Deutscher Gewerkschaftsbund

E-Government

03.11.2016
E-Government und Digitalisierung

Öffentlicher Dienst braucht mehr digitale Kompetenzen

„Wir brauchen achtzehn verschiedene Arten von Spezialisten in der öffentlichen Verwaltung, um die Digitalisierung zu stemmen, jetzt müssen schleunigst die Aus- und Fortbildungsprogramme angepasst werden“, erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack zu der vom IT-Planungsrat veröffentlichten Studie zu „eKompetenzen“ in der öffentlichen Verwaltung.

Zeichnung; Mann mit vielen Armen; Symbolbild Digitalisierung

Colourbox.de

Öffentlicher Dienst muss unabhängiger von teuren externen Beratern werden

ForscherInnen aus Münster, München und Siegen zeigen darin gemeinsam mit dem „Nationalen E-Government Kompetenzzentrum“ auf, welche technischen, fachlichen und sozialen Kompetenzen bei IT-Staatssekretären selbst, über IT-Verantwortliche in Behörden bis hin zur breiten Masse von Verwaltungsmitarbeitenden vor den Bildschirmen erforderlich sind. „Dabei geht es um weit mehr als Technik“, stellte Hannack klar. So finden sich in der Studie auch Anforderungen an Change-ManagerInnen, die sich um die Partizipation der Beschäftigten bei der Gestaltung digitaler Arbeitsabläufe kümmern sollten. Außerdem braucht die Verwaltung Menschen, die in der Lage sind, die Anforderungen zu formulieren und mit den Angeboten Externer abzugleichen. „Es wird Zeit, dass die öffentliche Hand endlich ein mündiger Kunde wird und ihre Abhängigkeit von teuren externen Beratern abbaut“, so die Beamtengewerkschafterin.

Ausbildung an Digitalisierung anpassen

Außerdem enthält die Studie einen Leitfaden, der bei der Auswahl geeigneter analoger und digitaler Lernmethoden helfen soll. „Bund und Länder müssen jetzt dringend ihre Ausbildungskapazitäten und -inhalte in Bezug auf die Digitalisierung ausweiten“, erklärte Hannack. Die Digitalisierung der Verwaltung funktioniere nur mit Investitionen in Personal und dessen Aus- und Fortbildung. „Jetzt nur noch auf digitales Lernen zu setzen, weil es billiger ist, wird nicht funktionieren“, mahnte Hannack.

"Lebenslanges Lernen ist bisher nicht mehr als eine Floskel"

„Lebenslanges Lernen ist bisher nicht mehr als eine Floskel im öffentlichen Dienst“, kritisierte die stellvertretende DGB-Chefin, „und das ist nicht nur im Hinblick auf die Digitalisierung ein Problem.“ Oft beklagten Beschäftigte, ihre Fortbildungsanträge würden abgelehnt, weil sie durch den Personalmangel schlicht unabkömmlich seien. „Wir brauchen daher ein Recht auf Qualifizierung für die Beschäftigten“, so Hannack weiter. Bei den Beamtinnen und Beamten müsse außerdem das Laufbahnrecht angepasst werden, damit Digitalkompetenzen flächendeckend sowie bei SpezialistInnen gefördert werden. „Auch von behördlichen IT-Verantwortlichen hören wir immer wieder, dass das Beamtenrecht eher ein Hindernis statt einer Hilfe beim digitalen Wandel ist“, unterstrich Hannack.

Grafik

Grafik aus der Studie "eKompetenzen" im Auftrag des IT-Planungsrats (Link zur Studie als PDF: Klick auf die Grafik) IT-Planungsrat

„Wir müssen weg von der Vorstellung, dass Lernen nur in Schulungen passiert – die Arbeit selbst muss Lernort werden“, so Hannack weiter, „am besten lernt, wer bei Einführung eines neuen IT-Systems mitgestaltet.“ Der Mitbestimmung der Personalräte und der Mitgestaltung durch einzelne Beschäftigte komme daher eine Schlüsselrolle zu. „Wir freuen uns, dass die Studie erkennt, dass die Einbeziehung der Beschäftigten bei der Arbeitsgestaltung und Technologieauswahl die Innovationspotenziale steigert“, erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende. Schließlich gehe es den Gewerkschaften bei der Forderung nach zeitgemäßer Mitbestimmung nicht um ‚Wünsch-Dir-was‘. „Es geht darum, das Wissen und die legitimen Interessen der Beschäftigten als ‘ExpertInnen ihrer eigenen Arbeit‘ einzubeziehen“, so Hannack.

Wichtige Rolle von Personalräten bei Digitalisierung

Personalräte können sich auf die Rollendefinitionen der Studie berufen, um bei Einführungsprojekten für alle darin beschriebenen Aufgaben klare Verantwortlichkeiten einzufordern. In den Kompetenzprofilen können beschäftigtenbezogene Belange wie Ergonomie oder partizipative Einbindung von Beschäftigten verankert werden. Die in der Studie zur Anwendung empfohlenen Mindeststandards für die fachlichen und sozialen Kompetenzen sowie förderliche Persönlichkeitsmerkmale von Projektbeteiligten sind je nach Dienststelle auch erweiterungsfähig. Hier können Personalräte ansetzen und höhere Anforderungen sowie Maßnahmen zum Erwerb oder der Vertiefung von Kompetenzen einfordern. Auch jenseits konkreter IT-Einführungsprojekte bietet die Studie Anlass, um Personalentwicklungs- und Qualifizierungskonzepte in der Dienststelle einzufordern und auszudifferenzieren.


Nach oben
  1. Digitale Verwaltungsangebote: Der moderne Staat lässt weiter auf sich warten
  2. Digitale Verwaltungsangebote: Deutschland scheitert an steigender Erwartungshaltung der Bürger:innen
  3. Ad-hoc-Digitalisierung, pandemiebedingt
  4. Wie werden behördliche Fachanwendungen zu Problemlösern?
  5. Deutschland gewinnt beim Thema eGovernment an Boden
  6. Digitalisierung der Justiz: Die E-Akte
  7. Klaus Vitt: "Es bedarf einer zeitgemäßen Cyber-Sicherheitsarchitektur"
  8. Bundesrechnungshof: 53 Millionen Euro für ungenutzte Technik
  9. Öffentlicher Dienst braucht mehr digitale Kompetenzen
  10. Daten gegen Lösegeld? Wie Kommunen sich vor Hackern schützen
  11. Recht auf Grundschulung "IT-Sicherheit" für öffentlich Beschäftigte
  12. Stellungnahme des DGB zum "Entwurf eines Gesetzes zum Abbau verzichtbarer Anordnungen der Schriftform im Verwaltungsrecht des Bundes"
  13. Reiner Hoffmann beim 4. Zukunftskongress „Staat & Verwaltung“
  14. Hannack: In der Behörde auf eigenes Fachpersonal setzen
  15. Elektronische öffentliche Dienste für die Bürgerinnen und Bürger – diskriminierungsfrei, mehrsprachig, bedarfsgerecht
  16. Digitalisierung: Erfahrung von Beschäftigten im öffentlichen Dienst
  17. Digitalisierung selbst gemacht
  18. Stellungnahme zum Normenscreening der Bundesregierung
  19. Öffentliche Verwaltung: Mehr Wertschätzung bitte!
  20. DGB-Stellungnahme zum Bürokratieentlastungsgesetz (BT-Drucksache 18/4948)
  21. Fusion zum Bundesrechenzentrum: DGB drängt auf verbindliche Einbeziehung
  22. Stellungnahme zum Diskussionsentwurf des Bundesministeriums der Finanzen „Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“
  23. Digitale Verwaltung: Bürgerinteressen haben Priorität
  24. Vernetzt und transparent - Bundesverwaltung soll moderner werden
  25. Für Innovationen, Fortbildung, und Führungskräfteentwicklung in der Bundesverwaltung

Weitere Themen

Spen­den­auf­ruf: Hil­fe nach dem Erd­be­ben
Grfaik helfende Hände
DGB
In der Nacht vom 5. auf den 6. Februar wurde die syrisch-türkische Grenzregion von einem gravierenden Erdbeben erschüttert. Viele Tausend Menschen kamen ums Leben, unzählige Gebäude sind zerstört. Die Lage ist dramatisch. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften rufen ihre Mitglieder zu Spenden auf, um den Menschen solidarisch zu helfen.
weiterlesen …

Frei­heit für die in­haf­tier­ten Ge­werk­schaf­ter*in­nen im Iran!
Portrait von vier inhaftierten iranischen Gewerkschafter*innen
DGB
Seit Monaten gehen mutige Menschen im Iran für ihre Rechte auf die Straße. Auch unsere Kolleg*innen, die für bessere Arbeitsbedingungen streiken oder protestieren, werden massiv verfolgt. Viele von ihnen sitzen bereits in Gefängnissen, viele sind zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, einigen droht die Todesstrafe. Der DGB fordert die sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen.
weiterlesen …

Ak­ti­en­ren­te: Was bis­her zum Ge­ne­ra­tio­nen­ka­pi­tal ge­plant ist
Aktienkurse werden angezeigt, dahinter aufgetürmte Münzen
DGB/Pop Nukoonrat/123RF.com
Das System der gesetzlichen Rente soll reformiert werden. Ein Baustein dafür: die Einführung der Aktienrente, auch "Generationekapital" genannt. Wir erklären, was dahintersteckt – und was es braucht, um die gesetzliche Rente wirklich zu stärken.
weiterlesen …

Was ha­ben Ge­werk­schaf­ten in der Kri­se für dich er­reicht?
Foto mit Farbfläche und echtgerecht-Logo. Auf dem Foto ist die DGB-Fahne im Vordergrund und viele Gewerkschaftsmitglieder demonstrierend im Hintergrund zu sehen.
DGB/Christian Plambeck
Die Welt ist im Krisen-Dauermodus: Energiekrise, Klimakrise, ein Krieg in Europa, hohe Inflation und die Auswirkungen der Corona-Pandemie bereiten allen Menschen Sorgen. Gewerkschaften stehen auf der Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Welche Erfolge haben wir erreicht? Was bringt unser Einsatz in der Krise konkret für dich?
weiterlesen …

Wohn­geld und mehr: Die­se Ent­las­tun­gen brau­chen Mie­ter*in­nen
Hellgrüne Icons von einem Hochhaus und einem Einfamilienhaus auf petrolfarbenem Hintergrund
DGB
Die Mehrheit der Mieter*innen muss in den kommenden Monaten mit deutlich höheren Abschlägen und gestiegenen Betriebskosten für Strom und Heizen rechnen. Hier erfahren, was der DGB fordert, damit nicht Millionen von Haushalten die Kündigung des Mietvertrages oder die Sperrung von Strom oder Gas drohen.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
einblick DGB-Infoservice hier abonnieren
DGB/einblick
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …