Deutscher Gewerkschaftsbund

07.11.2022

Gute Arbeit gibt es nur durch Solidarität – auch bei Soloselbstständigen

Das Haus der Selbstständigen in Leipzig ist ein Projekt, das Soloselbstständige unterstützt sich zu vernetzen, um gemeinsam bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell und ver.di-Vorstandsmitglied Christoph Schmitz besuchten das Haus am 3. November 2022.

Cockpit eines Autos, Fahrer hat eine Hand am lenkrad, mit der anderen bedient er ein Smartphone

DGB/Daniel Gonzalez/123rf.com

Gewerkschaften sind klassischerweise Interessenvertretungen von unselbstständig Beschäftigten. Doch auch unter den Selbstständigen leiden viele unter schlechten Arbeitsbedingungen und niedriger Bezahlung – verursacht durch eine schwache Verhandlungsposition gegenüber ihren Auftraggebern. Prekäre Soloselbstständigkeit bekommt mit der Ausbreitung digitaler Plattformen zusätzliche Bedeutung.

Im Gegensatz zu Arbeitnehmer*innen gelten für Soloselbstständige das Arbeitszeitgesetz, die Mitbestimmung, der Kündigungsschutz, der Mindestlohn oder Tarifverträge in der Regel nicht. Wo viele Soloselbstständige miteinander konkurrieren, werden sie faktisch gegeneinander ausgespielt, mit der Folge sinkender Honorare und steigenden Arbeitsdrucks. Selbst manche öffentlichen Auftraggeber drücken Honorare unter ein Niveau, das eine Altersvorsorge nicht erlaubt. Digitale Plattformen verweigern in vielen Fällen ihre Verantwortung für die bei ihnen arbeitenden Erwerbstätigen und drängen sie in die Scheinselbstständigkeit. Hinzu kommt ein Mangel an sozialer Absicherung und drohende Altersarmut. Gerade in der Corona-Zeit vermissten viele Soloselbstständige schmerzlich die Absicherung durch eine Arbeitslosenversicherung.

Soloselbstständige können bessere Arbeitsbedingungen erreichen, wenn sie sich zusammenschließen und gemeinsam für Gute Arbeit eintreten. Das Haus der Selbstständigen in Leipzig unterstützt die gemeinsame Interessenvertretung der Soloselbstständigen und bietet Beratung und Vernetzung an. Es ist ein gemeinsames Projekt der Gewerkschaft ver.di (Referat Selbstständige), der INPUT Consulting und zweier Universitäten. Mit seiner Honorar-Kampagne hat das Projekt aktuell das Thema Bezahlung in die Aufmerksamkeit gerückt. Ab nächstem Jahr wird das Projekt fortgesetzt und mit Niederlassungen in Berlin, Hamburg und Köln ausgeweitet.

Bei ihrem Besuch in Leipzig am 3. November 2022 haben sich Stefan Körzell und Christoph Schmitz über die Arbeit des Hauses informiert und Gespräche mit dem Team, einigen Soloselbstständigen und den Mitarbeitenden vom ver.di Referat Selbstständige geführt.

Der DGB fordert für alle Soloselbstständigen das Recht auf Kollektivverhandlungen und die Möglichkeit, sich von Gewerkschaften vertreten zu lassen. Mindesthonorare durch Mindestvergütungsverordnungen müssen möglich sein. Der gesetzliche Mindestlohn muss auch für arbeitnehmerähnliche Personen gelten. Notwendig ist die Eindämmung von Scheinselbstständigkeit: Es dürfen nur diejenigen als Selbstständige gelten, die es im wirtschaftlichen Sinne auch tatsächlich sind. Der DGB fordert die schrittweise Einbeziehung aller Selbstständigen in die Rentenversicherung. Verbesserungen im System der Grundsicherung tragen ebenfalls dazu bei, die Verhandlungsposition prekärer Soloselbstständiger gegenüber ihren Auftraggebern zu verbessern.


Nach oben

Stellungnahmen (ab 2018)

Erste Seite  Vorherige Seite 
Seite: 1 2 3
Letzte Seite 
31.01.2023
Stellungnahme
Stel­lung­nah­me des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des zur Mit­tei­lung der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on über Leit­li­ni­en für ei­ne Re­form des wirt­schafts­po­li­ti­schen Rah­mens der EU
In dieser Stellungnahme nimmt der DGB eine ausführliche Bewertung der EU-Kommissionsvorschläge für eine Reform des wirtschaftspolitischen Rahmens der EU vor und macht pragmatische Reformvorschläge für den anstehenden legislativen Prozess.
weiterlesen …

29.03.2022
Stellungnahme
DGB-­Stel­lung­nah­me zur EU-Kon­sul­ta­ti­on Mo­bi­li­täts­öko­sys­tem
Das Mobilitätsökosystem umfasst die gesamte industrielle Wertschöpfungskette der Automobil-, Schienen- und Schifffahrtsindustrie und die damit verbundenen Einzelhandels-, Wasser- und Landverkehrsdienstleistungen. Es wird in der Industriestrategie der EU auch als „Ökosystem Mobilität-Verkehr-Automobil“ bezeichnet.
weiterlesen …

06.12.2021
Stellungnahme
Stel­lung­nah­me des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des zur Um­set­zung des deut­schen Auf­bau- und Re­si­li­enz­plans (DAR­P) Part­ner­schaft­li­che Kon­sul­ta­ti­on am 02.12.2021
Anlässlich der partnerschaftlichen Konsultation zur Umsetzung des deutschen Aufbau- und Resilienzplans (DARP) im Dezember 2021 bewertet der DGB in dieser Stellungnahme die grundsätzliche Ausrichtung des DARP und kommentiert ausgewählte Maßnahmen.
weiterlesen …

11.05.2021
Stellungnahme
DGB-­Stel­lung­nah­me zur No­vel­le des Kli­ma­schutz­ge­set­zes
Stellungnahme des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Bundes-Klimaschutzgesetzes (Referentenentwurf des BMU)
weiterlesen …
Erste Seite  Vorherige Seite 
Seite: 1 2 3
Letzte Seite 

Stellungnahmen (bis 2017)

Erste Seite  Vorherige Seite 
Seite: 1 2
Letzte Seite 
07.06.2017
DGB-­Stel­lung­nah­me zum Weiß­buch Di­gi­ta­le Platt­for­men
Digitale Plattformen spielen eine wachsende Rolle bei der Vermittlung von Informationen und Dienstleistungen. Doch hinter der modernen Fassade droht gute Arbeit durch prekäre Beschäftigung und schlechte Qualität verdrängt zu werden. Der DGB fordert, dass über Plattformen angebotene Leistungen denselben Regeln unterliegen wie herkömmlich angebotene Leistungen auch.
weiterlesen …

08.03.2017
Stel­lung­nah­me zum Hand­lungs­be­darf der G20 zur Di­gi­ta­li­sie­rung
Im Rahmen ihrer G20-Präsidentschaft will die Bundesregierung das Thema Digitalisierung international thematisieren – so auch auf den Tagungen der G20-Digitalminister und Arbeitsminister . Der DGB setzt sich dafür ein, dass die Digitalisierung auch auf internationaler Ebene aktiv so gestaltet wird, dass sie zu Guter Arbeit und sozialer Sicherheit führt.
weiterlesen …

21.02.2017
Vor­läu­fi­ge DGB-­Stel­lung­nah­me zur EU-Dienst­leis­tungs­kar­te
Durch die geplante EU-Dienstleistungskarte könnte ein Dumping-Wettbewerb zu Lasten der Beschäftigten drohen. Der DGB warnt: Die Dienstleistungskarte "ist überflüssig, unverhältnismäßig und löst keine Probleme".
weiterlesen …

09.09.2016
"Wert­stoff­ge­setz light" – DGB zum Ent­wurf des Ver­pa­ckungs­ge­set­zes
Im Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU/CSU wurde 2013 endlich der Entwurf eines neuen Wertstoffgesetzes angekündigt. Herausgekommen ist nun mit dem Entwurf des Verpackungsgesetzes ein "Wertstoffgesetz light". Alles in allem eine klar vertane Chance.
weiterlesen …

07.07.2016
DGB-­Stel­lung­nah­me: In­itia­ti­ven für den Dienst­leis­tungs­markt falsch aus­ge­rich­tet
Die EU-Kommission will mit einem "Dienstleistungspass" die grenzüberschreitende Entsendung von Beschäftigten vereinfachen. Der DGB lehnt die Pläne der Kommission grundlegend ab.
weiterlesen …
Erste Seite  Vorherige Seite 
Seite: 1 2
Letzte Seite