Deutscher Gewerkschaftsbund

06.12.2012

Vorweihnachtliche Mindestlohnaktion: Frohes Fest – Kein Lohn unter 8,50 Euro

Mindestlohnaktion auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Alexanderplatz

DGB/Simone M. Neumann

„Gute Arbeit. Faire Löhne. Frohes Fest – Kein Lohn unter 8,50 Euro“ - unter diesem Motto verteilten gewerkschaftlich organisierte Engel und Weihnachtsmänner süße Grüße auf dem vorweihnachtlichen Berliner Alexanderplatz.

„ Es ist ein Skandal, dass es immer noch keinen Mindestlohn in Deutschland gibt“, empörte sich eine Passantin. „Als Friseurin bekomme ich noch nicht einmal sechs Euro pro Stunde. Mein Chef meint, dass das reicht, weil ich ja noch jede Menge Trinkgeld einstecke. Der hat doch keine Ahnung: Viele Kunden können gar nichts Extra geben, weil sie selbst kaum über die Runden kommen!“ Sie bat um einen Mindestlohn-Nikolaus mehr: „Den halte ich meinem Boss unter die Nase! Aber besser wäre es noch, wenn die Bundesregierung jetzt endlich den gesetzlichen Mindestlohn einführen würde.“

Ähnlich verliefen viele Gespräche auf dem Weihnachtsmarkt – ob Friseurin, Verkäuferin, Kellner oder Callcenter-Mitarbeiter: Mit der Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn nicht unter 8,50 Euro pro Stunde lief der DGB gerade bei Beschäftigten aus Dienstleistungsberufen offene Türen ein. Aber die DGB-Weihnachtsmänner trafen auch Kolleginnen und Kollegen, die sich angemessen entlohnt fühlen und sich solidarisch zeigten mit den Niedriglöhnern. „Ich bin Gewerkschaftsmitglied und froh, dass wir in unserer Bude einen vernünftigen Tarifvertrag haben und ordentlich bezahlt werden“, sagte ein Mann aus einem Metallbetrieb. „Aber für viele Bereiche gilt ja kein Tarif oder er ist auf einem mickrigen Standard geblieben und wurde nie neu verhandelt, weil sich etliche Arbeitgeber davor drücken. Gerade die Kollegen in diesen Branchen brauchen den gesetzlichen Mindestlohn, damit ihre Löhne nicht ins Bodenlose fallen.“

Die Schoko-Geschenke waren rasch verteilt, das Ringen mit der schwarz-gelben Bundesregierung um den gesetzlichen Mindestlohn, der alle Löhne unter 8,50 Euro kassiert, bleibt zäh.


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Artikel
Mindestlohn für Gerüstbauer steigt ab Juni 2019
Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Gewerkschaften und Arbeitgebern in einem Tarifvertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Seit dem 1. Juni 2019 bekommen die Beschäftigten im Gerüstbauerhandwerk einen höheren Mindestlohn. weiterlesen …
Artikel
Millionen Menschen um Mindestlohn betrogen
DGB-Vorstand Stefan Körzell übt im Gespräch mit dem rbb-Inforadio deutliche Kritik an Arbeitgebern: 2,2 Millionen Menschen bekommen nicht den gesetzlichen Mindestlohn, obwohl er ihnen zusteht – unter anderem, weil etliche Arbeitgeber bei der Arbeitszeit betrügen würden.
Link
Körzell: Der Mindestlohn ist eine Erfolgsgeschichte
Vor fünf Jahren hat der Bundestag die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns beschlossen. 3,6 Millionen Beschäftigte haben davon profitiert. Doch noch immer gibt es viel Missbrauch durch die Arbeitgeber - DGB-Vorstand Stefan Körzell fordert in der Saarbrücker Zeitung schärfere Kontrollen an den Arbeitsorten. zur Webseite …

Zuletzt besuchte Seiten