Deutscher Gewerkschaftsbund

07.05.2020
klartext 17/2020

Staatsbeteiligungen: Klare Regeln erforderlich

Durch die Corona-Pandemie und den Shutdown sind viele Unternehmen in eine wirtschaftliche Schiefläge geraten. Die Politik versucht unter anderem mit Staatsanleihen, möglichst viele Unternehmen und Arbeitsplätze zu retten. Doch dafür braucht es klare Regeln, meint der DGB-klartext.

Pfeil zeigt auf Euro Symbol

DGB/Le Moal Olivier/123RF.com

Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage

Durch die Corona-Pandemie und dem zwischenzeitlichen Shutdown sind zahlreiche Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Liquidität fehlt und das vor allem dort, wo die Rückkehr zur Normalität noch länger andauern wird. Gleichzeitig stehen viele Unternehmen nicht erst seit Corona vor einem rasanten Strukturwandel, der ihre Geschäftsmodelle radikal ändern wird.

Umfassendes Rettungsprogramm

Mit Blick auf die Corona-Krise hat die Politik zügig mit einem umfassenden Rettungsprogramm reagiert, um möglichst viele Unternehmen und Arbeitsplätze zu retten. Für Großunternehmen wird neben Bürgschaften auch Eigenkapital in Form von Staatsbeteiligungen zur Verfügung gestellt. Letztere sollen über den eigens dafür geschaffenen Wirtschaftsstabilisierungsfonds ermöglicht werden.

Keine Welle der Verstaatlichung

Kommt nun also eine Welle von Verstaatlichungen? Wohl kaum. Dennoch ist bemerkenswert, dass in der politischen Debatte vielmehr über das Wie, als über das Ob von Staatsbeteiligungen geredet wird. Das war im letzten Jahr noch anders: Als Bundeswirtschaftsminister Altmaier zur Wahrung der technologischen Souveränität Deutschlands befristete staatliche Beteiligungen vorschlug, wurde er dafür scharf attackiert.

Staatshilfen ja - Mitsprache nein

In der aktuellen Krise gibt es keine vergleichbare Grundsatzkritik mehr. Entscheidender Unterschied ist das Kleingedruckte. Wenn man genau hinsieht, fordern Wirtschaftsvertreter und Manager unisono, dass im Falle einer Beteiligung keinerlei Mitspracherechte für den Staat entstehen sollen.

Vielfach ist sogar von stillen Beteiligungen die Rede. Getreu dem Motto „der Staat ist nicht der bessere Unternehmer“, soll eine „politische Einflussnahme“ ebenso verhindert werden wie klare Bedingungen – etwa an den Erhalt von Arbeitsplätzen. Dass begünstigte Unternehmen aber nach dem Stabilisierungsfondsgesetz „einen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen“ leisten sollen, spielt für diese Akteure offenbar keine Rolle.

Diagramm:

Quelle: Bundesministerium der Finanzen

Beschäftigte zahlen eigene Kündigung

Dass der Steuerzahler Dividenden und Managerboni finanziert, halten manche hingegen für ein „stabilisierendes Signal an die Finanzmärkte“. Konsequent weiter gedacht, zahlt dann der Beschäftigte im Falle einer Restrukturierung mit seinen Steuern die eigene Kündigung, während Dividenden abgesichert bleiben. Das klingt dann doch eher wie ein Stück aus dem Tollhaus als nach sozialer Marktwirtschaft.

Standort- und Beschäftigungssicherung haben oberste Priorität

Damit ist klar: So richtig wie die Beteiligung der öffentlichen Hand an einem in die Krise geratenen Unternehmen ist, so wichtig sind Mitsprache und verbindliche Kriterien für den Fall der Fälle. Dabei muss die Standort- und Beschäftigungssicherung oberste Priorität haben.

Transformation fördern und tarifgebundene Arbeitsplätze sichern

Doch noch etwas bleibt festzuhalten. Viele der in die Krise geratenen Großunternehmen werden im Interesse des Klimaschutzes ihre Geschäftsmodelle grundlegend umstellen müssen. Dafür sind allein in Deutschland Investitionen im hohen dreistelligen Milliardenbereich notwendig.

Vielfach sind die notwendigen Technologien noch nicht marktreif, so dass eine reine Privatfinanzierung auf längere Sicht ausfällt oder woanders in der Welt stattfindet. Hier sollte in einer nächsten Phase ein weitergedachter Stabilisierungsfonds zur Förderung der Transformation und zur Sicherung von tarifgebundenen Arbeitsplätzen eingesetzt werden.


Nach oben

Weitere Themen

Imp­fen und Tes­ten: Was gilt für Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer?
Ärztin bereitet Corona-Impfung vor
DGB/colourbox/Markus Mainka
Wir erklären die Sars-CoV2-Impfverordnung und beantworten wichtige arbeitsrechtliche Fragen rund um die Corona-Schutzimpfung. Zudem gibt es einen Ratgeber für Betriebsräte und Beschäftigte zu den Corona-Tests.
weiterlesen …

Co­ro­na-Imp­fung und was Be­schäf­tig­te da­zu wis­sen müs­sen
Ärztin mit Spritze
DGB/Simone M. Neumann
In Deutschland wird gegen Corona geimpft. Wir beantworten, was Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jetzt wissen müssen. Zum Beispiel, welche Berufsgruppen zuerst geimpft werden können.
weiterlesen …

Co­ro­na-Kin­der­kran­ken­geld: Wer es be­komm­t, wie es be­an­tragt wird
Vater mit zwei kleinen Kindern, staubsaugen gemeinsam den Küchenboden
Colourbox.de
Eltern, die wegen Kita-Schließungen oder Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie ihre Kinder betreuen müssen, können dafür jetzt Kinderkrankengeld beziehen. Pro Elternteil gibt es 20 Tage für jedes Kind im Jahr 2021, für Alleinerziehende 40. Wir erklären, wer das "Corona-Kinderkrankengeld" bekommt und wie es beantragt wird.
weiterlesen …

Co­ro­na als Be­rufs­krank­heit? Bei der Ar­beit an CO­VI­D-19 er­krankt
Drei Bauarbeiter*innen / Handwerker*innen mit Schutzhelm und Mund-Nasen-Schutz; blicken mit verschränkten Armen nach links
DGB/123rf.com/visoot
Wer auf der Arbeit an Corona erkrankt, sollte dies als Berufserkrankung, bzw. als Arbeitsunfall bei der Unfallversicherung melden. Infos zu Anerkennung und Co.
weiterlesen …

Min­dest­lohn 2021/2022: Was än­dert sich?
Münze mit Prägung des Schriftzugs Mindestlohn
DGB/Bartolomiej Pietrzyk/123RF.com
Wie hoch ist der Mindestlohn im Jahr 2021? Wie hoch ist der Mindestlohn 2022? Wann wird er erhöht? Und welche Ausnahmen gelten beim Mindestlohn in 2021 und 2022? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
weiterlesen …

Co­ro­na: Al­les, was Be­schäf­tig­te jetzt wis­sen müs­sen
Mikroskopaufnahme Corona-Viren
DGB/Kateryna Kon/123rf.com
Die Corona-Pandemie hält an. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stellen sich immer wieder neue Fragen. Wir haben die wichtigsten Antworten.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Newslet­ter
Anzeige eines Newsletteranzeige in Outlook
DGB
Bestellen Sie die Newsletter des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten