Deutscher Gewerkschaftsbund

24.03.2016
klartext 12/2016

Klimaschutzplan 2050: Noch kein großer Wurf

Die Weltgemeinschaft hat im Dezember 2015 in Paris vereinbart, Treibhausgas­emissionen bis zum Jahr 2050 deutlich zu reduzieren. Das Bundesumweltministerium hat dazu Mitte März das Ergebnis eines Beteiligungs­prozesses für die Orientierung in der deutschen Klimaschutzpolitik vorgelegt. Mit dem Klimaschutzplan 2050 sei allerdings „kein großer Wurf“ gelungen, schreibt der DGB-klartext.

Globale Erwärmung auf "deutlich unter zwei Grad Celsius" begrenzen

Die Weltgemeinschaft hat in Paris im letzten Dezember vereinbart, die globale Erwärmung auf „deutlich unter zwei Grad Celsius“ zu begrenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, plant Deutschland, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Noch ist offen, auf welchem Weg dieses Ziel erreicht werden kann. Welche Strategien und Maßnahmen müssen dafür eingeleitet werden, um die verschiedenen Sektoren zu dekarbonisieren?

Grafik Treibhausgasemissionen nach Sektoren in Deutschland

Bis zum Jahr 2050 soll in Deutschland der Ausstoß von Treibhausgasen massiv verringert werden. Noch ist offen, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Quelle: Umweltbundesamt 2015/eigene Darstellung

Klimaschutzplan im Koalitionsvertrag Orientierung für national Klimapolitik

Um eine Antwort auf diese Fragen zu geben, hatte die Bundesregierung die Erstellung eines Klimaschutzplanes bereits im Koalitionsvertrag vereinbart. Er soll bis zum Sommer 2016 vom Kabinett beschlossen werden und als längerfristige Orientierung in der nationalen Klimapolitik dienen.

Ergebnis des Beteiligungsprozesses "kein großer Wurf"

Vorgeschaltet lief seit letztem Juni 2015 ein Beteiligungsprozess, bei dem Verbände, Organisationen, Länder, Kommunen und Bürger Vorschläge einbringen konnten. Am letzten Wochenende wurde das Ergebnis dieses Beteiligungsprozesses vom Delegiertengremium an Bundesumweltministerin Hendricks übergeben.

Herausgekommen ist ein 350-seitiges Papier mit 97 Maßnahmenvorschlägen aus den verschiedenen Handlungsfeldern. Leider ist ein großer Wurf nicht gelungen, allenfalls ein Auftakt für Folgeprozesse. So gelang während des Beteiligungsprozesses keine inhaltliche Annäherung über strittige Themen, was sich in zahlreichen widersprüchlichen Maßnahmen zeigt.

Zudem hat der Dialogprozess keine belastbaren Erkenntnisse über die sozialen und ökonomischen Auswirkungen verschiedener Transformationspfade geliefert. Eine Bewertung und Konsensbildung lässt sich so nicht erreichen. An diesem Punkt müssen Folgeprozesse ansetzen, damit der Klimaschutzplan sinnvolle Innovations- und Investitionsimpulse für die Erreichung der nationalen Klimaziele setzen kann.

DGB: Ethikkommission 2.0 notwendig

Der DGB hatte bereits mehrfach die Einrichtung einer Ethikkommission 2.0 gefordert, die einen Konsens über die Erreichung der Energie- und Klimaziele vorbereiten sollte. Bei Entscheidungshorizonten bis 2050 muss Gründlichkeit Vorrang vor Schnelligkeit haben. Entschlossenes Handeln führt nur dann zum Erfolg, wenn Strategien und Maßnahmen über eine ausreichende gesellschaftliche Verankerung verfügen.

In jedem Fall gilt: Eine starke industrielle Wertschöpfung ist die Voraussetzung, um unseren Wohlstand zu sichern und Klimaschutz zu erreichen! Deutschland muss Vorbild und Vorreiter zugleich sein.


DOWNLOAD


Nach oben

Weitere Themen

Tei­le des In­te­gra­ti­ons­ge­set­zes be­hin­dern In­te­gra­ti­on
Colourbox
Am Dienstag will die Bundesregierung den Entwurf ihres Integrationsgesetzes beschließen. Aus Sicht des DGB zielt es zwar grundsätzlich darauf ab, Integrationsmaßnahmen zu verbessern – es enthält aber auch "Regelungen, die die Integration behindern", so der DGB in einer Stellungnahme.
weiterlesen …

Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er jetz­t!
DGB/Simone M. Neumann
Seit 2013 verhandeln zehn europäische Staaten über die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. In einem offenen Brief fordern 10.000 Organisationen die Staats- und Regierungschefs auf, endlich ernst zu machen. Zu den Unterzeichnern gehört auch der Europäische Gewerkschaftsbund.
weiterlesen …

"Wir brau­chen ein Ge­setz für mehr Lohn­ge­rech­tig­keit"
DGB/Simone M. Neumann
Mit einem Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen schließen? Das funktioniert nicht, sagt DGB-Vize Elke Hannack. Nötig sind gesetzliche Regelungen, die Transparenz schaffen und Unternehmen verpflichten, ihre Entgeltpraxis zu überprüfen – und bei Benachteiligungen Abhilfe zu schaffen.
weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten