Deutscher Gewerkschaftsbund

25.11.2022
Echt gerecht – solidarisch durch die Krise!

Wohngeld und mehr: Diese Entlastungen brauchen Mieter*innen

Kündigungsmoratorium, Mietenstopp und Co. – so können sie helfen

Fast ein Drittel ihres Einkommens zahlen Mieter*innen in Deutschland durchschnittlich jeden Monat für Miete und Nebenkosten. Explodieren die Energiepreise wie aktuell in Folge des Kriegs in der Ukraine, stehen viele vor existenziellen Problemen. Die Mehrheit der Mieter*innen muss in den kommenden Monaten mit deutlich höheren Abschlägen und gestiegenen Betriebskosten für Strom und Heizen rechnen. Doch fast ein Drittel der Menschen haben keine Reserven für solche unerwarteten Ausgaben. Damit nicht Millionen von Haushalten die Kündigung des Mietvertrages oder die Sperrung von Strom oder Gas drohen, fordert der DGB einen sofortigen und wirksamen Schutz von Mieter*innen. Das neue Wohngeld, auch "Wohngeld Plus" genannt, ist dabei ein wichtiger Baustein.

Das fordert der DGB, um Mieter*innen in der Krise zu entlasten:

  • Ausweitung der Anspruchsberechtigten auf Wohngeld und schnelle Bearbeitung von Anträgen
  • Einführung eines Kündigungsmoratoriums
  • Aussetzung von Strom- und Gassperren
  • Bundesweiter Mietenstopp
  • Weitere langfristige Maßnahmen wie der Aufbau eines gemeinnützigen Wohnungssektors und die Rekommunalisierung von Grund und Boden
Text: "Anstieg Nebenkosten für Mieter*innen 2022 Daten: SPPIEGEL, Mineko GmbH, eigene Berechnung, 30-m2-Wohnung +1246 EUR/Jahr im Vergleich zu 2019/2020; 100-m2-Wohnung +4152 EUR/Jahr im Vergleich zu 2019/2020"

Die Nebenkosten steigen 2022 für Mieter*innen nach Prognosen im Durchschnitt um 41,52 Euro pro Quadratmeter und Jahr im Vergleich zu 2019/2020. DGB

Quelle: Mineko GmbH aus "Der Spiegel", 26.08.2022: "Nebenkosten könnten sich in diesem Jahr verdoppeln", eigene Berechnung.

Neues Wohngeld und Co.: Das steckt im Entlastungspaket für Mieter*innen

Mit einer Reform des Wohngeldes will die Bundesregierung die Auswirkungen erhöhter Wohnkosten – also Miete, Neben- und Heizkosten – abfedern. Schon heute können Mieter*innen, die ihre sonstigen Lebenshaltungskosten selbst tragen, deren Einkommen aber nicht für die eigenen Wohnkosten ausreicht, Wohngeld beantragen. Wer Sozialleistungen wie zum Beispiel Hartz IV empfängt, kann kein Wohngeld erhalten.

Im November hat der Bundestag einen Gesetzesentwurf zur Erweiterung des Wohngelds angenommen. Ende November hat auch der Bundesrat das Gesetzesvorhaben gebilligt, sodass es wie geplant mit Jahresbeginn 2023 in Kraft tritt. Der Kreis der Anspruchsberechtigten steigt durch das sogenannten Wohngeld-Plus-Gesetz von knapp 700.000 Haushalten auf zwei Millionen, da künftig auch Menschen mit höheren Einkünften Wohngeld erhalten. Zudem erhöht sich der durchschnittliche Wohngeldbezug von aktuell 180 Euro auf 370 Euro und wird damit mehr als verdoppelt.

 

Wohngeld-Plus-Gesetz tritt zum 1. Januar 2023 in Kraft

Das neue Wohngeld kann einkommensschwache Haushalte spürbar bei den hohen Heizkosten entlasten. Die Mehrkosten im Vergleich zu 2020 sollen vollständig ausgeglichen werden. Unklar ist aber, wie die zuständigen Wohngeldstellen der Städte und Gemeinden zu Jahresbeginn hunderttausende Anträge abarbeiten können und wann das Geld bei den Berechtigten ankommt. Schon heute dauert die Bearbeitung eines Wohngeldantrages bis zu zehn Monate.

Wohngeld oder Grundsicherung – Welche Unterstützung gibt es, wenn ich meine Wohnkosten nicht zahlen kann?

Mieter*innen sollten jetzt prüfen, ob sie künftig Anspruch auf Wohngeld haben, und sich erkundigen, wo sie in ihrer Kommune einen Antrag stellen können. Dieser sollte eingereicht werden, sobald das Wohngeld-Plus-Gesetz in Kraft getreten ist – also voraussichtlich im Januar 2023.

