Deutscher Gewerkschaftsbund

04.06.2012

Fachkräftemangel: Politik muss Beschäftigung und Weiterbildung stärker fördern

Das Jammern von Arbeitgebern und Regierung über einen "Fachkräftemangel" ist unglaubwürdig, solange zu wenig getan wird für Beschäftigung und Weiterbildung von jungen Menschen, Frauen, MigrantInnen und Älteren. Die Bundesregierung muss die Herausforderungen endlich anpacken.

Von Michael Sommer, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes

Es ist gut, dass die Bundesregierung mit den Sozialpartnern über das Thema Fachkräftebedarf und die Zukunft unseres Wohlstandes redet. Aber Reden ist Silber, Handeln ist Gold: die Bundesregierung muss die Herausforderungen endlich anpacken. Leider hat sie es im zurückliegenden Jahr nicht geschafft, die inländischen Fachkräftepotentiale zu heben. Die Gewerkschaften sehen zwar einen Fachkräftebedarf in einigen Branchen, wie in der Pflege-, Gesundheits- oder in der IT-Branche, aber keinen allgemeinen Fachkräftemangel.

Mit Betreuungsgeld Milliarden in den Wind geschossen

Das Jammern von Arbeitgebern und Regierung über einen „Fachkräftemangel“ ist unglaubwürdig, solange immer noch zu wenig getan wird für die Beschäftigung und Weiterbildung von jungen Menschen, Frauen, MigrantInnen und älteren Beschäftigten. Statt mit einer guten Kinderbetreuung mehr Frauen in Arbeit zu bringen, wird mir dem Betreuungsgeld ein rückwärtsgewandtes Signal gesendet. Die Milliarden für das Betreuungsgeld sind in den Wind geschossen, statt sie in den Kita-Ausbau zu stecken.

Noch immer beklagen wir 1,5 Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss, die auf ihre zweite Chance warten. Bei der Beschäftigung von Älteren ist so gut wie nichts passiert und bei Langzeitarbeitslosen werden sogar Programme gestrichen. Mit diesen Maßnahmen verschwendet die Bundesregierung leichtsinnig die bestehenden Potentiale.

Ausbildung und Mitbestimmung sichern Standort Deutschland

Wir brauchen gut bezahlte Fachleute, um unseren Wohlstand auch in Zukunft zu sichern. Gut ausgebildete und engagierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind und bleiben unserer wichtigster Standortvorteil. Denn: Unsere Stärke von morgen sind die Errungenschaften von heute. Unser duales Ausbildungssystem und die betriebliche Mitbestimmung sind zwei wesentliche Erfolgsfaktoren für den Standort Deutschland. Mit niedrigen Löhnen und einem Abbau von Arbeitnehmerrechten werden wir die Herausforderungen der Zukunft mit Sicherheit nicht bewältigen. Für Innovationen braucht es sichere Rahmenbedingungen und die Wertschätzung der Arbeit.

Deutschland kann grüne Industrienation der Welt werden

Wesentlich für den zukünftigen Erfolg der deutschen Wirtschaft wird eine konsequente Umsetzung der Energiewende sein. Leider hat die Bundesregierung auch auf diesem Weg wertvolle Zeit verloren. Zu einer gelungenen Energiewende in Deutschland gehören gute Arbeit, innovative Produkte und qualitatives Wachstum. Damit können wir zur grünen Industrienation der Welt werden und eine neue Quelle für Wachstum und Wohlstand erschließen.


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