Deutscher Gewerkschaftsbund

17.12.2019

DGB-Analyse: Arbeiten am Limit

einblick Januar 2020

Der Druck wächst in vielen Berufen, weil die Arbeitsintensität zunimmt. Das hat laut DGB-Index Gute Arbeit 2019 Folgen: Vielen Beschäftigten fällt es schwer abzuschalten. Auch die Zahl der Menschen, die zehn Tage oder mehr im Jahr krank zur Arbeit geht, ist besorgniserregend.

Weinende Pflegerin Krankenchwester im Krankenhausflur

DGB/dolgachov/123RF.com

Die aktuelle Auswertung des DGB-Index Gute Arbeit zur Arbeitsintensität zeigt, dass mehr als die Hälfte (53 Prozent) der rund 6500 Befragten sich bei der Arbeit sehr häufig oder oft gehetzt fühlt. Bei vielen Beschäftigten scheint die Arbeitsbelastung im Vergleich zu den Vorjahren noch zu steigen: So hat ein Drittel (34 Prozent) der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten mehr Arbeit verrichten müssen, als noch ein Jahr zuvor. Die Folgen: 57 Prozent der überlasteten ArbeitnehmerInnen fühlen sich häufig leer und ausgebrannt. Rund die Hälfte reduziert regelmäßig die Pausen, um ihr Pensum zu erfüllen. 42 Prozent sind in den vergangenen zwölf Monaten zehn oder mehr Tage krank zur Arbeit gegangen.

DGB Index

Immer mehr Projekte, Arbeitsgruppen, E-Mails, Kunden – das bleibt nicht ohne Folgen, vor allem in den IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungen. Mehr als ein Drittel schafft die Arbeitsmenge nicht mehr in der vorgegebenen Zeit.

„Das Problem zu hoher psychischer Belastung in der Arbeitswelt ist seit Jahren bekannt“, kritisiert der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann die Befunde. „Für einen Großteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat sich jedoch wenig geändert. Die aktuellen Befunde des DGB-Index Gute Arbeit zeigen: Der Arbeitsstress bleibt auf einem besorgniserregend hohen Niveau.“ Hoffmann fordert die Unternehmen auf, ihre MitarbeiterInnen besser zu schützen.

Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen schützen

Die Arbeitgeber „müssen die Überlastung und die damit einhergehenden gesundheitlichen Gefährdungen der Beschäftigten vermeiden. Die Gewerkschaften haben zahlreiche Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen zum Schutz der Gesundheit abgeschlossen. Diese müssen zum Standard für alle Beschäftigten werden“, fordert der DGB-Vorsitzende. Die Regierungskoalition müsse Tarifbindung und Mitbestimmung stärken.

„Die allseits beschworene Fachkräftesicherung muss vor allem im Betrieb selbst anfangen – mit gesunden Arbeitsbedingungen.“ Unter den aktuellen Arbeitsbedingungen sind viele Beschäftigte skeptisch, bis zur Rente durchzuhalten. 40 Prozent gehen davon aus, dass sie es wahrscheinlich nicht schaffen werden, ihre jetzige Tätigkeit bis zum Rentenalter fortzusetzen. Deutliche Differenzen zeigen sich zwischen verschiedenen Berufsgruppen. Beschäftigte in personenbezogenen Dienstleistungsberufen sowie Fertigungsberufen sind deutlich pessimistischer, was ihre Erwerbsfähigkeit angeht. In Land- und forstwirtschaftlichen Berufen geht nur jede/r Fünfte davon aus, bis zur Rente arbeiten zu können. Ebenfalls deutlich unter dem Durchschnitt liegt der Anteil in der Lebensmittel- und Gastrobranche (37 Prozent), in Bauberufen (38 Prozent) sowie in Gesundheitsberufen (39 Prozent).

Mehr dazu unter: www.dgb.de/-/S1l


Nach oben

einblick - der DGB-Newsletter

einblick - Startseite
zur Webseite …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

DGB-Da­ten­re­por­t: Ar­beits­welt in Zah­len
colourbox.de
Im DGB-Datenreport liefern wir aktuelle Zahlen und Daten aus Arbeitswelt, Gewerkschaften und Politik.
weiterlesen …

smar­tu­ni­on
Newsletter Header SmartUnion
DGB
In der neuen Rubrik SmartUnion stellt die Redaktion Apps, Tools und Anwendungen vor, die GewerkschafterInnen für ihre tägliche Arbeit nutzen können. Zudem berichten wir über aktuelle Entwicklungen zu den Themen Datenschutz und Datensicherheit.
weiterlesen …

RSS-Feeds des DGB-In­fo­ser­vices ein­blick
einblick Infoservice DGB RSS-Feeds RSS
Hintergrundfoto: Colourbox.de
weiterlesen …

Weitere Themen

Darf Ur­laub bei Kurz­ar­beit ge­kürzt wer­den?
Strandszene mit Cocktailglas; Cocktailglas ist mit rotem Kreuz durchgestrichen; daneben die Grafik eines Fragezeichens und eines Ausrufezeichens
DGB/123rf.com/ lineartestpilot/ P. M. Pelz/ maglara
Verschiedene Arbeitgeber vertreten die Position: Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die aufgrund der Corona-Krise in Kurzarbeit sind, kann der Anspruch auf Erholungsurlaub gekürzt werden. Im Klartext: Weniger Urlaubstage wegen Kurzarbeit. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften widersprechen. Die wichtigsten Informationen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
weiterlesen …

Co­ro­na-App und Ar­beits­recht: Was darf mein Chef?
Weibliche Hand hält Smartphone; darüber eine Grafik mit einem grünen Häkchen
Colourbox.de
Seit dem 16. Juni ist die Corona-Warn-App verfügbar. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitenhmer stellen sich mit Blick auf die App verschiedene Fragen. Darf der Chef oder die Chefin beispielsweise anordnen, dass Beschäftigte die Corona-Warn-App installieren und nutzen? Und was ist mit Lohn und Gehalt, wenn die App "anschlägt" und Beschäftigte zuhause bleiben müssen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
weiterlesen …

Co­ro­na: Al­les, was Be­schäf­tig­te jetzt wis­sen müs­sen
Mikroskopaufnahme Corona-Viren
DGB/Kateryna Kon/123rf.com
Corona und Arbeitsrecht, Corona und Kurzarbeitergeld, Corona und Arbeitszeit, Corona und Arbeitsschutz, Corona und Kinderbetreuung: Wir beantworten die wichtigsten Fragen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der COVID19-Krise.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …