Deutscher Gewerkschaftsbund

02.08.2007

Jugendarbeitsschutz

Kinder und Jugendliche sollen vor zu großen Belastungen am Arbeitsplatz geschützt werden. Sie sind weniger widerstandsfähig als Erwachsene und dürfen daher nicht den gleichen Belastungen ausgesetzt werden. Deshalb gibt es das Jugendarbeitsschutzgesetz und die Kinderarbeitsschutzverordnung. Sie regeln, wann und wie lange ein Kind / Jugendlicher arbeiten darf. Sie verbieten Tätigkeiten, die zu schwer oder gesundheitsgefährdend sind. Durch die gesetzlich vorgeschriebene gesundheitliche Betreuung vor und während der Beschäftigung sollen Gesundheitsschäden vermieden werden.

Das Jugendarbeitsschutzgesetz gilt für Personen unter 18, die als Auszubildende, Arbeitnehmer oder Heimarbeiter beschäftigt sind. Die Kinderarbeitsschutzverordnung enthält besondere Regelungen für die Beschäftigung von Kindern ab 13 Jahre.

Wer ist Kind? Wer ist Jugendlicher?

Kind ist, wer noch nicht 15 Jahre alt ist. Jugendlicher ist, wer 15, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. Für Jugendliche, die noch vollzeitschulpflichtig sind, gelten die gleichen Bestimmungen wie für Kinder.

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Die Beschäftigung von Jugendlichen

Arbeitszeit
Jugendliche dürfen nicht länger als acht Stunden täglich (bzw. achteinhalb Stunden bei Ausgleich an einem anderem Werktag derselben Woche), bzw. 40 Stunden pro Woche arbeiten. Sie dürfen nur an fünf Tagen pro Woche beschäftigt werden.

Für den Unterricht in der Berufsschule muss der/die Jugendliche von der Arbeit freigestellt werden. Die Zeiten für die Berufsschule werden voll als Arbeitszeit angerechnet und die Jugendlichen erhalten dafür das volle Entgelt. Etwas anderes gilt für Auszubildende über 18 Jahre. Sie können verpflichtet werden, nach dem Berufsschulunterricht noch im Betrieb zu arbeiten.

Den Jugendlichen müssen, je nach Arbeitszeit  Ruhepausen von mindestens 30 - 60 Minuten gewährt werden. Keine Pause darf kürzer als 15 Minuten sein. Die erste Pause muss nach spätestens viereinhalb Stunden Arbeit eingelegt werden. Die Schichtzeit, also die Zeit, in der sich der/die Jugendliche im Betrieb aufhält, darf höchstens zehn Stunden betragen. Außerdem muss eine ununterbrochene Freizeit von zwölf Stunden gewährt werden.

In der Zeit von 20.00 bis 6.00 Uhr gilt ein Beschäftigungsverbot mit gewissen Ausnahmen für Gaststätten, Bäckereien und landwirtschaftliche Betriebe.

Die Beschäftigung an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen ist grundsätzlich nicht gestattet. Doch auch hier gibt es Ausnahmen, z.B. für Krankenhäuser, Gaststätten, in der Landwirtschaft oder im ärztlichen Notdienst. Wenn ein/e JugendlicheR an einem Samstag, Sonntag oder Feiertag arbeitet, hat er/sie als Ausgleich Anspruch auf einen freien Tag in derselben Woche.

Urlaub
Jugendliche haben Anspruch auf Jahresurlaub, der sich nach ihrem Alter staffelt. 15jährige haben Anspruch auf 30 Tage, 16jährige auf 27 Tage und 17jährige auf 25 Tage.

Anforderungen an die Beschäftigung
Jugendliche dürfen nicht mit Arbeiten beschäftigt werden, die ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit übersteigen oder die sie sittlichen Gefahren aussetzt.

Arbeiten, die mit Unfallgefahren verbunden sind, die der/die Jugendliche aufgrund mangelnder Erfahrung nicht erkennen kann oder Arbeiten, die die Gesundheit des/der Jugendlichen gefährden (z.B. durch Lärm, Hitze oder Strahlen), sind nur dann zulässig, wenn dies zur Erreichung des Ausbildungsziels erforderlich ist und der Schutz des Jugendlichen durch einen Fachkundigen gewährleistet ist. Bei Arbeiten mit gefährlichen Stoffen muss der Luftgrenzwert unterschritten sein.

Arbeit im Akkord oder andere tempoabhängige Arbeit ist für Jugendliche verboten, es sei denn, dass sie unter Aufsicht erfolgt und für die Berufsausbildung erforderlich ist.

Ärztliche Betreuung
Bevor ein/e JugendlicheR als Auszubildender oder Arbeitnehmer ins Berufsleben eintritt, muss er/sie sich ärztlich untersuchen lassen. Diese Untersuchung soll sicherstellen, dass der/die Jugendliche nur mit Arbeiten beschäftigt wird, denen er/sie gesundheitlich und körperlich gewachsen ist. Der Arbeitgeber darf den/die JugendlicheN nur beschäftigen, wenn ihm/ihr eine entsprechende ärztliche Bescheinigung vorliegt.

Nach einem Beschäftigungsjahr muss eine Nachuntersuchung stattfinden. Dabei soll sichergestellt werden, dass sich die berufliche Tätigkeit nicht negativ auf die Gesundheit oder Entwicklung des/der Jugendlichen ausgewirkt hat.

Die Untersuchungen sind für den/die JugendlicheN kostenlos. Sie werden vom jeweiligen Bundesland übernommen. Für die Untersuchung muss der Arbeitgeber den/die JugendlicheN von der Arbeit freistellen.

Die Beschäftigung von Kindern

Die Beschäftigung von Kindern ist grundsätzlich verboten.

Es gibt allerdings einige Ausnahmen. So dürfen Kinder die in der Kinderarbeitsschutzverordnung genannten Tätigkeiten übernehmen, so z.B. Zeitung austragen oder Tätigkeiten bei Veranstaltungen von Vereinen/Parteien ausüben.

Die Beschäftigung muss leicht und für Kinder geeignet sein. Erlaubt ist eine Beschäftigung nur werktags zwischen 8-18 Uhr. Sie darf nicht vor dem Unterricht oder während der Schulzeit stattfinden. Länger als zwei Stunden täglich dürfen Kinder nicht arbeiten. Die Arbeit darf sich nicht negativ auf die schulischen Leistungen auswirken.

Das Verbot der Beschäftigung während der Vollzeitschulpflicht gilt nicht im Rahmen eines Schülerbetriebspraktikums. Das Praktikum ist eine Schulveranstaltung und soll Schülerinnen und Schülern Einsichten in das Arbeits- und Berufsleben vermitteln und ihnen eventuell die Berufswahl erleichtern.

Vollschulzeitpflichtige Jugendliche (ab 15 Jahren) dürfen während der Schulferien maximal vier Wochen pro Jahr arbeiten.

Kinder können bei Theater- oder Musikaufführungen mitwirken, wenn das Gewerbeaufsichtsamt dies bewilligt. Dabei muss im Einzelfall entschieden werden, ob das Kind den zu erwartenden Belastungen gewachsen ist.

Das Mindestalter für die Aufnahme einer regulären Beschäftigung nach Schulentlassung ist 15 Jahre. Wer nach dem Ende seiner Schulzeit noch keine 15 Jahre alt ist, darf im Rahmen eines Ausbildungsverhältnisses beschäftigt werden.

Weitere Informationen zum Jugendarbeitsschutz können direkt bei DBG bestellt werden.

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