Deutscher Gewerkschaftsbund

12.07.2016
Stellungnahme

Deutschlandstipendium hat die Erwartungen nicht erfüllt

Abweichendes Votum von DGB und DSW

Vor fünf Jahren ist das Deutschlandstipendium gestartet, jetzt wurde eine Zwischenbilanz gezogen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund und das Deutsche Studentenwerk sehen einige Punkte durchaus kritisch. So hat die Förderung weniger Studierende erreicht als geplant, auch die soziale Ungleichheit beim Zugang wurde nicht abgemildert.

Studenten im Hörsaal in der Hochschule

DGB/Simone M. Neumann

Neuer Weg in der Begabtenförderung

2011 hat der Bund das Deutschlandstipendium ins Leben gerufen, ein damals neues Konzept der privat-öffentlichen Bildungspartnerschaft. Die Idee: Leistungsstarke und engagierte junge Menschen erhalten, unabhängig von ihrem Einkommen, 300 Euro im Monat. Die Hälfte dieser Summe wird von privaten Förderern finanziert, die andere Hälfte vom Bund.

Evaluation nach fünf Jahren

Fünf Jahre nach dem Start wurden nun die Wirkungen und Erfolgsbedingungen des Programms untersucht. Auf der Grundlage dieser Evaluation und einer Begleitforschung hat der Beirat Deutschlandstipendium eine Stellungnahme formuliert, die Empfehlungen für die weitere Entwicklung des Programms enthält. Weitere Infos: Stellungnahme des Beirats Deutschlandstipendium

Abweichendes Votum von DGB und DSW

Matthias Anbuhl und Achim Meyer auf der Heyde, die Vertreter von DGB und Deutschem Studentenwerk im Beirat, haben sich dieser Stellungnahme nicht angeschlossen und ein abweichendes Votum abgegeben. Sie schätzen unter anderem die Zahl der Stipendien und der privaten Förderer kritisch ein.

  • Auch wenn allein im Jahr 2015 24.300 junge Menschen gefördert wurden: Insgesamt hat das Deutschlandstipendium nur 0,84 Prozent aller Studierenden erreicht. Das ursprünglich anvisierte und mittlerweile nach unten korrigierte Ziel von 8 Prozent ist damit nicht annähernd erreicht.
  • Auch nach einer halben Dekade gibt es keinen massiven Zuwachs an privaten Förderern. Trotz staatlicher Förderung mangelt es an der Bereitschaft, ein Stipendium zu finanzieren.
  • Das Deutschlandstipendium hat die soziale Ungleichheit beim Zugang zur Hochschule nicht abgemildert, sondern lediglich den Status quo reproduziert. Eine Sogwirkung für Studierende aus nicht akademischen beziehungsweise einkommensschwächeren Elternhäusern hat nicht stattgefunden.
  • Auch Studierende mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder ausländischer Staatsangehörigkeit sind nach wie vor unterrepräsentiert.

Bei der weiteren Gestaltung des Programms sollte geprüft werden, wie solch ein Stipendium zur Milderung von sozialer Ungleichheit beitragen kann, so DGB und DSW. Außerdem sollte das Konzept des Evaluationsberichts geprüft und verbessert werden.


 


Nach oben

Weitere Themen

Das än­dert sich 2018 für Ar­beit­neh­mer und Ver­si­cher­te
Colourbox.de
Am 1. Januar 2018 treten neue Gesetze und Regelungen in Kraft. Unter anderem beim Mutterschutz und in der betrieblichen Altersversorgung. Was ändert sich noch für Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Versicherte? Eine Übersicht.
weiterlesen …

Die­se Maß­nah­men wür­den Rechts­po­pu­lis­ten das Was­ser ab­gra­ben
Colourbox.de
Die Hans-Böckler-Stiftung hat in einer Studie untersucht: Warum wählen Menschen in Deutschland die rechtspopulistische AfD? Die Ergebnisse zeigen: Die Menschen brauchen wieder mehr Sicherheit in der Arbeitswelt und in den sozialen Sicherungssystemen.
weiterlesen …

DGB zur Bun­des­tags­wahl 2017: Jetzt ge­recht - du hast die Wahl!
DGB
Jetzt gerecht - du hast die Wahl! Der DGB hat klare Forderungen an die Parteien zur Bundestagswahl 2017 formuliert. Hier gibt's alle Infos.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Zuletzt besuchte Seiten