Deutscher Gewerkschaftsbund

10.12.2019
Tarifticker

Gilde Brauerei: Massiver Angriff auf die Mitbestimmung

Seit der Übernahme der Gilde Brauerei 2016 durch den TCB-Konzern gibt es bei Gilde keinen Tarifvertrag mehr. Neueingestellte verdienen dadurch bis zu 15.000 Euro pro Jahr weniger als länger Beschäftigte. Die NGG fordert deshalb die Rückkehr zur Tarifbezahlung. Doch statt mit der NGG zu verhandeln, antworteten die Arbeitgeber mit Betriebsspaltung und Zerschlagung des Betriebsrates.

Volles Bierglass neben Bierflasche

Colourbox.de

Schlechtere Arbeitsbedingungen

Seit 2016 gehört die Gilde Brauerei in Hannover zur TCB Beteiligungsgesellschaft mbH aus Frankfurt (Oder). Für alle Neueingestellten, das entspricht 50 Prozent der Belegschaft, gelten seitdem keine Tarifverträge. Damit arbeiten sie nicht nur unter schlechteren Bedingungen sondern verdienen auch deutlich weniger als ihre länger beschäftigten Kollegen. Neben niedrigeren Löhnen bekommen sie auch kein Weihnachtsgeld und nur noch die Hälfte des Urlaubsgeldes. Insgesamt haben sie bis zu 15.000 Euro weniger Geld pro Jahr zur Verfügung, trotz gleicher Arbeit.

Betriebsspaltung und Zerschlagung des Betriebsrats

Seit vielen Monaten kämpft die Belegschaft mit Arbeitsniederlassungen gegen diese Ungerechtigkeiten und die Tarifflucht der Geschäftsführung. Am 25. November 2019 hatten die Beschäftigten in einer Urabstimmung für eine Fortsetzung der Streiks gestimmt. Doch statt mit den Beschäftigten und der NGG zu verhandeln, hat der Arbeitgeber die Gilde Brauerei nur wenige Tage später in vier Teile aufgespalten. Unter Aufsicht von Sicherheitskräften mussten die Beschäftigten ihre Spinde räumen, neue Zeiterfassungskarten und Arbeitskleidung wurden ausgegeben und es wurden sogar Trennwände im Betrieb eingezogen. Das alles geschah ohne den Interessenausgleich mit dem Betriebsrat. Dessen Mitgliedern in den neuen Gesellschaften wurde nun sogar die weitere Ausübung ihrer Tätigkeit untersagt. Beides verstößt gegen das Betriebsverfassungsgesetz und ist ein massiver Angriff auf die Mitbestimmung.

Die Beschäftigten sind die Leidtragenden

Leidtragende dieser Eskalation seien vor allem die Beschäftigten, sagt die Geschäftsführerin der NGG Hannover, Lena Melcher. Sie sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der erfolgreichen Urabstimmung und der anschließenden Betriebsspaltung, mit der der Betriebsrat zerschlagen werden sollte: „Womöglich meint die Geschäftsführung damit der Gefahr von unbefristeten Streiks zu entgehen und schüchtert die Beschäftigten bei der Wahrnehmung ihrer Rechte massiv ein“. Neben einer Rückkehr zum Tariflohn, will sie vor allem den Betriebsrat in seiner bisherigen Struktur erhalten.

Die NGG ist weiterhin gesprächsbereit und fordert die Arbeitgeber auf, endlich an den Verhandlungstisch zurückzukehren um den Tarifstreit und die Betriebsspaltung zu beenden.


Zur Meldung der NGG

Zum #schlaglicht 44/2019 des DGB-Niedersachsen: Gilde Brauerei: Frontalangriff auf die Mitbestimmung!


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