Deutscher Gewerkschaftsbund

01.08.2017
FR-Kolumne "Gastwirtschaft"

Prekäre Beschäftigung: "Weniger Wilder Westen"

"Sozial ist, was Arbeit schafft": Mit diesem Slogan verspricht die CDU/CDU Vollbeschäftigung bis 2025 - und erhöht damit den Druck in den Niedriglohn. Das ist der völlig falsche Weg, kritisiert DGB-Vorstand Annelie Buntenbach in der Frankfurter Rundschau: "Gerade für eine "Volkspartei" sollten gute, faire Arbeitsbedingungen und anständige Löhne das Ziel sein - für alle Menschen."

Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied

DGB/Simone M. Neumann

Annelie Buntenbach ist Mitglied des Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes. Sie schreibt regelmäßig als Autorin für die Kolumne Gastwirtschaft der Frankfurter Rundschau.

Wer ist eigentlich "Deutschland"?

Noch nie ging es Deutschland so gut wie heute. Mit dieser Botschaft werben CDU/CSU in ihrem Wahlprogramm. Wer ist eigentlich „Deutschland“? Rührt man die Lebenslagen von denen da oben und denen da unten zu einem Durchschnittsbrei zusammen, kann unter dem Strich eine positive Wohlstandsentwicklung stehen.

Union fährt in die falsche Richtung

Aber das sagt wenig über die unterschiedlichen Lebenssituationen leibhaftiger Menschen. Mag sein, dass der Linienbus äußerst bequeme Sitzplätze hat. Aber was haben die davon, die im Gang stehen müssen oder gar an der Haltestelle zurückgelassen werden? Deshalb ist der nicht mehr taufrische Slogan „Sozial ist, was Arbeit schafft“ immer noch falsch, unter dem die CDU/CSU Vollbeschäftigung bis 2025 in Aussicht stellt. Gerade für eine „Volkspartei“ sollten gute, faire Arbeitsbedingungen und anständige Löhne das Ziel sein – für alle Menschen. Davon sind wir noch immer meilenweit entfernt - und wären mit dem Unions-Arbeitsmarktprogramm sogar auf der Gegenfahrbahn unterwegs.

Prekäre Beschäftigung eindämmen

Jeder Fünfte arbeitet im Niedriglohnbereich, viele hängen in prekärer Beschäftigung oder Kleinstarbeitsverhältnissen fest, gerade Frauen. Da brauchen wir politische Weichenstellungen, die prekäre Beschäftigung eindämmen, mehr Menschen in unbefristete Beschäftigung, in den Schutz von Sozialversicherung und Tarifverträgen einbeziehen. Aber statt Rechtsansprüche in Aussicht zu stellen - auf Weiterbildung, auf Aufstockung von Teilzeit in Vollzeit, damit gerade Frauen aus der Teilzeitfalle rauskommen - erhöht die Union den Druck in den Niedriglohn.

Arbeitnehmerrechte bleiben auf der Strecke

Minijobs sind eine Rutschbahn in die Altersarmut und Arbeitnehmerrechte bleiben dabei immer wieder auf der Strecke: Ein Drittel der Minijobber bekommt keinen Urlaub, die Hälfte bei Krankheit keinen Lohn. Und davon will die Union noch mehr, sie will die 450-Euro-Grenze dynamisieren, sprich anheben. Stattdessen ist eine Reform überfällig, die Minijobs in sozialversicherungspflichtige Teilzeit oder Vollzeit umwandelt. Beim Mindestlohn wollen CDU/CSU die Kontrollen in Gastronomie und Landwirtschaft runterfahren – jene Branchen, in denen schon heute oft am Gesetz vorbei beschäftigt wird. Klar ist: Mehr Wilder Westen am Arbeitsmarkt wird nicht zu "Wohlstand für alle" führen.


LINK:

Frankfurter Rundschau: Mit dem Programm der Union auf die Gegenfahrbahn


 


Nach oben

Weitere Themen

Das än­dert sich 2018 für Ar­beit­neh­mer und Ver­si­cher­te
Colourbox.de
Am 1. Januar 2018 treten neue Gesetze und Regelungen in Kraft. Unter anderem beim Mutterschutz und in der betrieblichen Altersversorgung. Was ändert sich noch für Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Versicherte? Eine Übersicht.
weiterlesen …

Die­se Maß­nah­men wür­den Rechts­po­pu­lis­ten das Was­ser ab­gra­ben
Colourbox.de
Die Hans-Böckler-Stiftung hat in einer Studie untersucht: Warum wählen Menschen in Deutschland die rechtspopulistische AfD? Die Ergebnisse zeigen: Die Menschen brauchen wieder mehr Sicherheit in der Arbeitswelt und in den sozialen Sicherungssystemen.
weiterlesen …

DGB zur Bun­des­tags­wahl 2017: Jetzt ge­recht - du hast die Wahl!
DGB
Jetzt gerecht - du hast die Wahl! Der DGB hat klare Forderungen an die Parteien zur Bundestagswahl 2017 formuliert. Hier gibt's alle Infos.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Themenverwandte Beiträge

Artikel
"Minijobs sind eine Rutschbahn Richtung Altersarmut"
Wenig Sicherheit und ein Einkommen, von dem man weder leben noch fürs Alter vorsorgen kann: Für Millionen Minijobber in Deutschland ist das Realität. Doch statt die Minijobs endlich in den Schutz der Sozialversicherung zu holen, wollen CDU/CSU diese prekäre Beschäftigungsform offenbar noch ausbauen, indem sie die Einkommensgrenze anheben, kritisiert DGB-Vorstand Annelie Buntenbach. weiterlesen …
Link
Wahlprogramm der Union: "Gerecht geht anders"
Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann geht mit den Wahlversprechen von CDU und CSU hart ins Gericht. Sie seien ungerecht und unkonkret, sagt er im Tagesspiegel. Auch ein Rentenkonzept vermisst er. zur Webseite …
Artikel
Staatlich verwaltete Arbeitszeitkonten helfen Familien nicht
Damit Beschäftigte Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren können, brauchen sie mehr Freiheit bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit. Ein Arbeitszeitkonto, das von Finanzamt oder Rentenversicherung verwaltet wird, bringt dagegen gar nichts, kritisiert DGB-Vize Elke Hannack: Dieser Vorschlag der CDU sei "nicht mehr als ein leeres Wahlkampfversprechen". weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten