Deutscher Gewerkschaftsbund

16.11.2016
Preisverleihung

Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus verliehen

Der Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus geht in diesem Jahr an zwei Journalisten der Süddeutschen Zeitung für ihre Recherchen und Enthüllungen rund um die „Panama Papers“. Wir haben Stimmen zur Preisverleihung gesammelt und stellen alle weiteren Preisträgerinnen und Preisträger vor.

Gruppenfoto Preisträger

Die Preisträger der Otto-Brenner-Preise 2016 (hinten v.l.n.r.): Arno Widmann, Laura Meschede, Matthias Kru-pa, Julia Fritzsche, Arne Semsrott (Medienprojekt-Preis), Maximilian Richt (Medienprojekt-Preis), Martin Reyher (Medienprojekt-Preis), Andreas Maisch (Recherche-Stipendium 2015); (vorne v.l.n.r.) Caterina Lobenstein, Frederik Obermaier Otto Brenner Stiftung

Am 15. November wurden in Berlin zum 12. Mal die Otto Brenner Preise für kritischen Journalismus verliehen. In fünf Kategorien wurden JournalistInnen und Medienschaffende für ihre Beiträge ausgezeichnet, die dem Motto „Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten“ vorbildlich entsprechen.

Qualität, Vielfalt und Unabhängigkeit

Der Erste Vorsitzender der IG Metall und Verwaltungsratsvorsitzender der Otto Brenner Stiftung, Jörg Hofmann, sagte in seiner Begrüßungsansprache: „Die Freiheit der Presse wird in vielen Ländern mit Füßen getreten. Medien, die nicht auf Staatslinie liegen, werden in ihrer Existenz bedroht. Redaktionen werden aufgelöst, Zeitungen eingestellt, Sender geschlossen, Journalisten landen im Gefängnis.“

Die Einschränkung der freien Presse sei „nie ein gutes Zeichen“, so Hofmann weiter. Über den Otto Brenner Preis sagte er: „Sein Wert liegt darin, journalistische Arbeit auszuzeichnen, die mit Fug und Recht als Vorbild für die ganze Branche bezeichnet werden kann.“ Die Auszeichnung stehe für Qualität, für Vielfalt und für Unabhängigkeit.

Der Preis für kritischen Journalismus orientiert sich am politischen Vermächtnis Otto Brenners, der Zivilcourage zum Maßstab seines Handelns machte und dies auch von anderen einforderte. "Nicht Ruhe und Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit" - Otto Brenner 1968. Ganz in diesem Sinne und um das Andenken an den Namensgeber lebendig zu halten, vergibt die Otto Brenner Stiftung 2016 zum zwölften Mal den Otto Brenner Preis unter dem Titel "Kritischer Journalismus – Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten". Der Otto Brenner Preis ist mit einem Preisgeld von insgesamt 47.000 Euro dotiert.

Die Festrede hielt die Publizistin und Kolumnistin Mely Kiyak (Zeit Online). Sie sagte, die Aufgabe von JournalistInnen sei, das zu benennen, was sie erkennen. Im Hinblick auf den Rechtspopulismus sagte Kiyak: Das wirksamste Mittel gegen die vergiftete gesellschaftliche Stimmung sei es, „den Kern aus den gesprochenen Worten zu schälen“. Wenn man „einfach mal das Wort öffnet und reinguckt, was drin ist“, brauche man sich nicht mit weiteren Moraldebatten aufhalten.

1. Preis: "Eine journalistische Großtat"

Den 1. Preis erhielten dieses Jahr Frederik Obermaier und Bastian Obermayer von der Süddeutschen Zeitung für ihre besondere Rolle bei den Recherchen und der Veröffentlichung der „Panama Papers – Die Geheimnisse des schmutzigen Geldes“. „Die Panama-Papers sind eine journalistische Großtat, wie es sie noch nie gab“, betonte Laudator Volker Lilienthal, Professor für Qualitätsjournalismus an der Universität Hamburg. Sie seien „ein grandioses Unikat, was die den Globus umfassende Dimension des Enthüllten angeht“ und „ein Superlativ des transnationalen Journalismus“. Lilienthal lobte die „preiswürdige Leistung“ der beiden Journalisten der Süddeutschen Zeitung und des beteiligten Internationalen Rechercheverbundes ICIJ. Mehr als 400 JournalistInnen hatten über ein Jahr verlässlich verschwiegen zusammengearbeitet. Die Leistung der beiden SZ-Reporter sei jedoch „singulär“. Lilienthal hob ihre „unermüdliche Gegenrecherche“ hervor, und ihr Können, das komplizierte Geflecht von Steuervermeidung und Briefkastenfirmen „nicht nur verständlich, sondern überaus attraktiv“ zu beschreiben.

