Deutscher Gewerkschaftsbund

10.07.2009
Mindestlohn-Kampagne im Rückblick

Auf Spur bleiben - die Mindestlohn-Fahrradtour 2009

Vom 10. bis zum 24. Juli 2009 radelten Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter für den Mindestlohn – von Lingen über Emden und Varel nach Stade. Mit einer ausgedehnten Fahrradtour durch Norddeutschland verstärkte der DGB kurz vor der Bundestagswahl die Forderung nach einer gesetzlichen Lohnuntergrenze und machte die Menschen auf die unwürdigen Arbeitsbedingungen vieler Beschäftigter im Land aufmerksam.

Hinter dieser ganzen Tour steckt ein ernstes Thema. Der Mindestlohn: Fakt ist, die Lohnspirale in Deutschland dreht sich weiter nach unten. Fakt ist auch, dass 26 von 28 EU-Ländern einen Mindestlohn oder ähnliche Regelungen besitzen: Nur Deutschland und Zypern nicht! Wir haben mit unserer Tour einen kleinen Schritt in die richtige Richtung getan. Der Kampf bzw. das „Abstrampeln“ ist erst vorbei, wenn wir einen gesetzlichen Mindestlohn für Deutschland bekommen.

Der Tourauftakt in Lingen

 

Die Etappen:

Freitag, 10.Juli

Start in Lingen

Meppen

Haren

Samstag, 11.Juli

Dörpen

Papenburg

Sonntag, 12. Juli Leer
Montag, 13. Juli Emden
Dienstag, 14. Juli

Norddeich

Mittwoch, 15. Juli

Leezdorf

Esens-Bensersiel

Donnerstag, 16. Juli

Schillig

Wilhelmshaven

Freitag, 17. Juli

Dangast

Varel

Samstag, 18. Juli

Brake

Nordenham

Sonntag, 19. Juli

Bremerhaven

Wremen

Montag, 20. Juli

Dorum

Cuxhaven

Dienstag, 21. Juli

Otterndorf

Cadenberge

Mittwoch, 22. Juli

Hemmoor

Drochtersen-Hüll

Donnerstag, 23. Juli Glückstadt
Freitag, 24. Juli Abschluss in Stade

 

Das Tour-Tagebuch

Einige hundert Kilometer haben die Radfahrerinnen und Radfahrer bei Wind und Wetter auf der Mindestlohn-Sommertour zurückgelegt. TeilnehmerInnen beschreiben die Tour in ihrem Tagebuch:

10. Juli 2009: Die Mindestlohn-Sommertour ist gestartet!

Am 10. Juli 2009 starteten Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter die Mindestlohn-Sommertour 2009 in Lingen. Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), und Hartmut Tölle, Vorsitzender des DGB-Bezirks Niedersachsen/Bremen/Sachsen-Anhalt, verabschiedeten die RadlerInnen auf ihre vierzehntägige Tour durch den Norden.

Trotz strömenden Regens starteten die Milo-Radlerinnen und -radler am Freitag, den 10. Juli 2009 in die Mindestlohn-Sommertour 2009 in Lingen. Bevor der Startschuss fiel, heizten unter anderem Franz Josef Möllenberg, Bundesvorsitzender der NGG, mit einer flammenden Rede und die Sambagruppe BLOCCO Melbo den Radfahrerinnen und Radfahrern ein.

Um 13.30 Uhr gab der Vorsitzende des DGB-Bezirks Niedersachsen/Bremen/Sachsen-Anhalt, Hartmut Tölle, den Startschuss zur Mindestlohn-Sommertour 2009.

Anfangs gab es die ein oder andere Abstimmungsschwierigkeit innerhalb der Radlergruppe in Richtung Meppen. Das regnerische Wetter trug seinen Teil dazu bei. Trotzdem herrschte spätestens nach der Ankunft in Meppen wieder sehr gute Laune innerhalb der Gruppe. Unterwegs gab es viel positive Reaktionen!

In Meppen fand ein "Menschenkicker"-Turnier statt, bei dem die Milo-Radlerinnen den 4. Platz belegten. Auf dem letzten Teilstück des Tages wurde auch das Wetter besser und die Radlerinnen und Radler erreichten ihr Tagesziel Haren im Trockenen.

 

Ralden für den Mindestlohn: Start der Mindestlohn-Radtour durch den Norden mit, Franz-Josef Möllenberg, NGG-Vorsitzender

Start der Mindestlohn-Radtour durch den Norden mit Franz-Josef Möllenberg, NGG-Vorsitzender, in Lingen. mindestlohn.de

11. Juli 2009: Von Haren über Dörpen nach Papenburg

Am zweiten Tag der Mindestlohn-Sommertour 2009 fuhren die Radlerinnen und Radler von Haren über Dörpen nach Papenburg. Bei strahlendem Sonnenschein startete der Fahrradtross pünktlich um 10:00 Uhr in Richtung Papenburg. Die erste kleine Pause fand in Sustrum statt, wo auch der erste Reifenschaden schnell behoben wurde.

Von Sustrum ging des weiter nach Dörpen. Hier wurde die Gruppe herzlich von der dortigen Ortsgruppe der IG BCE mit einem reichhaltigen Grillbuffet empfangen. Mit neuen Trillerpfeifen ausgestattet zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Dörpen, und machten die Menschen auf den Mindestlohn aufmerksam.

Auf dem letzten Teilstück der Tagesroute stieg mit der Temperatur auch die Stimmung der Gruppe und so skandierte man immer wieder: „Wir brauchen Mindestlohn, alles andere ist ein Hohn!“
 

Mindestlohn-Radtour: Teilnehmer in Papenburg

Clemens Bollen, MdB, empfängt die Fahrradgruppe in Papenburg an der alten Werft mindestlohn.de

12. Juli 2009: Papenburg bis Leer

Heute starteten wir in Papenburg bei ziemlich miesem Wetter und setzten uns um 10:03 Uhr in Richtung Leer in Bewegung. Nachdem wir uns schon so richtig schön eingefeuchtet hatten, machten wir in Weener eine kurze Pause, um uns mit frischem Kaffee aufzuwärmen. Trotz des schlechten Wetters war die Stimmung in der Gruppe bombig und so sangen wir uns den Regen immer wieder schön.

Auch Paul Kater, Mitglied der IG Metall und Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Lingen-Grafschaft Bentheim radelt bei dieser Tour mit und ist von der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes überzeugt. „Immer mehr Unternehmen flüchten aus den Arbeitgeberverbänden, um den Tarifen zu entkommen und zahlen einfach was sie wollen. Dies gehört unterbunden und da hilft nur der Mindestlohn.“ Paul fährt seit Lingen mit und wird die Tour bis Wilhelmshaven begleiten. Auch er wünscht sich für morgen und dem Rest der Tour schönes und warmes Wetter.

Mindestlohn-Radtour: Clemens Bollen, MdB, sowie Keno Borde, SPD-Bundestagskandidat, inmitten der Radlergruppe.

Clemens Bollen, MdB, sowie Keno Borde, SPD-Bundestagskandidat, inmitten der Radlergruppe. mindestlohn.de

13. Juli 2009: Von Leer bis Emden

Die Gebete wurden erhört und so konnten wir unsere Tour bei strahlendem Sonnenschein aus Leer heraus nach Emden fortsetzen. Dieses Wetter hat die Radler/innen so motiviert und heiß auf die Etappe gemacht, dass wir uns heute bereits 15 Minuten eher auf den Weg machten.

In Critzum legten wir heute unsere erste Pause ein, wo Anton, der Team-Erste und (noch) ungekrönte Regenkönig unter die Gießkanne kam. Durch Antons Regentänze wurden wir bisher an allen Tagen nass und das gehörte bestraft – er bekam eine ordentliche „Dusche“ und ist nun endgültig der Regenkönig.