Vor allem bei Geringverdiener*innen und Familien besteht außerdem eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie Grundsicherung beantragen können. Und zwar für den Monat, in dem die Betriebskosten-Nachzahlung im Briefkasten liegt. Voraussetzung dafür ist, dass der Antrag im Monat der Nachzahlung gestellt wird. Nähere Informationen hierzu gibt bei Beratungsstellen, die zur Grundsicherung beraten.

Das neue Wohngeld: Alles, was Sie wissen müssen, in Kürze hier

Die Ampel verspricht, Energiesperren durch sogenannte "Abwendungsvereinbarungen" zu verhindern: Das heißt Kund*innen in finanzieller Not sollen ihre Strom- und Heizkosten in Raten abzahlen können. Wir fordern, dass sichergestellt wird, dass niemandem während der Krise Strom oder Gas abgestellt wird.

Niemand darf seine Wohnung verlieren: Kündigungsstopp jetzt

Damit diesen Winter niemand sein Zuhause verliert, fordert der DGB ein Kündigungsmoratorium. Ein Kündigungsmoratorium bedeutet: Mietverträge dürfen nicht gekündigt werden, auch wenn Mieter*innen ihre Betriebskosten nicht zahlen können. Im Entlastungspaket der Bundesregierung vom September heißt es zu dem Thema lediglich, Mieter*innen sollen "durch die Regelungen des sozialen Mietrechts angemessen geschützt werden". Das ist dem DGB nicht konkret genug, denn es kann – anders als ein Kündigungsmoratorium – alles oder nichts bedeuten.

Offener Brief: Wohnungen sichern durch effektiven Kündigungsschutz (PDF, 262 kB)

Mietschulden gezahlt – Wohnung trotzdem verloren. Das darf nicht sein! Breites Bündnis aus Mietervereinen, Gewerkschaften, Wohlverfahrts- und Jurist*innenverbänden fordert effektiven Kündigungsschutz für Wohnungsmieter*innen in offenem Brief an Bundesjustizminister Marco Buschmann von der FDP.

Jährliche Nebenkosten (Prognose für 2022), Balkendiagramm: 30-qm-Wohnung 2019/20 dunkelgrüner Balken bei 1054 Euro, 2022 dunkelblauer Balken bei 2300 Euro, 100-qm-Wohnung 2019/20 dunkelgrüner Balken bei 3516 Euro, 2022 dunkelblauer Blaken bei 7668 Euro

Die Nebenkosten für Mieter*innen steigen laut einer Berechnung, die dem SPIEGEL, vorliegt um über 118 Prozent für dieses Jahr im Vergleich zu 2019/20. DGB

Mieterhöhungen mit Mietenstopp verhindern

Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften setzen sich für einen bundesweiten Mietenstopp ein: Dieser soll in den nächsten sechs Jahren Mieterhöhungen verbieten und Mieter*innen so etwas Luft verschaffen. Vermieter*innen, die weniger als 80 Prozent der ortsüblichen Miete verlangen, und Neubauwohnungen würden von einem Mietenstopp ausgenommen bleiben. Das soll sicherstellen, dass weiterhin dringend benötigte Wohnungen gebaut werden.

Wohnen muss bezahlbar sein: DGB fordert echte Veränderungen

Die Corona-Pandemie hat gerade bei Menschen mit niedrigen Einkommen dafür gesorgt, dass sie noch weniger in der Tasche haben als zuvor oder gar ihre Arbeit verloren haben. Jetzt erhöhen die Preissteigerungen den finanziellen Druck bis weit in die Mittelschicht. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften fordern deshalb eine entschlossene Wohnungspolitik, die echte Veränderungen bringt. Dazu müssen langfristig die drei Bereiche Bodenpolitik, Wohnungsbaupolitik und Mietenpolitik gleichermaßen in den Blick genommen werden. Kurzfristige Maßnahmen wie ein bundesweiter Mietenstopp und ein Kündigungsmoratorium müssen mit dem Aufbau eines gemeinnützigen Wohnungssektors und der Rekommunalisierung von Grund und Boden einhergehen.

 

Faktenblatt zum Thema herunterladen:

Faktenblatt #EchtGerecht1: Diese Entlastungen brauchen Mieter*innen (PDF, 149 kB)

Was plant die Bundesregierung, um Mieter*innen von den steigenden Kosten in der Krise zu entlasten? Und wie bewertet der Deutsche Gewerkschaftsbund die Pläne? Auf zwei Seiten fassen wir unsere Position zu Wohngeld, Kündigungsmoratorium und Mietenstopp zusammen. (Stand 10/2022)


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