2. Preis: "Beherzt und gleichzeitig streng"

Der 2. Preis ging an Julia Fritzsche und Sebastian Dörfler für das Radiostück „‘Prolls, Assis und Schmarotzer‘ – Warum unsere Gesellschaft die Armen verachtet“. Die Jury lobte, dass die AutorInnen dieses große Thema „beherzt und gleichzeitig streng“ angehen.

3. Preis: Neoliberaler Freihandel im Visier

Mit dem 3. Preis wurden die Zeit-Journalisten Caterina Lobenstein und Matthias Krupa ausgezeichnet. In ihrem Beitrag „Ein Mann pflückt gegen Europa“ zeigen sie wie die Handelspolitik der EU in Afrika selbst eine der zentralen Fluchtursachen ist. Sie zeigen dies am Beispiel eines ghanaischen Tomatenbauern, der – wegen der billigen europäischen Konkurrenz – von seiner Arbeit kaum leben kann. Lobenstein und Krupa schildern auch die Situation seiner in sklavenähnlichen Verhältnissen lebenden Landsleute, die auf italienischen Tomatenplantagen für große Konzerne arbeiten, die die Früchte anschließend billig nach Ghana exportieren. Laudator Harald Schumann vom Tagesspiegel lobte die PreisträgerInnen: „Anschaulich und sehr verständlich zeichnen sie am Beispiel Ghana nach, wie Europas Handelstechnokraten den dortigen Bauern genau das nehmen: die Hoffnung, dass sie und ihre Kinder von ihrer Arbeit leben können.“ Die EU-Politik folge ausgerechnet in Afrika einer längt überholten ökonomischen Ideologie – dem neoliberalen Freihandel.

Arno Widmann: Den Weg zur Aufklärung mit Fragen gepflastert

Mit dem Otto Brenner Preis Spezial wurde der Journalist Arno Widmann für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Jury würdigte „einen der klügsten, der scharf- und eigensinnigsten Journalisten“ Deutschlands, der unter anderem die taz mitgegründet hat, und auf Stationen bei der Vogue, der Zeit, der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau zurückblicken kann. Laudator Heribert Prantl, Innenpolitik-Chef der Süddeutschen Zeitung, sagte, Widmann sei ein freier Geist, „der mit dieser Freiheit die chaotische Wirklichkeit analysiert“. Er pflastere „den Weg zur Aufklärung mit Fragen“, so Prantl.

Newcomerpreis: Menschenrechtsthemen neu erzählt

Den Newcomerpreis erhielt Laura Meschede für ihre Online-Dokumentation „Kein Platz“. Drei Monate begleitete Meschede Roma in Mazedonien. Am Rande der mazedonischen Hauptstadt Skopje liegt Europas größtes Roma-Viertel Suto Orizari. Ergebnis ist eine Webreportage aus Fotos, Clips, nützlichen Grafiken und vielen Hintergrundinformationen. Meschede lasse sich nicht von Vorurteilen ablenken, lobte Sonia Mikich, Chefredakteurin des WDR, die junge Journalistin in ihrer Laudatio. Ihre Arbeit zeige, „wie gut es wird, wenn Menschenrechtsthemen neu erzählt werden“, so Mikich. Laura Meschede spendet ihr Preisgeld in Höhe von 2000 Euro an die Familie Berisha, die sie während ihres Aufenthaltes in Mazedonien begleitete, und deren Sohn an Krebs erkrankt ist. Die Otto-Brenner-Stiftung und die IG Metall waren beeindruckt von dieser Ankündigung und erhöhen die Spende um jeweils 2000 Euro.

„FragdenBundestag.de“ ausgezeichnet

Der Otto Brenner Preis in der Kategorie Medienprojekt ging an die Macher von „FragdenBundestag.de“. Sie haben mit ihrer hartnäckigen Recherche erreicht, dass der Bundestag die Gutachten und Berichte seines – von Steuergeldern bezahlten – wissenschaftlichen Dienstes veröffentlicht. Laudator Thomas Leif, SWR-Chefreporter, sagte: „So entsteht statt einer verordneten Demokratie eine erstrittene Demokratie.“

Das Recherche-Stipendium 2016 in Höhe von 5000 Euro ging an den Kölner Journalisten Philipp Haaser, der dem Thema „Stadtentwicklung und Wohnungsbau – wer profitiert vom Kölner Bauboom?“ auf den Grund gehen will. Sein Antrag war der einzige, der die Jury in diesem Jahr überzeugte – obwohl normalerweise bis zu drei Recherche-Stipendien vergeben werden.


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