Deutscher Gewerkschaftsbund

Öffentlicher Dienst und Beamte

16.04.2019
Öffentlicher Dienst

Standards für Gute Arbeit in Wechselschichtdiensten

Austausch bei DGB-Workshop

Schichtarbeit schlaucht, auch im öffentlichen Dienst. Unser Körper gewöhnt sich nicht an die Arbeit in der Nacht. Und auch Familienfeiern, Kino oder Sport sind mit Schichtdienst schwer vereinbar. Wie sieht ein Dienstplan aus, der die Beschäftigten weniger belastet? Welche Standards muss er mindestens erfüllen? Und was kann der öffentliche Dienst von Betriebsräten und Gewerkschaften lernen, die Schichtarbeit in der Industrie gestalten? Diese und weitere Fragen verfolgten ehrenamtliche VertreterInnen von EVG, GdP und ver.di in einem DGB-Workshop.

Feuerwehrmann mit Helm vor Feuerwehrauto; im Hintergrund ein aufgerollter Schlauch

DGB/Simone M. Neumann

Egal ob Polizei, Feuerwehr oder Stahlwerk: Wenn Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräte Schichtpläne gesünder gestalten wollen, begegnen ihnen in verschiedenen Branchen ganz ähnliche Fragen und Fallstricke. Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich deshalb, so der Grundgedanke des Workshops. KollegInnen der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) und der IG Metall setzten Impulse für eine lebhafte Diskussion.

Personengruppe aus Männern und Frauen

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops DGB

Freizeit wird wichtiger

Säfte und Limonaden werden rund um die Uhr abgefüllt, in Großbäckereien läuft der Ofen auch nachts. Die NGG widmet sich dem Thema Schichtarbeit vor allem dort, wo Lebensmittel produziert werden. Laut Peter Buddenberg aus der NGG-Zentrale in Hamburg will die Gewerkschaft erreichen, dass ein Schichtmodell so gut es geht zum Leben der KollegInnen passt. Dafür müssen ihre Wünsche und Erfahrungen einbezogen werden. Was das in der betrieblichen Praxis heißt, macht Mirko Röhricht deutlich. Er ist Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei der Carl Kühne KG, wo die Auftragslage für die produzierten Saucen und Dressings gut ist. Der Markt brummt, deshalb sollen die Betriebszeiten verlängert werden. Die Arbeitszeit weitet sich auf die Nacht und das Wochenende aus. Die Folge: Der Betriebsrat verhandelt über die 34-Stunden-Woche und ein Schichtsystem, durch das man statt bisher 20 nur von 17 Mal in den Betreib muss. „Freizeit wird wichtiger“, so Röhricht.

Das neue Schichtsystem kommt gut an

Bei der IG Metall ist das ähnlich. Im letzten MuE-Tarifabschluss wurde eine Wahloption zwischen einem Zusatzgeld und acht zusätzlichen freien Tagen für Schichtbeschäftigte erkämpft. 80 Prozent haben diese Option gewählt. „Wir waren überrascht, wie viele sich in den Betrieben für diese Option entschieden haben“, so die Gewerkschaftssekretärin Sophie Jänicke. Betriebsrat Marcel Riemer erklärt, dass bei ArcelorMittal-in Eisenhüttenstadt immer mehr Beschäftigte von der 35- zur 32-Stunden-Woche reduzieren (ohne Lohnausgleich), weil das neu ausgehandelte Schichtsystem gut ankommt. Wochenenden sind häufig frei und bei einer 32-Stunden-Woche entstehen zusätzliche fünf Freischichten pro Jahr.


Und was macht der öffentliche Dienst?

Gute Arbeit im vollkontinuierlichen Schichtdienst ist mit Wochenarbeitszeiten von 40 oder mehr Stunden auch im Öffentlichen Dienst nicht möglich. Grund genug, dass sich das Schöneberger Forum am 19. und 20. November dem Thema Arbeitszeit annimmt. Planbarkeit, Selbstbestimmung, Entlastung! So lautet das Motto.


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  1. Schichtarbeit im öffentlichen Dienst: Mindeststandards für Entlastung, Planbarkeit und Beteiligung
  2. Bund weiter mangelhaft
  3. Der öffentliche Dienst in Deutschland: Zahlen und Fakten
  4. Standards für Gute Arbeit in Wechselschichtdiensten
  5. Tagung: Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst und privatisierten Dienstleistungssektor
  6. Für Gute Arbeit im Schichtdienst
  7. Hannack: Schluss mit sachgrundlosen Befristungen!
  8. Schichtarbeit: Gegen den biologischen Rhythmus
  9. Zerrieben zwischen Idealismus und schlankem Staat
  10. Bundesbeamte: Maßnahmen gegen den steigenden Krankenstand
  11. Hoher Krankenstand: Bundes-Beschäftigte werden "aufgerieben"
  12. Bundespolizei: Verkürzter Aufstieg – verkürzte Chancen?
  13. Stellungnahme zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf für BeamtInnen
  14. Öffentlicher Dienst: Starke Belastung und hoher Krankenstand
  15. Gewerkschaften erkämpfen Praxisaufstieg in gehobenen Dienst
  16. Gesundheitsmanagement: Ministerien greifen DGB-Vorschläge auf
  17. Praxisaufstieg: Innenministerium gesprächsbereit
  18. Flüchtlingspolitik: Mehr Personal dringend erforderlich
  19. Beamte: Qualifikationen aus Berufspraxis anerkennen!
  20. Ernstes Problem: Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst
  21. Was gibt´s Neues im Urlaubsrecht?
  22. Familienpflege: Was gilt wo für Beamtinnen und Beamte?
  23. Spitzengespräch des DGB mit Bundesinnenminister de Maizière
  24. Whistleblowing: Risiko für Beamte
  25. Bund und Länder: Befristungen nehmen zu
  26. Beschäftigte im öffentlichen Sektor: Gleich wichtig – ungleich behandelt
  27. Elke Hannack: Verlässliche öffentliche Dienstleistungen für die Menschen – nur mit einer verlässlichen Politik!
  28. Bundesverwaltung: Personalabbau und steigender Krankenstand
  29. Öffentlicher Dienst: Gute Arbeit trotz Schuldenbremse?
  30. Demografischer Wandel im öffentlichen Dienst: Befristungsquote verringern, Leistung sichern
  31. Demografiestrategie im öffentlichen Dienst: Am Sparzwang orientiert
  32. Öffentlicher Dienst: Fachkräfte sichern
  33. Fragen und Antworten zum Streikrecht für Beamte
  34. Krankenstand in der Bundesverwaltung auf Rekordhoch
  35. Der öffentliche Dienst: Kein Musterarbeitgeber
  36. Index Gute Arbeit: Sonderauswertung Öffentlicher Dienst 2011
  37. Gemeinsame Initiative zur Förderung des Gesundheitsmanagements in der Bundesverwaltung
  38. Schöneberger Forum: Reiche sollen zahlen
  39. Öffentlicher Dienst: Sparen um jeden Preis ist nicht akzeptabel
  40. Sparpolitik im öffentlichen Dienst führt in die Bredouille
  41. Preis für Personalräte mit Einsatz und Köpfchen
  42. DGB: Personellen Kahlschlag im öffentlichen Dienst verhindern!
  43. DGB-Stellungnahme zum Gesetzentwurf Familienpflegezeit und flexiblerer Ruhestand für Beamte des Bundes vom 1.12.2012

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