Deutscher Gewerkschaftsbund

Verbot und Verfolgung

Nach der Machtergreifung werden die Gewerkschaften aufgelöst. Die Funktionäre werden verhaftet, misshandelt und ermordet. Doch die Idee der freien Gewerkschaften geht nicht verloren. Im Untergrund und aus dem Ausland organisiert sich Widerstand. Erste Pläne für die Nachkriegszeit entstehen.

Den 1. Mai erklärten die Nazis zum „Feiertag der nationalen Arbeit“. Propagandaminister Goebbels hatte bereits am 17. April notiert: „Den 1. Mai werden wir zu einer grandiosen Demonstration deutschen Volkswillens gestalten. Am 2. Mai werden dann die Gewerkschaftshäuser besetzt.“

Der Sturm auf die Häuser der freien Gewerkschaftsbewegung, an einzelnen Orten auch schon vorher unternommen, beginnt in Berlin und im ganzen Reich pünktlich um 10 Uhr, ausgeführt von Rollkommandos der SA und SS. Den Befehl dazu gab es bereits am 21. April 1933. Alle Verbandsvorsitzenden, aber auch den Nazis missliebige Gewerkschaftsfunktionäre werden in „Schutzhaft“ genommen. Sie müssen schwere Misshandlungen erleiden. In Duisburg werden vier Gewerkschaftsfunktionäre ermordet.

Das Eigentum der Gewerkschaften wird konfisziert, Schriftgut beschlagnahmt und nicht selten verbrannt. Die freie Gewerkschaftsbewegung ist zerschlagen. Die sozialpolitischen Aufgaben und das Vermögen der Gewerkschaften übernahm die Deutsche Arbeitsfront, in der Arbeitnehmer und Arbeitgeber fortan organisiert wurden. Der nationalsozialistischen Ideologie entsprechend wurden in der „Betriebsgemeinschaft“ die Unternehmer zu „Betriebsführern“, die Arbeitnehmer zur „Gefolgschaft“.

Gewerkschafter im Widerstand

Mit Schiffen aus dem Ausland kommen illegale Schriften im Duisburger Hafen an. Eisenbahngewerkschafter schmuggeln sie mit Hilfe des internationalen Transportarbeiterverbandes in den Fensternischen der Züge. Immer wieder gibt es politische Massenprozesse. Gewerkschafter werden zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt, gefoltert und in den Selbstmord getrieben. Die bekanntesten waren Wilhelm Leuschner von den Freien und Jakob Kaiser von den Christlichen Gewerkschaften. Beide standen in engem Kontakt mit der Gruppe um den Grafen Stauffenberg, die am 20. Juli 1944 vergeblich ein Attentat auf Hitler durchführte. Während Kaiser anschließend die Flucht gelang, wurde Leuschner zusammen mit Stauffenberg und anderen Beteiligten verhaftet, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in Berlin–Plötzensee hingerichtet.

Im November 1938 protestieren der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) und die sozialistische Arbeiterinternationale SAI gegen die Judenverfolgung in Deutschland und fordern alle freien Regierungen auf, durch eine internationale Aktion die Aufnahme der Opfer zu sichern. Der IGB gibt später die „Neue Gewerkschaftszeitung“ heraus, mit Betrachtungen zur sozialen, ökonomischen und politischen Entwicklung Deutschlands.

Unterstützt vom IGB bilden sich Auslandsvertretungen der deutschen Gewerkschaften (ADG). Diese „Landesgruppen deutscher Gewerkschafter“ gibt es etwa in Schweden, Luxemburg, Belgien, in den Niederlanden, Großbritannien und Brasilien. Verbunden mit dem Untergrund in Deutschland, sammeln die ADG Nachrichten aus Deutschland und verbreiten sie im Ausland. Ziel ist der Sturz der Nazi–Herrschaft. Ihr Einfluss bleibt jedoch begrenzt. Überlegungen für eine neue deutsche Gewerkschaftsbewegung werden hier getroffen. Etwa von der Landesvertretung in Schweden Anfang 1943: „Es muss möglich sein, die einheitlichen sozialen Interessen der Arbeiter durch eine einheitliche Gewerkschaftsbewegung zum Ausdruck zu bringen. Allerdings eine politische Voraussetzung liegt in der Sache, nämlich das Bekenntnis zur Demokratie, denn nur in einem demokratischen Staat sind freie Gewerkschaften möglich.“

Der IGB bezeichnet die baldige Wiedergründung einer vertrauenswürdigen Gewerkschaftsbewegung in Deutschland „als eine der lebenswichtigen Vorbedingungen für den Wiederaufbau eines wahrhaft demokratischen Regimes“.


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