Deutscher Gewerkschaftsbund

24.09.2018
arbeitsmarkt aktuell 06/2018

Armutsrisiko von Alleinerziehenden gestiegen

Alleinerziehende brauchen mehr Unterstützung am Arbeitsmarkt

Die Situation von Alleinerziehenden am Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren punktuell verbessert. Trotzdem ist ihr Armutsrisiko weiter gestiegen. Die Arbeitsmarktpolitik muss Alleinerziehende deshalb besser unterstützen. Das zeigt die neueste Ausgabe von "arbeitsmarkt aktuell".

Frau mit Kind und Handy im Arm

Colourbox

In der September-Ausgabe von "arbeitsmarkt aktuell" haben Arbeitsmarktexpertinnen und -experten des DGB die Situation von Alleinerziehenden unter die Lupe genommen. Die zentralen Ergebnisse:

  • Alleinerziehende sind seltener arbeitslos und öfter erwerbstätig als noch vor zehn Jahren. Dazu dürfte die bessere Lage am Arbeitsmarkt, die verstärkten Vermittlungsbemühungen der Jobcenter sowie eine umfangreichere Betreuung von Kindern unter 3 Jahren beigetragen haben.
  • Alleinerziehende arbeiten in und suchen oftmals Teilzeitbeschäftigung, weil diese Form der Erwerbstätigkeit momentan am ehesten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewährleistet.
  • Die Quote der Alleinerziehenden, die Hartz IV zur Sicherung ihres Lebensunterhalts benötigen, ist gesunken. Allerdings sind Alleinerziehende immer noch die Familienform mit der mit Abstand höchsten Hartz-IV-Bedürftigkeit.
  • Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden ist im Langzeitvergleich gewachsen. Trotz steigender Erwerbstätigkeit sind Alleinerziehende extrem oft von Armut bedroht.
  • Ursachen für das hohe Armutsrisiko sind die geringen Einkommen in den Branchen und Berufen, in denen überwiegend Frauen arbeiten, der hohe Anteil an Frauen in atypischer und prekärer Beschäftigung, zu geringe Wochenarbeitszeiten sowie unzureichende staatliche Unterstützungsleistungen für geringverdienende Eltern.
  • Weniger vollzeittätige Alleinerziehende müssen ihr Erwerbseinkommen durch Hartz IV aufstocken, da durch die Einführung des Mindestlohnes insbesondere Frauen in Dienstleistungsberufen von höheren Löhnen profitiert haben.
  • Alleinerziehende Arbeitslose in Hartz IV haben überwiegend keinen Berufsabschluss. Hier liegt Potential, das mit der richtigen Unterstützung durch die Jobcenter gefördert werden kann.

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arbeitsmarkt aktuell Nr. 6/ September 2018 (PDF, 371 kB)

Nachdem die besonderen Probleme von Alleinerziehenden in den letzten Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit und auch in den Fokus der Arbeitsvermittlung gerückt sind, hat sich ihre Situation am Arbeitsmarkt punktuell verbessert. Gleichzeitig ist jedoch ihr Armutsrisiko gestiegen. Diese gegensätzliche Entwicklung deutet auf weitere Problemlagen hin.


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