Weiter ging die Tour mit der Fähre von Ditzum nach Emden, wo wir im Stadtgarten u. a. von Hartmut Tölle, dem Bezirksvorsitzenden des DGB, Niedersachsen, Bremen, Sachen-Anhalt, in Empfang genommen wurden. Mit tollen Aktionen, wie zum Beispiel der Straßenfegeraktion "Wir wischen den Weg frei" machten wir auf den Mindestlohn aufmerksam. Einer der Lokalmatadoren ist Dieter Janßen, ver.di-Mitglied im Ortsverein Emden und das „Schrei-Organ“ in der Mindestlohntruppe. Er ist der Erfinder unseres Schlachtrufes: „Wir fordern Mindestlohn – alles andere ist ein Hohn“. Dieter ist auch die komplette Tour dabei und ist der Ansicht, dass die Politiker endlich dem Wunsch der Menschen zu 100 Prozent nachkommen sollten und den gesetzlichen Mindestlohn auch in den Deutschland einführen müssen.

Mindestlohn-Radtour: Buchstabenreihe "Mindestlohn jetzt" in Emden

Ankunft der Mindestlohn-Fahrradtour in Emden mindestlohn.de

15. Juli 2009: Von Leezdorf nach Esens-Bensersiel

Das merkt man zum einen daran, dass es bei der heutigen Nachbesprechung des Tages keine einzige Wortmeldung zum Thema„Was ist heute nicht so gut gelaufen“ gab und der sogenannte „Pumakäfig“ auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wartet. Dahinter verbirgt sich die Esenser Sporthalle, die als Unterkunft dient. Aber dieses Vergnügen steht noch aus und wird sicher eine ausführliche Nachberichterstattung im morgigen Report nach sich ziehen.

Nach der gestrigen Knochentour über mehr als 70 Kilometer von Emden (für diesen Tag gibt es keinen Tagebucheintrag) ging es heute etwas konditionsschonender aus Leezdorf in Richtung Esens-Bensersiel. Knapp 40 Kilometer wurden von den Miloradlerinnen- und Radler zurückgelegt. Bei strahlender Sonne ging es entlang des Nordseestrands über Hage, Nessmersiel und Dornum nach Bensersiel, wo die eigentliche Großaktion statt fand. Strahlende Kinderaugen und verzweifelte Gesichter gab es bei „Hau den Milo“ zu sehen. Einen Moment der besonderen Art erlebten wir heute am Anfang unserer Etappe, bei dem unser „Hornist“ Hans wohl der Wecker für eine junge Schülerin gewesen sein muss, denn als dieser in sein Horn blies, öffnete sich ein Fenster, ein verschlafener Kopf schaute hinaus und rief der Fahrradstafette hinterher: „Mach das Horn aus, du Sau - Ich will schlafen!“. Diese Äußerung blieb allerdings die einzige negative und so erfahren wir von Tag zu Tag immer mehr Zustimmung und Zurufe wie „Ihr seid doch die aus der Zeitung“ oder „Weiter so!“. Morgen geht es zunächst „Chillig nach Schillig“ mit dem Bus und dann weiter über Horumersiel und Hooksiel nach Wilhelmshaven. Aber vorher wartet ja noch der „Pumakäfig“.

Mindestlohn-Fahrradtour: Radler auf dem Deich

Der sechste Tag unserer Mindestlohn-Fahrradtour - von Leetzdorf nach Esens-Bensersiel ist das bisherige „Highlight“. mindestlohn.de/Manfred Rakebrand

16. Juli 2009: Von Bensersiel-Esens nach Wilhelmshaven

Wie gestern schon angekündigt folgt heute der Bericht aus dem „Pumakäfig“, die Sporthalle in Bensersiel-Esens. Die Nacht war kurz, der Sauerstoff knapp und mittlerweile ist nicht nur die Sau sondern auch ein Bär und viele Quadratmeter Wald tot. 25 ausgelaugte Radler mit dem ein oder anderen Fläschchen „Dopingmittel“ (Bier) im Blut, da erübrigt sich eigentlich der restliche Bericht. Kurz und knapp: Die Nacht war eine tolle Erfahrung und mit sehr viel Spaß, für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das I-Tüpfelchen bildeten unsere Schnarcher, die die wenigen Stunden Schlaf zum reinsten Mekka für Langschläfer machten.

Aber der Schlaf wäre bitter nötig gewesen, denn die Tour, die am heutigen Tag von Bensersiel-Esens nach Wilhelmshaven führte war eine richtige „Tortur“. Bei knapp 30 Grad legten die Milo-Radlerinnen und -Radler über 50 Kilometer in der prallen Sonne zurück. Kurz vor dem rettenden Ufer mussten wir einen „kleinen“ Umweg einlegen, denn die Baustelle am Jade-Weser-Port verhinderte eine problemlose Weiterfahrt. Gerne hätten wir mit den Badegästen am Strand getauscht. Letztendlich erreichten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer Wilhelmshaven mit einem großen „Brand“. Als dieser gelöscht war, wurden die „Milos“ vom 2. Wilhelmshavener Bürgermeister, Wilfrid Adam, auf der „Rambla“ in Empfang genommen. Anschließend wurden viele Gummibärchen und Milo-Flyer unter das Volk gebracht. Erschöpft erreichten wir das Schiff „Arcona“ und verzogen uns in unsere Kojen.

Mindestlohn-Radtour: Radler am Strand von Schilling

Am Strand von Schilling mindestlohn.de/Manfred Rakebrand

17. Juli 2009: Von Wilhelmshaven nach Varel

Vor genau einer Woche starteten wir in Lingen. Mittlerweile haben die Teilnehmer der Mindestlohn-Sommertour 2009 mehr als 300 Kilometer hinter sich gelegt: über Papenburg, Norddeich bis nach Varel. Viel haben wir schon erlebt: „im Pumakäfig“ und auf einem Schiff geschlafen, aber seit heute gibt es auch den „Milo-Song“!

Leider gibt es nicht nur gute Neuigkeiten, denn nach einer Woche mussten wir uns von einigen Radlerinnen- und Radlern verabschieden, die sich in Varel vom Team verabschiedeten. Leider mussten wir uns auch von Erik verabschieden, der während der ersten Woche den Milo-Truck pilotierte und die Aktionen, zusammen mit Simon, auf- und abbaute. Über diesen Verlust sind wir sehr traurig. Dafür haben wir aber jetzt einen Immo dabei, der mit Sicherheit ein guter Nachfolger für Erik ist. An dieser Stelle alles Gute an Erik und auf ein baldiges Wiedersehen, vielleicht ja in Stade. Ansonsten im Westen nichts Neues. Bei leichten Schauern radelten wir, am Jadebusen entlang, von Wilhelmshaven nach Varel.

Also weiter gen Osten und auf eine zweite gute Woche!

Mindestlohn-Radtour: Radler in Varel

Die Mindestlohnradler in Varels Innenstadt. mindestlohn.de

18. Juli 2009: Von Varel über Brake nach Nordenham

Eine erstklassige Verabschiedung erlebten wir heute in Varel. Zur „Königsetappe“ nach Nordenham war nicht nur der Bürgermeister und der Männerchor, die „Sallys“, angetreten den Abschied schwer zu machen. Doch es half alles nichts der „Tour-Tross“ setzte sich pünktlich um zehn Uhr in Bewegung.

Bei bewölktem Wetter legten wir in Brake eine Pause ein. Nun ging es mal weder darum den Menschen den Mindestlohn näher zu bringen, was uns mit Flyern und prima Gesprächen durchaus gelang. Anschließend radelten wir gen Nordenham. Dort waren die „Milos“ zu Gast bei einem Kongress der dortigen IG-Metall. Mit „standing ovations“ wurden die Radlerinnen und Radler in Empfang genommen. Kollege Urban vom Hauptvorstandes der IG-Metall bedankte sich bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die tolle Arbeit und ihren Einsatz. El Cheffe Anton machte in einer kurzen Ansprache an die Teilnehmer des Kongress klar, dass die Gewerkschafter sich nicht verstecken, sondern aufrechten Ganges durch die Gegend ziehen sollen. Morgen geht er mit der Fähre über die Weser nach Wremen ins „Cuxland“ Heimat wir kommen….

Mindestlohn-Radtour: Sallys Crew in Varel

Sallys Crew bringt ein Ständchen und verabschiedet die Milo-Tour in Varel mindestlohn.de

19. Juli 2009: Von Nordenham über Bremerhaven nach Wremen

Nach der gestrigen „Königsetappe“ mit über 70 Kilometern ging es heute gemächlicher zu. Von Nordenham-Blexen fuhren die „Milos“ mit der Fähre nach Bremerhaven. Zuvor wurden die Radlerinnen und Radler von der Gruppe JASCH verabschiedet. Aus der Mindestlohn-Sommer Tour wird mehr und mehr eine Hitparade, denn nun gibt es einen zweiten Milo-Songs mit Trendgarantie.

Auf der Fähre angekommen, fing es an zu regnen, aber damit sind die Radlerinnen und Radler mehr als vertraut. Nach zwanzigminütiger Überfahrt nach Bremerhaven ließ sich auch die Sonne blicken. Gegenüber dem neuen Klimahaus beteiligten sich die Milo-Radlerinnen und -Radler an einer sehr erfolgreichen Aktion und brachten viele Flyer und Gummibärchen unter das Volk. Neben „Hau den Milo“ gab es auch viele Luftballons, die an Kleine und Große verteilt wurden. Anschließend öffnete Petrus wieder einmal seine Pforten und der Milo-Tross wurde auf seinem Weg nach Wremen sehr nass. Doch auch eine Kuh-Herde, die sich uns in den Weg stellte, konnte nicht verhindern, dass wir nun das „Cuxland“ erreicht haben!
 

Mindestlohn-Radtour: Die Oldenburger und Ammerländer Tourteilnehmer in Bremerhaven

Die Oldenburger und Ammerländer Tourteilnehmer werden von Anton dem Radchef in Bremerhaven verabschiedet mindestlohn.de/Manfred Rakebrand

20. Juli 2009: Von Wremen nach Cuxhaven

Die letzte Woche der Mindestlohn-Sommertour 2009 ist heute angebrochen und diese Tage sollen dazu genutzt werden die Menschen näher vorzustellen, ohne die diese Tour nicht so reibungslos verlaufen würde. Wir sind eine Gruppe von zeitweise über 50 Personen.

Damit es zu keinen Unfällen kommt, haben wir drei „Ordner“. El Cheffe Anton am Kopf des Feldes, Dieter, in der Mitte und Horst, der am Ende das Feld zusammenhält. Alle Ordner sind durch eine gelbe Warnweste gekennzeichnet. Horst Köllner, Mitglied der IG Metall und wohnhaft in Delmenhorst, ist einer von ihnen. Er ist seit der frühen Planungsphase, vor über einem Jahr, dabei. Gereizt hat ihn die Tatsache, dass man mit der Mindestlohntour eine neue Form der Information für die Menschen geschaffen hat, die es vorher so noch nicht auf DGB-Ebene gab. Da er auch gerne privat mit dem Fahrrad fährt, engagierte er sich in der Berechnung der Routen für die Tour. Horst ist davon überzeugt, dass für gute Arbeit immer häufiger schlechtes Geld gezahlt wird. Dieser Umstand ist eine Form von moderner Sklaverei und verstoße zusätzlich gegen das Grundgesetzt der Bundesrepublik Deutschland. Seine Highlights sind die Menschen, die die Radlerinnen fortführend unterstützen. Sie sind einer der Gründe warum Horst von Lingen bis Stade die Tour begleiten wird. Die Milotour selber führte heute von Wremen nach Cuxhaven.

Mindestlohn-Radtour: Die Radler vor dem Feuerschiff Elbe 1 in Cuxhaven

Die Mindestlohnradler vorm Feuerschiff Elbe 1 in Cuxhaven mindestlohn.de/Manfred Rakebrand

21. Juli 2009: Von Cuxhaven nach Cadenberge

Der zwölfte Tag der Mindestlohn-Sommertour führte bei strahlendem Sonnenschein von Cuxhaven über Otterndorf nach Cadenberge. Wieder mit dabei war unsere „Crew“, die Lkw-Fahrer Simon Haag und Immo Martin. Die beiden sind uns auch besser bekannt als Kalle und Manni. Sie sind für den reibungslosen Ablauf der jeweiligen Aktionen zuständig. Ca. 2 Stunden bevor der „Milo-Tross“ den Aktionsort erreicht, sind sie dort und bereiten die jeweilige Aktion vor. (Aufbau des Pavillons, Vorbereitung der Großbuchstaben usw.). Anschließend bauen sie alles wieder ab.

Für den gebürtigen Stuttgarter Simon war von Anfang an klar, dass er die komplette Tour begleiten wird. Die neue Art in Form einer Fahrradtour war ausschlaggebend für seine Teilnahme. Der Berliner, der für das Goethe-Institut arbeitet, ist davon überzeugt, dass mit dieser Form gerade die Urlauber erreicht werden. Immo, der seit der zweiten Woche für Erik dabei ist, ist ein richtiger Beamer- und Internetspezialist. Er einigte sich im Vorwege mit Erik darauf die Tour nur für eine Woche zu begleiten, damit möglichst beide an dem Spektakel beteiligt sind.

Seit heute ist Simon auch aktiver Teilnehmer der Milo-Tour. Er begleitet die Fahrrad-Stafette von Cuxhaven bis Cadenberge. Eine weitere Teilnahme auf einer der letzten Etappen ist nicht ausgeschlossen. Immo wird nicht an der Tour teilnehmen, denn er mag es lieber etwas schneller als das Tour-Tempo! Beide sind davon überzeugt, dass die Mindestlohn-Sommertour, trotz Wetterabhängigkeit; ein großer Erfolg ist.

22. Juli 2009: Von Cadenberge nach Drochtersen-Hüll

Heute absolvierten die „Milos“ eine kleine, aber bergreiche Etappe von Wingst nach Drochtersen-Hüll mit Zwischenstopp in Hemmoor-Osten bei der dortigen Schwebefähre. Dies war ein ganz besonderes Ereignis für die Radlerinnen und Radler, denn auf der ganzen Welt gibt es heute gerade einmal noch 8 solcher Fähren. Mit dabei war mal wieder die einzige Hähnin unter den Hähnen, Sylvia Brink. Sie kommt aus Lingen und ist die einzige Frau, die die ganze Tour begleitet.

Mindestlohn-Fahrradtour: Die Mindestlohn-Radler auf der Schwebefähre über die Oste

Die Mindestlohn-Radler auf der Schwebefähre über die Oste. mindestlohn.de/Manfred Rakebrand

Damit sie die über 600 Kilometer ohne Probleme übersteht, ist sie leicht motorisiert. Bei den „Bergwertungen“ fährt sie damit außer Konkurrenz, was ihre Leistung aber nicht schmälert. Mittlerweile erhält sie Unterstützung von mehreren dazugestoßenen Frauen. Mit den Männern hat sie keine Probleme. „Die habe ich ganz gut im Griff“, meint die sympathische Rheinländerin. Sie steht voll hinter dem Thema „Mindestlohn“ hält sich mit ihrer Analyse der Tour aber noch zurück. „Ob wir tatsächlich die richtigen Menschen erreicht haben, wird man erst im Nachhinein sehen.“ Eines ist für sie aber klar: „Der Regen in den ersten Tagen hat uns gut getan, denn er machte uns zu einem richtigen eingeschworenen Team.“ Morgen machen die „Milos“ noch einen Ausflug in das benachbarte Schleswig-Holstein nach Glückstadt bevor sie am Freitag zur Abschlussfeier nach Stade fahren.


 Die Bilderstrecke: Mindestlohn-Sommertour 2009

23. Juli 2009: Von Drochtersen-Hüll nach Glückstadt

Am vorletzten Tag führte die Mindestlohn-Sommertour von Drochtersen-Hüll nach Glückstadt. Bei Regenwetter starteten die „Milos“ um 11.00 Uhr vom ABC-Haus. Ab Wischhafen ging es mit der Elbfähre in Richtung Glückstadt. Damit ist Schleswig-Holstein das dritte Bundesland, das von den Radlerinnen und Radlern bei ihrer 14-tägigen Tour durchquert wurde.

Von Anfang an dabei ist auch Manfred Mielcarek, DGB-Ortsvereinsvorsitzender aus Lingen. Für Manfred ist die Tour eine Herzensangelegenheit, denn er selbst ist bereits Rentner und hat damit sein Einkommen bereits abgesichert. „Mir geht es um die jungen Leute, die ihre Zukunft noch vor sich haben, für das Thema Mindestlohn zu sensibilisieren.“ Er ist davon überzeugt, dass ein Mindestlohn nur „Gemeinsam“ durchzusetzen ist. „Nur gemeinsam sind wir stark“. Für sein Ziel kämpft er. In Bremerhaven verteilte Manfred kiloweise Flyer und Lutscher. „Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Ein Mindestlohn sorgt für mehr Kaufkraft und vollere Sozialkassen, das geht uns alle was an“, sagt Mielcarek. Persönliches Highlight für iin war der Moment, als er nach dreitägiger Krankheit wieder in die Pedale treten konnte.

Die TeilnehmerInnen der Mindestlohn-Fahrradtour

Die TeilnehmerInnen der Mindestlohn-Radtour. mindestlohn.de

24. Juli 2009: Die Abschlussveranstaltung der Mindestlohn-Sommertour in Stade

Das Finale ist erreicht. Von Drochtersen-Hüll fuhren die „Milos“ nach Stade. Gemütlich startete die Tour um 11.15 Uhr mit dem Ziel Dorfgemeinschaftshaus. Dort waren sie von der örtlichen SPD zum Brunch eingeladen. Es begann eine rund zweistündige Diskussion zum Mindestlohn und anderen aktuellen Themen. Von dort aus ging es weiter in Richtung Stade, wo sich die Miloradlerinnen und Radler zusammen mit vielen Unterstützern sammelten und dann in einem Korso von über 50 Menschen zum Pferdemarkt fuhren.

Vorne weg El Cheffe Anton. Zu jeder Tour gehören Menschen, die diese leiten und für Disziplinen sorgen. Anton Henzen, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Nördliches Emslands, ist einer von ihnen. Er hat in den letzten 14 Tagen einen super Job gemacht und ist maßgeblich am Erfolg dieser Tour beteiligt. Vielleicht liegt es auch daran, dass er der Ideengeber dieser Sommertour und daher mit besonders viel Herzblut bei der Sache ist. Für Anton ist das ganze Ereignis ein Highlight und auf die Frage, was er denn vermisst habe, antwortet er knapp: „Meinen Mittagsschlaf“. Dass die Tour ein voller Erfolg war, zeigt auch die Tatsache, dass die Unterstützung der Menschen an den Straßen und auch in Stade ungebrochen groß ist. „Wir haben unser Ziele erreicht“, meint Henzen.


Tourabschluss in Stade

 

In Stade wurden die Radlerinnen und Radler mit einem rund dreistündigen Festakt begrüßt. Die Hansestadt Stade bildet damit den Abschluss der 14-tägigen Mindestlohn-Sommertour 2009, die über 650 Kilometer von Lingen bis Stade führte. Wir haben viel erlebt: Regen, Matsch, Gewitter, den Pumakäfig, aber auch sonnige Tage. Hinter dieser Tour steckte ein wahnsinniger organisatorischer Aufwand, der super gemeistert wurde. Stellvertretend für alle Helfer und Unterstützer möchten wir Annette, Doro, Elisabeth, Petra, Magrit, Olaf, Lutz, Bernhard und Werner vom Auto Club Europa (ACE) danken.


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