Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 156 - 05.09.2013

Ausbildungsreport 2013: Ausbildungsmarkt ist gespalten

Der Ausbildungsmarkt ist zunehmend gespalten, es bildet sich eine Zweiklassengesellschaft. Zu diesem Ergebnis kommt der achte Ausbildungsreport der DGB-Jugend. „Ein Teil der Jugendlichen, vor allem jene mit gutem Schulabschluss, profitiert von der demografisch bedingten leichten Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt. Es fällt ihnen leichter als noch vor wenigen Jahren, einen Ausbildungsplatz zu finden. Für einen Teil der jungen Menschen dagegen erhöht sich das Risiko, dauerhaft aus dem Ausbildungsmarkt ausgeschlossen zu bleiben. Deutliches Anzeichen dafür ist der hohe Anteil junger Menschen ohne qualifizierenden Berufsabschluss. Dieses Problem wird uns in einigen Jahren in einer immer älter werdenden Gesellschaft, einholen“, erklärte DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller.

Florian Haggemiller und Elke Hannack bei der Pressekonferenz

Der Ausbildungsreport 2013 spiegelt den nationalen Bildungsbericht wider: Annähernd die Hälfte der Ausbildungsberufe ist für Menschen mit unteren Bildungsabschlüssen faktisch abgeschottet. DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller und die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack bei der Vorstellung des Reports. DGB/Steinle

Der Ausbildungsreport spiegelt wider, was vor einigen Jahren bereits im nationalen Bildungsbericht erkannt wurde: annähernd die Hälfte der Ausbildungsberufe ist für Menschen mit unteren Bildungsabschlüssen „faktisch abgeschottet“. Junge Menschen mit Hauptschulabschluss, die diese faktische Abschottung bereits verinnerlicht haben, ziehen bestimmte Berufe für sich gar nicht mehr in Betracht.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack kritisierte, dass gerade einmal zwei Drittel der Ausbildungsinteressierten überhaupt in Ausbildung kommen: „Die anderen werden mit Alternativen und Abstellgleisen abgespeist, zum Beispiel den Maßnahmen im Übergangsbereich – im Jahr 2012 waren 266.000 junge Menschen betroffen. 1,4 Millionen Jugendliche zwischen 20 und 29 haben keine Ausbildung und keinen berufsqualifizierenden Abschluss.“

Als „großes Ärgernis“ bezeichnete sie vor diesem Hintergrund den sinkenden Anteil ausbildender Betriebe. Es sei unbegreiflich, dass die Ausbildungsbetriebsquote auf 21,7 Prozent gesunken und auch die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge erneut zurückgegangen ist. Sie lag im Jahr 2012 bei 551.272. „Weniger ausbildende Betriebe, weniger Ausbildungsverträge – das passt einfach nicht zusammen mit den Klagen mancher Betriebe und Branchen über den drohenden Fachkräftemangel. Wo sollen denn die Fachkräfte von morgen herkommen, wenn immer weniger Betriebe ausbilden? Wer nicht sät, kann auch nicht ernten“, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende.

Gespalten ist der Ausbildungsmarkt auch, wenn es um die Ausbildungsbedingungen, die Vergütung und Chancen von jungen Frauen und Männern geht. Nach wie vor gibt es auffällige geschlechtsspezifische Unterschiede in der Ausbildung. Frauen erhalten in den von ihnen bevorzugten Berufen deutlich weniger Vergütung: Während männliche Auszubildende nach den Ergebnissen des Ausbildungsreports im dritten Ausbildungsjahr durchschnittlich 716 Euro verdienen, liegt dieser Wert bei den vorwiegend weiblich dominierten Berufen im dritten Ausbildungsjahr mit durchschnittlich 628 Euro deutlich niedriger.

Auszubildende in den weiblich dominierten Berufen leisten häufiger Überstunden als ihre Kollegen in männlich dominierten Berufen: 40,5 Prozent zu 35,8 Prozent. Und sie bekommen mit 51 Prozent deutlich seltener einen Überstundenausgleich als die Auszubildenden in den männlich dominierten Berufen (75,9 Prozent). „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt schon bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz beginnt“, sagte Florian Haggenmiller.

Themenschwerpunkte der Befragung waren dieses Mal der Einstieg in die Ausbildung und die Perspektiven danach. Etwa ein Drittel der befragten Auszubildenden konnte die Ausbildung in ihrem Wunschberuf beginnen und über 40 Prozent in einem von mehreren für sie interessanten Berufen. Knapp ein Viertel macht allerdings die Ausbildung in einem Beruf, der eigentlich nicht geplant war. Auch hier ist die Situation für Frauen schwieriger. 29,5 Prozent sind in ihrem Wunschberuf untergekommen, bei den Männern waren es 36,2 Prozent.

Die Hoffnung auf eine Übernahme nach der Ausbildung erfüllt sich keineswegs für alle. Von den Auszubildenden im letzten Ausbildungsjahr haben lediglich 40 Prozent zum Zeitpunkt der Befragung eine Zusage für eine Übernahme bekommen und etwa 14 Prozent wussten bereits, dass sie nicht übernommen werden. Die restlichen 45 Prozent hatten noch keine Auskunft.

Die DGB-Jugend fordert seit langem eine unbefristete Übernahme von Auszubildenden: „Jugendliche brauchen die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben mit vielfältigen Perspektiven und materieller Sicherheit. Daher fordern wir für alle Auszubildenden im Anschluss an ihre erfolgreich abgeschlossene Ausbildung die unbefristete Übernahme in einen Vollzeitjob, der auch zur Ausbildung passt“, so Florian Haggenmiller.

Insgesamt zeigt der Ausbildungsreport ein aus den letzten Jahren gewohntes Bild mit leichten Verbesserungen bei den Ausbildungsbedingungen, aber auch einer leichten Zunahme der Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz. Der überwiegende Teil der Auszubildenden (72,8 Prozent) ist mit der Qualität ihrer Ausbildung zufrieden. Es bleibt aber bei bekannten Problemen, vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe. „Man sieht, dass schlechte Ausbildungsbedingungen Konsequenzen haben: Restaurantfachleute, die in der Vergangenheit bei der Bewertung immer auf den letzten Plätzen landeten, sind aus der Liste der 25 häufigsten Ausbildungsberufe rausgeflogen“, sagte Florian Haggenmiller.

Insgesamt 18.649 Auszubildende aus den 25 laut Bundesinstitut für Berufsbildung häufigsten Ausbildungsberufen haben sich an der Befragung der Gewerkschaftsjugend beteiligt. Im Vorjahr waren es rund 6.500 weniger.

Es wurden Auszubildende aus betrieblicher und dualer Ausbildung befragt, aus allen Ausbildungsjahren und aus Betrieben unterschiedlichster Größe. Der Ausbildungsreport wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) erstellt.

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