Deutscher Gewerkschaftsbund

29.10.2019

Tarifrunde Leiharbeit: Mehr Geld und bessere Perspektiven gefordert

Mehr körperliche Belastungen, häufige Schicht- und Nachtarbeit und ein deutlich geringeres Einkommen als Beschäftigte in anderen Branchen: So sieht der Alltag vieler LeiharbeitnehmerInnen in Deutschland 2019 aus. Aktuelle DGB-Analysen zeigen, warum ein deutliches Lohnplus in der laufenden Tarifrunde dringend geboten ist.

Bauarbeiter mit Helm zeigt Faust

DGB/catalin205/123RF.com

Immer wieder neue Einsatzorte, Arbeitsabläufe, Aufträge, Vorgesetze und KollegInnen: Von Beschäftigten in der Leiharbeit wird ein hohes Maß an Flexibilität verlangt. Die Anerkennung bleibt häufig auf der Strecke: Je nach Qualifikation und Tätigkeit haben LeiharbeitnehmerInnen bis zu 650 Euro im Monat weniger auf dem Konto als andere Beschäftigte in vergleichbaren Jobs. Das haben ArbeitsmarktexpertInnen des DGB ermittelt.

Deutliche Gehaltssteigerung: "Wir fordern 8,5 Prozent mehr Geld"

Die DGB-Tarifgemeinschaft fordert in laufenden Tarifrunde deshalb auch eine deutliche Gehaltssteigerung: „Die Arbeitgeber müssen deutlich machen, wie ernst es ihnen mit guter Arbeit in der Leiharbeit ist. Wir fordern 8,5 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten in der Leiharbeit und Verbesserungen in den Manteltarifverträgen, etwa mehr Urlaubstage und ein höheres Weihnachts-, und Urlaubsgeld“, so DGB-Vorstandsmitglied und Verhandlungsführer der Gewerkschaften, Stefan Körzell. Außerdem sollten alle ArbeitnehmerInnen die gleichen Zuschläge erhalten, die in einem Entleihbetrieb gelten, ob für Sonn- und Feiertage, für Nachtschicht und Mehrarbeit. „Die Zuschläge für die Leiharbeitnehmer müssen entsprechend angehoben werden“, so Körzell. Zudem sollen die tariflichen Jahressonderzahlungen auf die Höhe eines 13. Monatsgehalts angehoben werden. Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 12. November 2019 angesetzt.

Leiharbeit: Jung und männlich

43 Prozent der rund 900 000 Leiharbeitnehmer-Innen sind in der Produktion eingesetzt.

Leiharbeit: Viele Sorgen, wenig Perspektive

Dass die Leiharbeitsbranche auch in vielen anderen Bereichen wenig Perspektive bietet, zeigen aktuelle Zahlen des DGB-Index Gute Arbeit. Der Tenor der Analyse: Viele LeiharbeitnehmerInnen leiden unter den schlechten Arbeitsbedingungen. So arbeitet mehr als ein Drittel als befristet Beschäftigte. In allen anderen Bereichen liegt der Anteil bei neun Prozent. LeiharbeitnehmerInnen haben zudem kaum Möglichkeiten, ihre Arbeitsabläufe selbst zu gestalten. Ähnlich gering ist die Chance auf Weiterbildung. Dafür sind sie überdurchschnittlich in Nacht- und Wechselschichten eingesetzt und müssen häufig körperlich belastende Arbeiten verrichten. Die Folge: 32 Prozent fürchten, gekündigt zu werden – 43 Prozent machen sich große Sorgen um die berufliche Zukunft. Das sind immerhin 387 000 der rund 900 000 LeiharbeitnehmerInnen.

Mehr Mitbestimmung, bessere Chancen auf Weiterbildung 

Um die Bedingungen grundsätzlich zu verbessern, ist die Politik gefragt. „Einkommenssteigerungen allein reichen nicht, um den Beschäftigten der Branche bessere Perspektiven zu bieten – die Digitalisierung macht auch vor der Leiharbeit nicht halt“, mahnt Körzell. Wichtig seien bessere Möglichkeiten der Weiterbildung für die Beschäftigten der Leiharbeit. „Dafür brauchen wir mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Betriebsräte in den Unternehmen. Politik und nicht zuletzt die Arbeitgeber müssen bessere Bedingungen für die Weiterbildung schaffen.“

www.dgb.de/tarifrunde-leiharbeit


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