beziehungsweise durch geeignete Präventionsmaßnahmen zu verhindern und abzubauen. Die Gefährdungsbeurteilung soll so einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Gesundheit, der Motivation und Beschäftigungsfähigkeit leisten.

Datenbank Betriebsvereinbarungen

Wie eine solche Beurteilung durchgeführt und wie mit den Ergebnissen umgegangen wird können Arbeitgeber und Betriebsrat in einer Betriebsvereinbarung festhalten. Bislang gibt es solche Vereinbarungen vor allem im Handel und im Verkehr- und Gastgewerbe. Beispiele dafür, wie das im Einzelfall aussehen kann, hat die Hans Böckler Stiftung in der Datenbank Betriebsvereinbarungen dokumentiert.

 

Link

Wie kann eine Gefährdungsbeurteilung im Betrieb aussehen? Worauf muss man achten – und was sind überhaupt psychische Belastungsfaktoren bei der Arbeit? Ausführliche Infos dazu gibt es beim Arbeitsprogramm Psyche der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie.


Nach oben

Weitere Themen

Imp­fung ge­gen Co­ro­na – wie ist das aus ge­werk­schaft­li­cher Sicht zu be­wer­ten?
Spritze undImpfstoff vor verschwommenen Hintergrund
DGB/Anawat Sudchanham/123rf.com
Die aktuelle Lage ist sehr ernst – die Inzidenzzahlen steigen von Tag zu Tag rapide und eine Überlastung des Gesundheitssystems droht. Impfen ist und bleibt der Königsweg aus der Pandemie. Der große Abstand in den Infektions- und Hospitalisierungszahlen von Geimpften und Ungeimpften zeigt deutlich: Ungeimpfte setzen sowohl sich selbst als auch indirekt ihre Mitmenschen einem unnötig großen Infektionsrisiko und letztlich auch Sterberisiko aus.
weiterlesen …

Co­ro­na als Be­rufs­krank­heit? Bei der Ar­beit an CO­VI­D-19 er­krankt
Drei Bauarbeiter*innen / Handwerker*innen mit Schutzhelm und Mund-Nasen-Schutz; blicken mit verschränkten Armen nach links
DGB/123rf.com/visoot
Wer auf der Arbeit an Corona erkrankt, sollte dies als Berufserkrankung, bzw. als Arbeitsunfall bei der Unfallversicherung melden. Infos zu Anerkennung und Co.
weiterlesen …

Echt ge­recht
Logo Echt gerecht
DGB
Die Bundestagwahl 2021 findet am 26. September statt. Wie wir die Zeit nach der Corona-Krise gestalten, entscheidet sich jetzt bei dieser Wahl. Es ist Ihre Wahl! Informieren Sie sich jetzt auf der DGB-Kampagnenseite zur Bundestagswahl.
weiterlesen …

Min­dest­lohn 2022: Was än­dert sich?
Münze mit Prägung des Schriftzugs Mindestlohn
DGB/Bartolomiej Pietrzyk/123RF.com
Wie hoch ist der Mindestlohn 2022? Wann wird er erhöht? Und welche Ausnahmen gelten beim Mindestlohn in 2022? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …