Deutscher Gewerkschaftsbund

03.06.2019
Urteil

Perücke: Echthaarteil erforderlich

einblick Juni 2019

Die Versorgung mit einem maßgefertigten Echthaarteil kann aus medizinischen Gründen erforderlich sein. Die Kostenbegrenzung auf einen Höchstbetrag gilt dabei nicht.

Hand schneidet Haare mit Kamm und Scheere

Colourbox.de

Der Fall: Die 55-jähige Frau litt an einer Schuppenflechte, die zunehmend zu kreisrundem Haarausfall führte. Um die kahlen Stellen zu bedecken, beantragte sie bei ihrer Krankenkasse ein handgeknüpftes Echthaarteil. Die Kosten beliefen sich auf 1290,- Euro. Die Kasse genehmigte die Kostenübernahme bis zum Höchstbetrag von 511,- Euro. Eine Kunsthaarperücke sei zur Wiederherstellung eines unauffälligen Erscheinungsbildes ausreichend. Eine teurere Versorgung sei unwirtschaftlich. Die dagegen gerichtete Klage hatte Erfolg.

Das Landessozialgericht: Die Kasse ist zur Erstattung der Gesamtkosten verpflichtet. Der partielle Haarverlust bei einer Frau ist als Behinderung zu bewerten. Grundsätzlich schuldet die Krankenkasse zum Behinderungsausgleich zwar nur eine Versorgung, die den Haarverlust nicht sogleich erkennbar werden lässt. Im Einzelfall kann jedoch auch ein maßgefertigtes Echthaarteil aus medizinischen Gründen erforderlich sein. Hierzu hat sich das Gericht auf die Ausführungen des behandelnden Dermatologen gestützt, der eine vollständige Abdeckung des verbliebenen Haupthaars aufgrund der Schuppenflechte für kontraindiziert hielt. Eine Kunsthaarperücke zum Festbetrag ist daher keine zweckmäßige Versorgung.

Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, Urteil vom 26. März 2019 – L 4 KR 50/16


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Artikel
DSGVO: Abmahnungen aus Personalakte entfernen
Die Europäische Datenschutzgrundverordnung gilt nicht nur im Internet, sondern auch für die Personalakte - in Papierform. Das hat das Landesarbeitsgericht Sachsen-Anhalt festgestellt. Der Arbeitgeber muss deshalb unzulässige oder überholte Abmahnungen aus der Personalakte entfernen. weiterlesen …
Pressemeldung
EU-Arbeitsbehörde ELA: Wichtiges Zeichen für mehr Fairness
Künftig soll es eine Europäische Arbeitsbehörde, kurz ELA, geben. Darauf haben sich heute das EU-Parlament, der EU Ministerrat und die Europäische Kommission geeinigt. "Eine europäische Arbeitsbehörde ist ein wichtiges Zeichen für mehr Fairness auf dem europäischen Arbeitsmarkt und ein richtiger Schritt, um Missbrauch, Lohndumping und Sozialversicherungsbetrug zu bekämpfen“, sagt DGB-Vorstand Annelie Buntenbach. Zur Pressemeldung
Pressemeldung
Kündigungsschutz darf nicht zum politischen Spielball werden
Das Bundeskabinett beschließt am 12. Dezember das Brexit-Steuerbegleitgesetz, in dessen Rahmen der Kündigungsschutz für "Risikoträger", zum Beispiel gutverdienende Banker, abgebaut werden soll. „Dieses Gesetzesvorhaben wird mittelfristig die Schutzinteressen aller Beschäftigten in Deutschland schwächen“, kritisiert DGB-Vorstand Annelie Buntenbach. Zur Pressemeldung

Zuletzt besuchte Seiten