Deutscher Gewerkschaftsbund

29.10.2015
Deutscher BetrebsräteTag

Betriebsräte haben wichtige Rolle bei Integration von Flüchtlingen

Betriebsräte spielen eine wichtige Rolle bei der Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit. Sie können treibende Kraft gegenüber dem Arbeitgeber sein und seien "Schutzmacht vor Ausbeutung und schlechter Ausbildung", sagte DGB-Vize Elke Hannack auf dem Deutschen BetriebsräteTag in Bonn.

Hannack diskutierte beim BetriebsräteTag mit Andreas Oehme, Geschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT), wie die Integration von Füchtlingen in Arbeit und Ausildung gelingen kann.

Elke Hannack, DGB-Vize, Deutscher BetriebsräteTag

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack (Mitte) diskutierte mit dem Geschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT), Andreas Oehme (r.), über die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit. Das Gespräch am gemeinsamen Stand von DGB und Hans-Böckler-Stiftung (HBS) beim Deutschen BetriebsräteTag moderierte Norbert Kluge (l.), Abteilungsleiter Mitbestimmungsförderung bei der HBS. DGB

Keine Schmalspurausbildung für Flüchtlinge

Hannack sprach sich gegen so genannte Teilqualifizierungen oder "Schmalspurausbildungen" für Flüchtlinge aus. "Das wollen wir nicht. Teilqualifikationen bereiten höchstens auf schlechte Arbeit in prekären Verhältnissen vor", so Hannack. Für Geflüchtete müssten dieselben Standards bei der Integration in den Arbeitsmarkt gelten wie für Menschen, die bereits hier leben.

Hannack machte klar: Auch andere Ausbildungs- und Arbeitsstandards dürften für Flüchtlinge nicht abgesenkt werden, auch nicht der Mindestlohn.

Sprachförderung elementar

"Für die Integration in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt ist die Sprachförderung einer der wichtigsten Punkte", sagte Hannack. "Die Sprachförderung muss möglichst frühzeitig und schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen beginnen."

Auch WHKT-Geschäftsführer Oehme betonte die wichtige Rolle der Sprachförderung. Viele Betriebe, die Flüchtlinge beschäftigen wollen, würden bereits nach Einsatzbereichen suchen, in denen auch geringe deutsche Sprachkenntnisse ausreichen. Oehme wies allerdings auch darauf hin, dass viele Betriebe Schwierigkeiten mit der unklaren (arbeits-)rechtlichen Situation von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt hätten. Das sei eine Integrationshürde, die abgebaut werden müsse.

Deutscher BetriebsräteTag

Großes Interesse bei den TeilnehmerInnen des Deutschen BetriebsräteTags 2015 an der Diskussion am Stand von DGB und HBS. DGB

Betriebsräte können "Treiber" für Integration sein: Vorhandene Instrumente nutzen

Hannack betonte die Rolle von Betriebsräten bei der Integration. Sie würden Flüchtlinge vor Ausbeutung im Betrieb schützen. Sie könnten aber auch als "Integrationslotsen" fungieren und den Arbeitgeber dazu bringen, Flüchtlinge auszubilden. Die Instrumente dafür seien vorhanden: "Wir appellieren an die Arbeitgeber, junge Geflüchtete auch auszubilden. Wenn die Betriebe dabei Unterstützung brauchen, besteht jetzt ja schon die Möglichkeit der assistierten Ausbildung. Wenn sich Jugendliche und Betriebe unsicher sind, ist auch schon jetzt eine Einstiegsqualifizierung möglich", so Hannack. "Wir haben bereits jetzt schon Instrumente, die wir einfach mal nutzen sollten."

Mitbestimmung selbst ist Integrationsfaktor

Norbert Kluge, Abteilungsleiter Mitbestimmungsförderung bei der Hans-Böckler-Stiftung, betonte: Die betriebliche Mitbestimmug selbst sei ein echter Integrationsfaktor: Ab dem ersten Tag der Ausbildung oder Anstellung könnten Flüchtlinge und MigrantInnen als Teil der Belegschaft den Schutz und Rat des Betriebsrats in Anspruch nehmen. Und im Gegensatz zu Kommunal- oder Parlamentswahlen mache das Betriebsverfassungsgesetz keinen Unterschied nach Nationalitäten: Alle können an dieser demokratischen Wahl teilnehmen.


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